Ein Radarhersteller aus der Rüstung liefert jetzt das Cockpit für ein indisches Elektro-Lufttaxi. Hensoldt hat von der ePlane Company eine feste Bestellung für die komplette Avionik des e200X erhalten und damit den Sprung von der gemeinsamen Entwicklung zur Serienreife geschafft. Gebaut wird der Flieger in Chennai, die kritische Elektronik kommt aus Deutschland.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

  • Hensoldt liefert für ePlanes Elektro-Lufttaxi e200X sechs Avioniksysteme, von der Bewegtkarte EuroNav 7 NG über die Verkehrswarnung RF1 bis zum Flugschreiber SferiRec LCR100.
  • Aus der Entwicklungspartnerschaft vom März 2026 wird eine feste Bestellung. ePlane hat den Vollprototyp fertiggestellt und beginnt die Bodentests vor dem Erstflug.
  • Der e200X fliegt nach Herstellerangaben 110 Kilometer weit, an Bord passen ein Pilot und zwei Passagiere oder 200 Kilogramm Fracht. Zuerst soll der Flieger als fliegender Krankenwagen dienen.
  • Hensoldt baut keine eigenen Flugtaxis, sondern beliefert die Hersteller. Die deutschen eVTOL-Pioniere Volocopter und Lilium gingen bis 2025 in die Insolvenz.

Was steckt in Hensoldts Bordelektronik für den e200X?

Modell eines Flugtaxis auf Ständer mit Hinweisschild „BITTE OBEN PARKEN - KEIN BODENVERKEHR“
ePlane nutzt sechs Systeme: EuroNav 7 NG zur Navigation im Stadtluftverkehr, CaviSight als Landehilfe mit Kamerabildern, RF1-Antenne zur Flugverkehrserkennung und CaviConnect für gesicherte Datenverbindung

Bestellt hat ePlane sechs Systeme, die zusammen Navigation, Warnung und Datenfunk übernehmen. Die digitale Bewegtkarte EuroNav 7 NG führt den Piloten durch den engen Luftraum über der Stadt, die Landehilfe CaviSight blendet beim Start und bei der Landung zusätzliche Kamerabilder ein. Die Smart-Antenne RF1 meldet andere Luftfahrzeuge in der Nähe, der Datenfunk CaviConnect hält die gesicherte Verbindung zur Bodenstation, dazu kommen ein Bordrechner und ein Flugschreiber.[1]

Der eigentliche Engpass eines Lufttaxis steckt nicht im Akku, sondern in dieser Elektronik. Im tiefen Stadtluftraum fehlt die flächendeckende Flugsicherung des großen Flughafens, deshalb muss der Flieger seine Umgebung selbst erfassen und die Daten mehrfach absichern. Diese Sicherheitsnachweise bringt Hensoldt aus der Militärluftfahrt mit, wie zuvor schon bei der Sensorik für Boeings Kampfdrohne MQ-28. „Das Einsatzprofil eines eVTOL in Indien ist der ultimative Prüfstein“, sagt Michael Groeninger, Geschäftsführer der Hensoldt Avionics GmbH.

Warum baut Hensoldt kein eigenes Lufttaxi?

Der Auftrag zeigt eine Arbeitsteilung, die sich im Flugtaxi-Markt durchsetzt. Das Fluggerät entwickelt ePlane, das Risiko der teuren Musterzulassung liegt beim Hersteller. Hensoldt liefert die Bordelektronik und verdient an jedem Flieger mit, unabhängig davon, welches Modell zuerst abhebt.

Wie hart der Bau eigener Lufttaxis ausfällt, zeigt der Blick nach Deutschland. Die hoch finanzierten eVTOL-Pioniere Volocopter und Lilium meldeten bis 2025 Insolvenz an, obwohl ihre Prototypen längst flogen. Die Zulieferer stehen stabiler da. Der Batteriekonzern CATL brachte seine Flugbatterie durch den Sicherheitstest, Rüstungsfirmen wie Anduril bauen ihre Sensortechnik in fremde VTOL-Plattformen ein.

Hensoldt hat im Lufttaxi-Rennen die klügere Position gewählt: Der Konzern liefert die Bordelektronik für fremde Flieger und verdient an jedem mit, der die Zulassung schafft. Das Milliardenrisiko der Musterzulassung bleibt beim Flugzeugbauer.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt der Auftrag für deutsche Zulieferer?

Für den Standort steckt die Botschaft in der Rollenverteilung. ePlane wählte den e200X zuerst als fliegenden Krankenwagen und arbeitet dafür mit der Klinikkette Apollo Hospitals zusammen; laut eigenen Angaben verkürzt der Flieger kritische Transportzeiten in Indien um ein Vielfaches. Zugelassen wird der Zweisitzer nach den Regeln der indischen Luftfahrtbehörde DGCA, ein Markt, den europäische Hersteller so schnell nicht erschließen.

Für deutsche Zulieferer und Entscheider lohnt der Blick auf die Advanced Air Mobility als Absatzmarkt, nicht nur als Schlagzeile. Unternehmen mit Sensorik, Batterietechnik oder Software für sichere Steuerung finden Abnehmer bei den eVTOL-Bauern weltweit. In Europa regelt die Luftfahrtbehörde EASA solche Kleinflugzeuge über die Sonderzulassung SC-VTOL; die Nachweise ähneln sich, ein früher Einstieg sichert die Referenz für den nächsten Auftrag.

Elektro-Lufttaxi e200X mit Hensoldt-Avionik
Was der Flieger kann und was der Sensorikkonzern beisteuert.

Der e200X (Herstellerangaben)

Kompakter eVTOL-Flieger der ePlane Company, Vollprototyp PT-01.

110 km
Reichweite pro Ladung
1 + 2
ein Pilot und zwei Passagiere oder 200 kg Fracht
800 Volt
Elektroantrieb, 2,2 Tonnen Abfluggewicht

Der Auftrag an Hensoldt

Feste Bestellung, aus der Entwicklungspartnerschaft vom März 2026.

6 Systeme
Avionik an Bord, von der Bewegtkarte bis zum Flugschreiber
Bodentests
Vollprototyp fertig, Flugerprobung als nächster Schritt
Luftambulanz
erster Einsatz, gemeinsam mit Apollo Hospitals

Quelle

[1] HENSOLDT: Newsroom, Meldung zur Avionik-Bestellung der ePlane Company für den e200X (2026)

Mehr Newshunger?

4,2 19 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?