Deutschlands große Offshore-Windparks brauchen Kapital, das lange gebunden bleibt. Beim Staatsbesuch von Präsident Mohammed bin Zayed Al Nahyan hat sich RWE genau dieses Kapital an Land gezogen: Gemeinsam mit dem Abu-Dhabi-Staatsfonds Masdar will der Konzern in die deutsche Offshore-Auktion 2027 gehen und dort mehr als 3 Milliarden Euro investieren. Beim staatlichen Ölkonzern ADNOC vereinbart RWE zugleich Flüssigerdgas-Lieferungen für die Zeit nach 2030.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRWE bindet für den Ausbau der deutschen Windkraft erstmals Staatskapital vom Persischen Golf ein. Am 11. September 2026 unterzeichnete der Essener Versorger am Rande des Staatsbesuchs gleich zwei Vereinbarungen mit Partnern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.[1] Hinter beiden Abschlüssen steckt dieselbe Rechnung: Die Energiewende ist teuer, und das nötige Geld wird knapp.
Das Wichtigste in Kürze
- Masdar und RWE prüfen die gemeinsame Teilnahme an der deutschen Offshore-Auktion 2027, mögliches Volumen über 3 Milliarden Euro.
- Eine Absichtserklärung mit ADNOC sieht bis zu zwei langfristige LNG-Lieferverträge vor, Lieferstart Anfang der 2030er Jahre.
- Die Emirate kündigten langfristige Investitionen von rund 40 Milliarden Euro in Deutschland an.
- Für RWE öffnet der Golf-Partner den Weg, kapitalintensive Windprojekte ohne Förderung zu stemmen.
Warum holt sich RWE Geld aus Abu Dhabi?

Ohne Subvention laufen Deutschlands Offshore-Auktionen seit 2023, teils zahlen die Bieter sogar für den Zuschlag. Ein Betreiber muss die Milliarden für Fundamente, Turbinen und Netzanbindung allein vorstrecken, um sie über zwanzig Jahre wieder einzuspielen. Wie ein Park ganz ohne Fördergeld auskommt, führt der Nordsee-Windpark He Dreiht bereits vor, und Masdar bringt für dieses Modell das Passende mit: geduldiges Kapital, das eine lange Amortisation aushält.
Für RWE passt der Schritt in eine größere Kapitalrotation. Im August legte der Versorger den Streit um seine amerikanischen Offshore-Lizenzen bei und zog sich gegen eine Milliardenzahlung aus dem US-Geschäft zurück. Das frei gewordene Geld fließt nun nach Europa, wo der Konzern zusammen mit Masdar in Großbritannien bereits den 3-Gigawatt-Park Dogger Bank South gewonnen hat.
Wie finanziert Staatskapital die Windauktion?
Ko-Investment heißt der Hebel. Masdar steigt als Miteigentümer ein und trägt einen Teil des Risikos, RWE behält Entwicklung und Betrieb der Parks. Für die Auktion 2027 nennt der Konzern ein mögliches Investitionsvolumen von mehr als 3 Milliarden Euro.
Der Zeitpunkt passt zum politischen Ziel: Deutschland will die Offshore-Leistung bis 2030 auf rund 30 Gigawatt fast verdreifachen, was sich ohne frisches Kapital von außen kaum halten lässt. Ähnlich rechnet Friedrich Vorwerk beim Netzausbau, wo private Milliarden die Lücke schließen. Auch Siemens Energy verdient mit Wind erstmals seit 2022 wieder Geld, ein Signal, dass die Branche Investoren anzieht.
Ausländisches Staatskapital in deutschen Windparks ist kein Ausverkauf, sondern der Preis der subventionsfreien Energiewende. Fällt die Förderung weg, sucht der Betreiber das Geld eben am Persischen Golf.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bringt das Gas-Geschäft mit ADNOC?
Versorgungssicherheit steht hinter der zweiten Vereinbarung. Über die Handelstochter RWE Supply & Trading sichert sich der Konzern per Absichtserklärung bis zu zwei langfristige LNG-Verträge mit ADNOC. Das Gas soll aus Quellen wie Ruwais, Rio Grande und Mosambik stammen. Ab Anfang der 2030er Jahre soll das Flüssigerdgas nach Deutschland, Europa und Asien fließen.
Die Emirate fahren damit eine Doppelstrategie: erneuerbare Energie und fossiles Gas aus derselben Hand. Für deutsche Entscheider zählt vor allem die Einordnung. Nach dem Wegfall des russischen Pipeline-Gases stützt sich die Industrie auf Flüssigerdgas über Terminals wie Brunsbüttel und Wilhelmshaven, und jeder langfristige Vertrag verlängert diese Abhängigkeit ins nächste Jahrzehnt. Über alle Branchen hinweg kündigten die Emirate rund 40 Milliarden Euro an langfristigen Investitionen in Deutschland an, von Chemie bis Rechenzentrums-Technik.
Für Zulieferer, Projektierer und Stadtwerke lohnt der Blick auf die Bieterlisten der Offshore-Auktion 2027. Wo Staatsfonds vom Golf als Ko-Investoren auftreten, verschieben sich Preisdruck, Projektgrößen und Zahlungsziele entlang der ganzen Lieferkette.
FAQ: RWE, Masdar und ADNOC
Was hat RWE mit Masdar und ADNOC vereinbart?
RWE will mit dem Abu-Dhabi-Staatsfonds Masdar gemeinsam an der deutschen Offshore-Windauktion 2027 teilnehmen und dort mehr als 3 Milliarden Euro investieren. Mit dem Ölkonzern ADNOC unterzeichnete RWE zudem eine Absichtserklärung über bis zu zwei langfristige LNG-Lieferverträge ab Anfang der 2030er Jahre.
Warum braucht RWE Kapital aus den Emiraten?
Deutschlands Offshore-Auktionen laufen weitgehend ohne Förderung, teils mit negativen Geboten. Die Milliarden für Turbinen, Fundamente und Netzanbindung muss der Betreiber allein vorfinanzieren. Der Staatsfonds Masdar bringt geduldiges Kapital, das die lange Amortisation kapitalintensiver Windparks aushält.
Woher kommt das LNG von ADNOC?
Das Flüssigerdgas soll aus mehreren Quellen stammen, darunter Ruwais und Das in den Emiraten, Rio Grande in den USA sowie Projekte in Mosambik und Argentinien. Geliefert wird ab Anfang der 2030er Jahre an Abnehmer in Deutschland, Europa und Asien.
Wie viel wollen die Emirate in Deutschland investieren?
Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten langfristige Investitionen von rund 40 Milliarden Euro in Deutschland an. Der Rahmen reicht von Energie und Chemie bis zu Rechenzentren; die RWE-Abkommen zu Offshore-Wind und LNG sind ein Teil davon.
Quelle
[1] ADNOC, XRG und Masdar: „ADNOC, XRG und Masdar vertiefen Partnerschaften in Deutschland durch strategische Abkommen in den Bereichen Energie, Industrie und Technologie“ (OTS, 11. September 2026)
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