Miele steht für Hausgeräte made in Germany, doch das jüngste Werk des Konzerns steht in Opelika im US-Bundesstaat Alabama. Seit Ende 2024 produziert der Gütersloher Familienkonzern dort für den nordamerikanischen Markt, und Firmenchef Markus Miele hält einen zweiten US-Standort für denkbar. Zugleich sichert der Konzern die deutschen Werke mit Millioneninvestitionen ab und benennt die hohen Kosten am Standort offen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Miele fertigt seit Ende 2024 in Opelika, Alabama, und hält ein weiteres US-Werk für möglich.
  • Firmenchef Markus Miele warnt im Interview mit der „Welt am Sonntag“ vor den Kosten am Standort Deutschland.
  • Teile der Produktion wandern ins Ausland: Die Waschmaschinen-Endmontage verlagert Miele schrittweise nach Polen.
  • Für die deutschen Werke gilt bis 2028 eine Standortsicherung mit Investitionen von rund 500 Millionen Euro.

Was hat Miele in den USA vor?

Waschmaschine auf Palette mit einem Anhänger „Alabama“ und einem Aufkleber auf Deutsch
Markus Miele erwägt zweites US-Werk. Erstes läuft seit Ende 2024 in Alabama mit 150 Mitarbeitern und produziert Herde und Backöfen für Nordamerika

Markus Miele, geschäftsführender Gesellschafter des Familienkonzerns, hält ein weiteres US-Werk für denkbar, wie er der „Welt am Sonntag“ sagte. Das erste amerikanische Werk läuft seit Ende 2024 in Opelika, Alabama, und fertigt großvolumige Herde und Backöfen für den nordamerikanischen Markt, zunächst mit rund 150 Beschäftigten.[1]

Zugleich verlagert Miele Teile der Fertigung in günstigere Länder und montiert die Waschmaschinen schrittweise im polnischen Ksawerów. Für die deutschen Werke gilt bis 2028 eine Standortsicherung, verbunden mit Investitionen von rund 500 Millionen Euro.[2]

Warum baut ein Premiumhersteller im Ausland?

Miele verdient gutes Geld, und trotzdem wandert Fertigung ab. Der Grund liegt in den Kosten am Heimatstandort und in der Marktnähe. In den USA, dem größten Markt außerhalb Deutschlands, spart eine Fertigung vor Ort die Einfuhrzölle auf europäische Ware und verkürzt die Lieferwege.

Der zweite Hebel sind die Standortkosten. Hohe Energiepreise, Arbeitskosten und Bürokratie belasten die Produktion in Deutschland stärker als an vielen Auslandsstandorten. Die Verlagerung nach Polen senkt vor allem die Lohnkosten. Das US-Werk umgeht zusätzlich die amerikanischen Einfuhrzölle.

Miele schließt kein deutsches Werk und baut trotzdem in Alabama. Genau diese leise Verlagerung, Schicht für Schicht, kostet den Standort Deutschland mehr als jede spektakuläre Schließung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Entscheider in der DACH-Region?

Miele ist kein Einzelfall. Siemens lenkt Investitionen verstärkt in die USA, der Zulieferer ZF verkleinert sich absichtlich, und quer durch die Industrie verschieben Konzerne Kapazität ins Ausland. Aus einzelnen Verlagerungen wird ein Muster.

Für Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt weniger, über den Standort zu klagen, als die eigene Rechnung zu kennen. Drei Größen gehören auf den Tisch: der Anteil der Energiekosten, das Zollrisiko im US-Geschäft und die Nähe der Fertigung zum Kunden. Deutschland zieht weiter Direktinvestitionen an, doch die eigenen Standortkosten gehören auf den Prüfstand.

Miele zwischen Gütersloh und Alabama
Wie ein kerngesunder Familienkonzern seine Fertigung neu verteilt
5,16 Mrd. €
Konzernumsatz 2025, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr
23.000
Beschäftigte weltweit, 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr
500 Mio. €
zugesagte Investitionen in die deutschen Werke bis 2028
Ende 2024
Produktionsstart im ersten US-Werk in Opelika, Alabama
150
Beschäftigte in der ersten Phase des Werks in Opelika

Quellen

[1] Miele: „Miele baut sein angekündigtes US-Werk in Alabama“

[2] Miele: „Miele Geschäftsjahr 2025: Moderates Wachstum trotz Gegenwinds“

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