Vor der Nordseeinsel Borkum steht jetzt Deutschlands größter Offshore-Windpark, gebaut ohne einen Cent staatliche Förderung. He Dreiht liefert 960 Megawatt. Finanziert wird der Park über feste Stromverträge mit Google, Bosch und der Deutschen Bahn.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Windpark He Dreiht vereint 64 Turbinen mit zusammen 960 Megawatt und geht im Spätsommer 2026 in den Vollbetrieb.
- Gebaut wird der Park ohne staatliche Förderung: EnBW gewann 2017 den Zuschlag mit einem Null-Cent-Gebot.
- Statt vom Staat kommen die Einnahmen aus langfristigen Lieferverträgen mit Industriekonzernen.
- Rund 2,4 Milliarden Euro fließen in den Park, der etwa 1,1 Millionen Haushalte mit Strom versorgen kann.
Was steht jetzt vor Borkum?

He Dreiht besteht aus 64 Windturbinen des Typs Vestas V236, jede mit 15 Megawatt derzeit die leistungsstärkste Serienturbine am Markt. Seit August 2026 stehen alle Anlagen. Die letzten Netzanschlüsse und Tests laufen bis in den Spätsommer.[1]
Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum erzeugt der Park künftig etwa 3,6 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Mit 960 Megawatt verdoppelt EnBW seine bisherige Kapazität auf See nahezu.[2]
Wie finanziert sich ein Windpark ohne Förderung?
Den Zuschlag für die Fläche holte sich EnBW 2017 mit einem Gebot von null Cent, also ohne jede garantierte Vergütung über den Börsenpreis hinaus. EnBW verzichtet damit auf die staatliche Absicherung, die Offshore-Projekte jahrzehntelang finanzierbar machte.
An die Stelle der Förderung treten langfristige Abnahmeverträge, sogenannte Power Purchase Agreements. Google, Evonik, Bosch, Fraport, Salzgitter, die Deutsche Bahn und eine Telekom-Tochter nehmen je 20 bis 150 Megawatt zu festen Preisen ab. Diese Verträge geben dem Projekt die Planungssicherheit, die früher der Staat bot.[2]
He Dreiht zeigt, dass die Energiewende zum Industriegeschäft geworden ist. Den Strom kauft nicht mehr der Staat über die Förderung, sondern Google für seine Rechenzentren und die Bahn für ihre Züge.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider in der DACH-Region?
He Dreiht ist kein Einzelfall, sondern der bisher größte Beleg für einen Trend: Große Abnehmer kaufen ihren Ökostrom direkt beim Erzeuger. Der größte Einzelkunde ist Google mit 100 Megawatt für den Strombedarf seiner Rechenzentren. Dieselbe Rechnung macht Schwarz Digits bei Rostock, wo ein KI-Rechenzentrum am Windstrom hängen soll.
Für Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz senkt ein solcher Direktvertrag die Stromkosten und macht sie über Jahre planbar, ein Vorteil gerade für energieintensive Betriebe. Der Haken liegt im Zugang: Solche Mengen sichern sich bisher vor allem Großkonzerne, während im Norden mehr Windstrom anfällt, als das überlastete Stromnetz nach Süden abtransportiert.
Quellen
[1] EnBW: „He Dreiht offshore wind farm: All wind turbines now installed“
[2] EnBW: „EnBW wind farm He Dreiht“
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