ZF steckt im größten Umbau seiner Geschichte. Der neue Kurs führt konsequent nach unten: kleinerer Umsatz, weniger Pkw-Geschäft. Einem Bericht des Industriemagazins zufolge will Vorstandschef Mathias Miedreich den Konzern von 39 auf 35 Milliarden Euro Umsatz zurückführen und die verlustreiche Sparte für Elektroantriebe teils abgeben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer ZF-Umbau bekommt eine ungewöhnliche Richtung: Der Zulieferer aus Friedrichshafen will nicht wachsen, sondern schrumpfen. Im ersten Halbjahr 2026 kehrte der Konzern mit 122 Millionen Euro Nettogewinn erstmals seit 2023 in die schwarzen Zahlen zurück. Der Gewinn stammt allerdings aus Einsparungen, nicht aus neuen Aufträgen.
Das Wichtigste in Kürze
- ZF will laut einem Bericht des Industriemagazins den Jahresumsatz von rund 39 auf 35 Milliarden Euro senken und den Pkw-Anteil bis 2028 unter 50 Prozent drücken.
- Für die verlustreiche Sparte der Elektroantriebe sucht der Konzern einen Partner, eine Teilabgabe ist laut dem Bericht im Gespräch.
- Bis Ende 2028 stehen dem Bericht zufolge 11.000 bis 14.000 weitere Stellen zur Disposition, in Deutschland sank die Beschäftigtenzahl bereits auf 47.068.
- Im ersten Halbjahr 2026 verdiente ZF 122 Millionen Euro, den ersten Halbjahresgewinn seit 2023, vor allem dank Sparmaßnahmen.
Was steckt hinter dem North-Star-Plan?

Unter dem internen Namen North Star kursiert bei ZF ein Strategiepapier, über das zuerst das Industriemagazin berichtete. Demnach will Vorstandschef Mathias Miedreich den Umsatz bewusst von rund 39 auf 35 Milliarden Euro zurückfahren und die operative Marge im Gegenzug auf sechs bis sieben Prozent heben. Das Pkw-Geschäft, heute etwa 70 Prozent des Umsatzes, soll bis 2028 unter die Hälfte fallen. Offiziell bestätigt ZF diese Zahlen nicht und verweist auf den laufenden Sanierungskurs.
Bestätigt ist der Kurs selbst. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte Ergebnis auf 964 Millionen Euro, die Marge kletterte von 4,3 auf 5,0 Prozent, und der freie Cashflow legte auf 989 Millionen Euro zu.[1] Die Wende beruht auf Einsparungen, nicht auf neuen Aufträgen.
Warum ist ausgerechnet der Antrieb das Problem?
Das Herzstück der Krise ist die Antriebssparte. Jahrzehntelang verdiente ZF sein Geld vor allem mit automatischen Mehrgang-Getrieben für Verbrennermotoren, dem margenstarken Kern des Konzerns. Ein Elektroauto braucht kein Achtgang-Getriebe, sondern nur eine einfache Untersetzung. Mit jedem verkauften Stromer schrumpft damit genau das Geschäft, das ZF groß gemacht hat.
Der Umstieg auf Elektromotoren und Inverter sollte die Lücke füllen, doch die Rechnung geht bisher nicht auf. Die Nachfrage nach Elektroautos wächst langsamer als geplant, während die teuren Kapazitäten bereitstehen. Die E-Sparte schreibt deshalb rote Zahlen. Zusätzlich lasten die Schulden aus den Zukäufen von TRW und Wabco auf der Bilanz, 9,8 Milliarden Euro Nettoschulden drücken den Konzern.[1]
Der eigentliche Kraftakt steht ZF noch bevor: nicht das Sparen, sondern der geordnete Rückzug aus einem Geschäft, das jahrzehntelang die Gewinne lieferte. Ein Konzern, der schrumpfen muss, um zu überleben, ist bei den deutschen Autozulieferern zum Regelfall geworden.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum trifft der Umbruch die ganze Branche?
ZF steht mit dem Problem nicht allein. Bosch strich zuletzt Tausende Stellen, Continental gliederte sein Autogeschäft als Aumovio aus, und Schaeffler kappte seine Mittelfristziele. Der gemeinsame Nenner ist der stockende Umstieg auf die Elektromobilität: Die EU-Flottengrenzwerte drängen die Hersteller zum E-Auto, doch die Nachfrage der Kundschaft hinkt hinterher, während chinesische Anbieter wie BYD in Europa Marktanteile gewinnen.
Für den Standort Deutschland steht viel auf dem Spiel. Die Autozulieferer beschäftigen hierzulande mehrere Hunderttausend Menschen, und viele mittelständische Sub-Lieferanten hängen direkt an Konzernen wie ZF. Den Wandel überstehen nur Zulieferer, die schon heute in schrumpfenden Märkten profitabel arbeiten, statt auf die Rückkehr alter Stückzahlen zu setzen.
Bestätigtes Halbjahr 2026
Geprüft aus dem ZF-Halbjahresbericht.
Berichteter North-Star-Plan von ZF nicht bestätigt
Diese Zielwerte stammen laut Industriemagazin aus einem internen Papier.
Quelle
[1] ZF Friedrichshafen: Halbjahresergebnis 2026 (Pressemitteilung)
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