BMW verlangt für Autos, die nur erneuerbare Kraftstoffe wie HVO100 tanken, eine eigene Fahrzeugklasse im EU-Flottenrecht. Den Beleg für jede saubere Tankfüllung soll ein Abgleich von Fahrzeug- und Bezahldaten liefern. Geprüft wird damit die Zahlung, nicht der Kraftstoff im Tank.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Dienstwagen von Christian Hirte fährt seit Juni 2026 ausschließlich mit HVO100. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium gehört damit zur Testflotte, mit der BMW seit Oktober 2025 jede Tankfüllung zurückverfolgt. Am 25. September stellten Vertreter der Autoindustrie und des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Hirte im Bosch-Werk Eisenach die Ergebnisse vor, verbunden mit einer Forderung an Brüssel.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- BMW und der VDA fordern die Fahrzeugklasse VEEF für Autos, die ausschließlich erneuerbare Kraftstoffe tanken. Deren CO2-Einsparung soll im EU-Flottenrecht zählen.
- Den Nachweis liefert ein Abgleich der Tankdaten aus dem Fahrzeug mit dem Bezahlsystem des Flottenbetreibers.
- HVO100 verursacht je nach Rohstoff und Hersteller bis zu 90 Prozent weniger CO2 als fossiler Diesel.
- Der Vorschlag der EU-Kommission vom Dezember 2025 enthält keine solche Fahrzeugklasse.
Wie funktioniert der Tanknachweis von BMW?

Das Auto meldet Zeitpunkt und Menge jeder Betankung, das Bezahlsystem des Flottenbetreibers meldet die bezahlte Kraftstoffsorte. Stimmen beide Datensätze überein, gilt die Füllung als HVO100. BMW schreibt, die Lösung „funktioniert in der Praxis“.[1] Hirte stellte sich hinter die Branche: „Klimaneutraler Verkehr gelingt nur technologieoffen.“
Bosch testet mit dem Digital Fuel Twin dasselbe Prinzip für Benziner. Seit Juli fahren in Spanien rund 20 Autos von BMW und Toyota sechs Monate lang nur mit dem erneuerbaren Benzin Nexa 95 von Repsol. Die Plattform verknüpft Fahrzeugdaten, Tankstelleninformationen und Tankkarten-Transaktionen.[2] Eine chemische Kontrolle des Kraftstoffs sieht keines der beiden Verfahren vor.
Wo liegt die Schwachstelle des Nachweises?
Der Abgleich belegt nur den Kauf an der Zapfsäule. Ein Kanister oder eine Tankstelle ohne Datenanbindung bleiben für das System unsichtbar. Schwerer wiegt die Lieferkette davor: Welcher Kraftstoff aus der Zapfsäule fließt, bescheinigen die Zertifikate der Produzenten. Genau diese Kette versagte 2024 und 2025: Biodiesel aus China wurde massenhaft fälschlich als fortschrittlicher Kraftstoff deklariert und doppelt auf die THG-Quote angerechnet. Vom Preisverfall der Quote erholten sich Hersteller wie Verbio erst in diesem Jahr.
Bei Privatwagen käme der Datenschutz hinzu. Die Daten jeder Betankung mit Ort und Zeit müssten beim Hersteller landen, damit das Auto in seiner Zulassungsklasse bleibt. In Firmenflotten mit Tankkarte fallen diese Daten ohnehin an. Für Privatkunden bräuchte der Hersteller dagegen eine eigene Rechtsgrundlage nach der DSGVO.
Der Tankkarten-Abgleich von BMW beweist, was bezahlt wurde, nicht was verbrannt wurde. Solange sich Zertifikate so leicht fälschen lassen wie beim China-Biodiesel, hängt die Klasse VEEF am schwächsten Glied der Kette.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Vorstoß für Flotten in Deutschland?
Die EU-Kommission will laut ihrem Vorschlag vom 16. Dezember 2025 das Flottenziel für 2035 von 100 auf 90 Prozent weniger CO2 senken. Die restlichen zehn Prozent müssen Hersteller über kohlenstoffarmen Stahl aus der EU oder über E-Fuels und Biokraftstoffe ausgleichen.[3] Eine Fahrzeugklasse VEEF fehlt im Vorschlag, obwohl die Flottenverordnung von 2023 auf deutschen Druck einen Erwägungsgrund zu Autos mit ausschließlich CO2-neutralem Kraftstoff enthält. Wie teuer die Grenzwerte schon heute sind, zeigt Porsche, das sich CO2-Hilfe beim chinesischen Hersteller XPeng holt.
Für Fuhrparkleiter ist der Nachweis per Tankkarte schon heute nutzbar. Dieselmodelle aus deutschen BMW-Werken bekommen seit Januar 2025 ihre Erstbefüllung mit HVO100.[4] Die Transaktionsdaten der Tankkarte belegen den Bezug für die eigene CO2-Bilanz. Prüfen Sie vor dem Umstieg gerne die Herstellerfreigabe nach DIN EN 15940 für jedes Modell. Mit knappen Mengen sollten Sie allerdings rechnen, denn die Luftfahrt braucht dieselben Rohstoffe: Airbus setzt bei seinen neuen Flugzeugen auf nachhaltigen Sprit.
Quellen
[1] BMW Group: „Fahrzeugindustrie wirbt für technologieoffene Mobilität“ (25.09.2026)
[2] Bosch: „Pilotprojekt: Bosch, Toyota, BMW und Repsol testen vollständig regeneratives Benzin im Realbetrieb“ (Juli 2026)
[3] Europäische Kommission: „Commission takes action for clean and competitive automotive sector“ (16.12.2025)
[4] BMW Group: „BMW Group startet Demoflotte für Diesel-Ersatzkraftstoffe“ (23.10.2025)
Mehr Newshunger?
- E-Auto-Neuzulassungen im August: Mehr Stromer als Benziner und Diesel zusammen
- Bayer und Neste erschließen Winterraps als Biokraftstoff-Rohstoff
- Porsche korrigiert die Elektro-Wette: Was hinter der Strategie 2035 steckt
- Flugbenzin aus dem Stahlwerk: thyssenkrupp verwandelt CO2 mit Carbon2Chem in SAF
- Warum sind Elektroautos teurer als Verbrenner?
- BioLNG statt Diesel: Der pragmatische Weg der Speditionen durch die CO2-Grenzwerte