DiDi bringt mit dem R2 seinen ersten eigens für den Fahrdienst gebauten Wagen in den Fahrgastbetrieb, zunächst in festen Zonen von Peking und Guangzhou. Das Fahrzeug entstand zusammen mit GAC Aion, trägt 33 Sensoren und fährt ohne Sicherheitsfahrer. Damit rückt Chinas Robotaxi-Rennen einen Schritt näher an den europäischen Markt, den bisher kein Anbieter im Linienbetrieb bedient.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der Robotaxi R2 von DiDi hat am 31. August in Peking und Guangzhou den öffentlichen Fahrgastbetrieb aufgenommen, gebaut gemeinsam mit dem Autohersteller GAC Aion. Anders als umgerüstete Serienautos ist der R2 von Grund auf als fahrerloses Taxi konstruiert. Erst vor wenigen Tagen kündigte Pony.ai 200 Robotaxis für Seoul an, jetzt zeigt der nächste chinesische Anbieter, wie schnell das Feld reift.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der R2 ist DiDis erstes eigens für den Robotaxi-Betrieb gebautes Fahrzeug, entwickelt mit GAC Aion.
  • Der Wagen fährt auf Level 4 ohne Sicherheitsfahrer und nutzt 33 Sensoren sowie eine dreifach ausgelegte Rechenplattform.
  • Der Start läuft in abgegrenzten Zonen von Peking und Guangzhou, nach Testfahrten seit Januar 2026.
  • Für Europa zählt weniger die Fahrt selbst als die Frage nach Zulassung, Datenschutz und dem Export chinesischer Robotaxi-Technik.

Was macht den R2 zum Serien-Robotaxi?

Studioaufnahme eines gelben Taxi-Schilds mit Kabel und Etikett neben einer Montage-Schablone auf Weiß
Der R2 ist ein eigens für den Robotaxi-Betrieb konstruiertes Fahrzeug von Baidu und GAC Aion mit 33 Sensoren und dreifach ausgelegter Rechenplattform

Eigens gebaut: Der R2 ist kein nachträglich mit Technik bestücktes Serienauto, sondern läuft als reines Robotaxi vom Band der gemeinsamen Fertigung mit GAC Aion.[1] Der Wagen trägt 33 Sensoren und eine dreifach ausgelegte Rechenplattform, die Kameras, Radar und Lidar zu einem Rundumbild verrechnet.

Kein Sicherheitsfahrer: Der R2 fährt auf Level 4, also ohne Person am Steuer, in klar abgegrenzten Betriebszonen. Der Innenraum verzichtet auf den Fahrerplatz, bietet ein Deckendisplay von 17,3 Zoll und eine KI-Sprachsteuerung für Klima, Fenster und Fahrtverlauf. Nach Angaben von DiDi erfüllt das Fahrzeug die Fünf-Sterne-Sicherheitsnormen Chinas und Europas.

Warum ist ein Serienwagen billiger als umgerüstete Autos?

Kosten pro Kilometer: Nachgerüstete Robotaxis tragen ihre Sensoren als Aufbauten auf einem gewöhnlichen Pkw, teuer in der Montage und mühsam in der Wartung.[2] Ein ab Werk gebauter Wagen verlegt Kameras und Rechner an die Fertigungslinie, senkt die Stückkosten und lässt sich in großer Zahl reinigen, laden und instand halten. Der Wegfall des Sicherheitsfahrers streicht den größten Posten im laufenden Betrieb.

Chinas Vorsprung im Bau: Dieselbe Logik treibt die ganze Branche. Baidu setzt in Dubai bereits das eigens gebaute Modell RT6 ein und fährt dort fahrerlos für Uber. Waymo lässt seine Fahrzeuge beim chinesischen Hersteller Zeekr bauen. Auch der eigene Chip zählt, wie XPeng mit seinem dritten KI-Chip fürs Auto zeigt.

Der Preis der Skala: Vorn liegt bislang Baidu. Der Dienst Apollo Go meldete für das vierte Quartal 2025 mehr als 300.000 fahrerlose Fahrten pro Woche. Pony.ai und WeRide kommen jeweils auf über tausend Wagen und verdienen ihr Geld teils mehr mit dem Robotruck als mit dem Robotaxi.

DiDis Robotaxi R2 und Chinas fahrerloses Rennen
Der Serienwagen startet in zwei Städten, während die Flotten landesweit wachsen
33
Sensoren am R2 für die Rundumsicht, verrechnet auf einer dreifach ausgelegten Plattform
Level 4
Fahrbetrieb ohne Sicherheitsfahrer, vorerst in abgegrenzten Zonen von Peking und Guangzhou
~ 500.000
erwartete Robotaxi-Flotte in China bis 2030, von rund 4.000 im Jahr 2025 (Goldman Sachs)
300.000
fahrerlose Fahrten pro Woche allein bei Baidus Apollo Go im vierten Quartal 2025
Marktprognose: Chinas Robotaxi-Geschäft soll bis 2035 auf rund 41 Milliarden Euro wachsen, umgerechnet aus 47 Milliarden US-Dollar zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar (Stand 31.08.2026).

Nicht die schönste Demofahrt entscheidet das Robotaxi-Rennen, sondern die Fabrik, die den fahrerlosen Wagen zum kalkulierbaren Stückpreis vom Band lässt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Robotaxi-Schub für Europa?

Keine Linie im DACH-Raum: In Deutschland, Österreich und der Schweiz fährt bisher kein kommerzieller Robotaxi-Dienst auf Level 4. Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt fahrerlose Wagen seit 2021 in festgelegten Betriebsbereichen, in der Praxis rollen bislang aber nur kleine Shuttle-Pilotprojekte. Chinas Anbieter sammeln derweil täglich Betriebsstunden in Millionenstädten.

Daten fahren mit: Ein Wagen mit 33 Sensoren filmt und vermisst laufend den öffentlichen Raum. Die Frage, wo diese Daten landen, trifft denselben Nerv wie zuvor TikTok oder Hikvision. Der Verweis auf europäische Fünf-Sterne-Normen zeigt zugleich, dass DiDi den Export mitdenkt. Erste chinesische Technik erreicht die Straße hier bereits über Zulieferer, etwa mit den Fahrassistenz-Chips von Horizon Robotics im Bosch-Verbund.

Was Entscheider beobachten: Die europäische Typzulassung für fahrerlose Fahrzeuge kommt nur langsam voran. Der Datenschutz nach DSGVO klärt sich an der Frage, wo aufgezeichnete Straßendaten liegen. Günstige Robotaxi-Kilometer wiederum drücken mittelfristig auf den Wiederverkaufswert privater Autos. Planen Sie eine Flotte oder einen Fuhrpark, gehören chinesische Serienrobotaxis nicht in die Schublade ferner Kuriositäten, sondern auf die Liste absehbarer Wettbewerber im Nahverkehr.

Quellen

[1] IT之家 (ITHome): „滴滴自动驾驶新一代车型开启载客测试服务,北京、广州可体验“

[2] 量子位 (QbitAI): „滴滴自动驾驶新一代车型开启载客测试服务“

Mehr Newshunger?

4,4 19 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?