Der Biokraftstoff-Hersteller Verbio meldet für das abgelaufene Geschäftsjahr ein vorläufiges EBITDA von rund 192 Millionen Euro und übertrifft damit die eigene, mehrfach angehobene Prognose.[1] Hinter der Zahl steht keine Sonderkonjunktur, sondern die Erholung eines Marktes, den billige Importe aus China zwei Jahre lang nach unten gedrückt hatten. Für Flottenbetreiber und Energieverantwortliche zählt deshalb weniger die Bestmarke als der Grund dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Verbio erwartet ein EBITDA von rund 192 Millionen Euro und liegt über der Prognose von 160 bis 180 Millionen.
- Treiber sind eine bessere CO2-Bilanz der eigenen Kraftstoffe und höhere Verkaufspreise.
- Die Nettofinanzschuld sank auf etwa 92 Millionen Euro, statt der befürchteten 140 Millionen.
- Hintergrund ist die Erholung der THG-Quote, seit die EU Zölle gegen chinesischen Biodiesel verhängt hat.
Verbio hebt das EBITDA über die eigene Prognose

Für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 2025/26 rechnet Verbio nach vorläufigen, noch nicht testierten Zahlen mit einem EBITDA von rund 192 Millionen Euro. Die zuletzt genannte Spanne von 160 bis 180 Millionen Euro ist damit klar überboten, obwohl das Unternehmen sie im Jahresverlauf bereits zweimal nach oben korrigiert hatte.[1]
Auch die Bilanz entspannt sich. Die Nettofinanzschuld sank zum Stichtag auf etwa 92 Millionen Euro und blieb damit unter den befürchteten 140 Millionen. Das Unternehmen nennt zwei Treiber: eine bessere CO2-Bilanz der eigenen Kraftstoffe und höhere Verkaufspreise als geplant. Die geprüften Zahlen folgen am 24. September.[1]
Warum die THG-Quote nach dem China-Schock wieder steigt
Der eigentliche Hebel steckt in einem Kürzel: der Treibhausgasquote, kurz THG-Quote. Mineralölkonzerne müssen den CO2-Ausstoß ihrer verkauften Kraftstoffe jährlich senken und kaufen dafür Zertifikate von Herstellern wie Verbio oder von den Haltern eines E-Autos. Der Preis dieser Zertifikate ist der Umsatzhebel der Branche.
Genau dieser Preis brach 2024 und 2025 um rund die Hälfte ein. Auslöser war eine Flut billigen Biodiesels aus China, ein großer Teil davon fälschlich als fortschrittlicher Kraftstoff deklariert und dadurch doppelt auf die Quote angerechnet. Mehrere europäische Produzenten legten daraufhin Anlagen still.
Die EU-Kommission zog mit einem Zoll nach. Seit dem 12. Februar 2025 gelten endgültige Antidumpingzölle zwischen 10 und 35,6 Prozent auf chinesischen Biodiesel, vorläufig griffen sie schon ab August 2024.[2] Der Importdruck ließ nach, der Quotenpreis erholt sich, und Verbios höhere Verkaufspreise sind die direkte Folge.
Die Zahlen von Verbio zeigen, dass die deutsche Biokraftstoff-Branche kein Auslaufmodell war, sondern ein Opfer verzerrter Importpreise. Erst der Zoll hat den Markt wieder ehrlich gemacht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was die Verbio-Zahlen für Entscheider bedeuten
Für die Praxis heißt das zweierlei. Flottenbetreiber spüren die steigenden Quotenerlöse unmittelbar, denn die Prämie für ein rein elektrisches Firmenfahrzeug klettert 2026 wieder spürbar, nachdem sie zwei Jahre am Boden lag. Ein Blick auf die aktuellen Ladetarife und Förderwege für E-Autos lohnt sich damit neu.
Zugleich stützt der bis 2030 steigende Quotenpfad die Nachfrage nach Biomethan und Biodiesel dort, wo sich Fahrzeuge kaum elektrifizieren lassen, etwa im schweren Güterverkehr. Verbio bedient diesen Markt bereits mit Bio-LNG für Speditionen. Ein Restrisiko bleibt: Der Zollschutz ist befristet, und die Betrugskontrolle bei Importen ist weiter lückenhaft.
Häufige Fragen zu Verbio und der THG-Quote
Was ist die THG-Quote?
Die Treibhausgasquote (THG-Quote) verpflichtet Mineralölkonzerne, den CO2-Ausstoß ihrer verkauften Kraftstoffe jährlich zu senken. Zum Ausgleich kaufen sie Zertifikate von Biokraftstoff-Herstellern oder von Haltern eines E-Autos. Der Preis dieser Zertifikate bestimmt die Erlöse der gesamten Biokraftstoff-Branche.
Warum ist der Preis der THG-Quote eingebrochen?
Ab 2024 überschwemmte billiger Biodiesel aus China den Markt, ein großer Teil fälschlich als fortschrittlicher Kraftstoff deklariert und dadurch doppelt angerechnet. Das Überangebot drückte den Quotenpreis um rund die Hälfte. Erst die EU-Antidumpingzölle ab 2025 entspannten die Lage wieder.
Wie viel EBITDA hat Verbio im Geschäftsjahr 2025/26 erzielt?
Verbio erwartet nach vorläufigen Zahlen ein EBITDA von rund 192 Millionen Euro für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr. Damit übertrifft das Unternehmen seine zuletzt auf 160 bis 180 Millionen Euro angehobene Prognose. Die geprüften Zahlen folgen am 24. September 2026.
Welche Zölle gelten auf chinesischen Biodiesel?
Seit dem 12. Februar 2025 erhebt die EU endgültige Antidumpingzölle zwischen 10 und 35,6 Prozent auf Biodiesel aus China, geregelt in der Durchführungsverordnung (EU) 2025/261. Vorläufige Zölle galten bereits ab August 2024. Die Maßnahme betrifft rund 50 chinesische Hersteller.
Energieverantwortliche sollten die Entwicklung der THG-Quotenpreise jetzt aktiv in die Flottenplanung einrechnen und Prämienangebote nicht mehr an den schwachen Vorjahren messen. Beim Einkauf von Biokraftstoffen gehört der Herkunftsnachweis doppelt geprüft, solange der Zoll die Importströme noch sortiert.
Quellen
[1] Verbio SE: „Vorläufiges EBITDA für GJ 2025/2026 übertrifft Prognose“ (Ad-hoc-Mitteilung, 3. August 2026)
[2] Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2025/261 zur Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls auf Biodiesel aus China
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