Ein Nettogewinn von umgerechnet 26,9 Millionen Euro klingt bescheiden. Für ein junges chinesisches Elektroauto-Unternehmen ist er eine Ausnahme, denn die meisten Rivalen schreiben weiter tiefrote Zahlen. Leapmotor legt sein drittes profitables Halbjahr in Folge vor und verlagert einen Teil der Fertigung nach Spanien.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Leapmotor hat im ersten Halbjahr 2026 mehr Autos verkauft als jeder andere junge Elektroauto-Bauer Chinas und dabei Geld verdient. Die Kombination aus schwarzen Zahlen, hohem Absatz und einem Werk in der EU macht die Meldung für den deutschen Markt brisant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nettogewinn im Halbjahr: 210 Millionen Yuan, rund 26,9 Millionen Euro, drittes profitables Halbjahr in Folge.
  • 356.487 ausgelieferte Autos, ein Plus von 60,8 Prozent, dazu 96.294 Exporte.
  • Ab Oktober 2026 laufen zwei Modelle in Spanien vom Band, hinter der EU-Zollmauer.

Wie schafft Leapmotor die Gewinnzone?

Pflanze, die aus einer Quittung wächst, mit einer Notiz und einem Gewinnschild
Leapmotor fertigt Batteriesteuerung und zentrale Rechner selbst und senkt dadurch Stückkosten gegenüber der Konkurrenz

Der Schlüssel liegt in der Fertigungstiefe. Leapmotor entwickelt und baut einen Großteil der teuren Elektronik selbst, von der Batteriesteuerung bis zum zentralen Rechner. Diese Eigenfertigung drückt die Stückkosten und macht das Unternehmen unabhängiger von Zulieferern, ein Vorteil, den die Konkurrenz erst mühsam aufholen muss.

Dazu kommt die Stückzahl. Der Umsatz stieg im Halbjahr um 57,2 Prozent auf 38,11 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 4,88 Milliarden Euro.[1] Mit 356.487 Fahrzeugen liegt Leapmotor unter Chinas Newcomern vorn. Neben Li Auto ist der Hersteller der einzige junge Anbieter mit Gewinn, während Nio und Xpeng weiter Verluste ausweisen. Wie hart der Preiskampf inzwischen tobt, zeigt der Fall von Xpeng, das im China-Preiskrieg verliert und nun in Österreich produziert.

Warum expandiert Leapmotor nach Europa?

Das Wachstum kommt zunehmend von außerhalb Chinas. Die Exporte kletterten auf 96.294 Fahrzeuge und übertrafen damit die Ausfuhren des gesamten Jahres 2025.[2] Den Vertrieb außerhalb Chinas steuert das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International, an dem der Autokonzern Stellantis die Mehrheit hält.

Ab Oktober 2026 montiert Leapmotor die Modelle B10 und B05 aus angelieferten Teilesätzen in Spanien. Diese lokale Endmontage umgeht die Zollmauer: Die EU erhebt seit 2024 Ausgleichszölle von bis zu rund 35 Prozent auf importierte Elektroautos aus China. Ein Auto, das in Spanien vom Band läuft, gilt als EU-Ware und entgeht dem Aufschlag.

Leapmotor beweist, dass sich im Elektromarkt Geld verdienen lässt, sobald ein Hersteller Kosten und Fertigungstiefe im Griff hat. Für die deutschen Konzerne wird die spanische Endmontage gefährlicher als jeder Importzoll.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Leapmotor im ersten Halbjahr 2026
Halbjahresbericht, Werte in Euro umgerechnet, Stand 25. August 2026
26,9 Mio. €
Nettogewinn, drittes profitables Halbjahr in Folge
4,88 Mrd. €
Halbjahresumsatz, ein Plus von 57 Prozent
356.487
ausgelieferte Autos, ein Plus von 61 Prozent
96.294
Exporte, mehr als im gesamten Jahr 2025
Nächster Schritt: Endmontage in Spanien
Ab Oktober 2026 laufen die Modelle B10 und B05 in Spanien vom Band. Die lokale Fertigung rückt hinter die EU-Ausgleichszölle von bis zu rund 35 Prozent auf importierte Elektroautos aus China.

Umrechnung 0,128 Euro je Yuan, Stand 25. August 2026.

Was bedeutet das für deutsche Hersteller?

Der Preisdruck trifft genau das Segment, in dem Volkswagen, Mercedes und BMW ihre Elektrowende ausfechten. Mit dem VW ID. Polo für 25.000 Euro und günstigen China-Stromern wie dem BYD Da Han mit 1008 Kilometern Reichweite wächst das Angebot im Einstiegsbereich rasch. Ein profitabler Wettbewerber, der lokal fertigt, verliert den bisherigen Zollnachteil und kann seine Preise halten.

Für Käufer und Flottenmanager verschiebt sich damit die Rechnung. Ein niedriger Anschaffungspreis nützt wenig, wenn der Wiederverkaufswert nach drei Jahren einbricht. Vor dem Kauf einer jungen Marke lohnt ein nüchterner Blick auf den Wertverlust beim Elektroauto, bevor der günstige Listenpreis den Ausschlag gibt.

FAQ: Was steckt hinter Leapmotors Halbjahresgewinn?

Ist Leapmotor profitabel?

Ja. Im ersten Halbjahr 2026 verbucht Leapmotor einen Nettogewinn von 210 Millionen Yuan, rund 26,9 Millionen Euro (Kurs 0,128, Stand 25. August 2026). Damit steht das dritte profitable Halbjahr in Folge zu Buche, nachdem der Hersteller 2025 erstmals ein volles Jahr mit Gewinn abschloss.

Wie viele Autos liefert Leapmotor aus?

Im ersten Halbjahr 2026 waren es 356.487 Fahrzeuge, ein Plus von 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Juli allein kamen 101.267 Auslieferungen dazu, mehr als eine Verdopplung binnen eines Jahres.

Wem gehört Leapmotor?

Leapmotor ist in Hongkong börsennotiert (9863). Der Autokonzern Stellantis hält als strategischer Großaktionär gut 20 Prozent und steuert über das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International, an dem Stellantis 51 Prozent hält, den Vertrieb außerhalb Chinas.

Baut Leapmotor in Europa?

Ja. Ab Oktober 2026 montiert Leapmotor die Modelle B10 und B05 in Spanien aus angelieferten Teilesätzen. Die lokale Endmontage umgeht die EU-Ausgleichszölle, die auf importierte Elektroautos aus China erhoben werden.

Was bedeutet Leapmotor für deutsche Hersteller?

Der Preisdruck im Einstiegssegment steigt, weil ein profitabler Anbieter günstige Elektroautos künftig innerhalb der EU fertigt und den Zollnachteil verliert. Käufer sollten den Wiederverkaufswert der neuen Marken genau prüfen.

Quellen

[1] Stellantis Media: „Leapmotor delivers outstanding H1 2026 performance“

[2] Stellantis: „Second Quarter 2026 Financial Results“

Mehr Newshunger?

4,5 19 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?