Siemens Energy prüft laut Bloomberg den Verkauf seines Dampfturbinen-Geschäfts und hat dafür Goldman Sachs mandatiert. Finanzinvestoren bewerten die Sparte auf mehr als 10 Milliarden Euro, obwohl der Konzern die Turbinen jahrelang als margenschwaches Randgeschäft führte. Der Grund für das neue Interesse steht in den Auftragsbüchern der KI-Rechenzentren.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSiemens Energy trennt sich womöglich von genau dem Geschäft, das die Konkurrenz gerade händeringend sucht: den Dampfturbinen. Mitte August bestellte der US-Kraftwerksbauer Babcock & Wilcox 20 dieser Turbinen mit zusammen einem Gigawatt Leistung, ausschließlich für die Stromversorgung von Rechenzentren. Der Strombedarf der KI macht aus der schwerfälligen Industriesparte über Nacht einen begehrten Vermögenswert.
Das Wichtigste in Kürze
- Goldman Sachs soll den Verkauf des Dampfturbinen-Geschäfts vorbereiten, berichtet Bloomberg; Siemens Energy bestätigt offiziell nur eine Prüfung von Optionen für die Sparte.
- Finanzinvestoren wie CVC, EQT und KKR bewerten das Geschäft laut Bloomberg auf mehr als 10 Milliarden Euro.
- Die Sparte Transformation of Industry setzte zuletzt rund 5,7 Milliarden Euro um und beschäftigt über 15.000 Menschen.
- Treiber des Interesses ist der Strombedarf neuer KI-Rechenzentren, die Turbinen im Gigawatt-Maßstab bestellen.
Was will Siemens Energy verkaufen?

Siemens Energy prüft laut Bloomberg den Verkauf seines Dampfturbinen-Geschäfts und arbeitet dafür mit Goldman Sachs zusammen; der Konzern selbst spricht bislang nur von einer Prüfung strategischer Optionen für die Sparte.[1] Die Turbinen gehören zur Einheit Transformation of Industry, die neben Dampfturbinen auch Kompressoren, Generatoren und Wasserstoff-Elektrolyseure bündelt.
Mit rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz und über 15.000 Beschäftigten ist die Sparte kein Randposten. Als Käufer sondieren laut Bloomberg mehrere Finanzinvestoren, darunter CVC, EQT, Bain Capital, Brookfield und KKR. Eine Abspaltung an die Börse gilt als weniger wahrscheinlich als ein direkter Verkauf.
Warum ist die Dampfturbine plötzlich so gefragt?
Neue KI-Rechenzentren brauchen enorme Mengen gesicherter Leistung, und große Dampf- und Gasturbinen liefern sie schneller als jede neue Netzanbindung. Babcock & Wilcox orderte für sein FastPower-Programm 20 Turbinensätze vom Typ SST-300, jeder mit 50 Megawatt, für Rechenzentren.[2]
Dieser Nachfrageschub dreht die Logik der Sparte um. Aus einem langsamen, projektlastigen Turbinenbau wird ein Wachstumsmarkt, in dem lieferbare Leistung knapp und teuer ist. Genau diesen Boom bezahlt Private Equity nun im Kaufpreis mit, wie schon beim jüngsten Preisanstieg bei KI-Servern sichtbar wurde.
Die vermeintlich alte Turbine ist längst Infrastruktur für die KI. Gibt Siemens Energy dieses Geschäft jetzt ab, kassiert der Konzern den Boom lieber einmalig, statt selbst darauf zu wetten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Verkauf für den Standort Deutschland?
Ein Verkauf an Finanzinvestoren stellt tausende Industriejobs an deutschen Turbinenstandorten unter neue Eigentümer und rückt die hiesige Fertigung mitten in den Wettlauf um KI-Infrastruktur. Ein Deal dieser Größe müsste zudem durch die EU-Fusionskontrolle, die Übernahmen mit Auslandsbezug seit 2023 schärfer prüft.
Für Entscheider zählt vor allem der Engpass. Betreiber neuer Rechenzentren konkurrieren längst um dieselben Turbinen, deren Lieferzeiten sich strecken. Ein Eigentümerwechsel bei Siemens Energy entscheidet mit darüber, ob diese Kapazität weiter in Deutschland gebaut wird, ähnlich wie zuletzt der Verkauf bei Porsche und seiner Tochter MHP.
Behalten Sie die Sondierung im Blick, statt auf ein Dementi zu warten: Prüfen Sie jetzt die Lieferzeiten für Turbinen und Stromanschlüsse Ihrer geplanten Projekte, denn ein neuer Eigentümer setzt schnell eigene Preise und Prioritäten. Bis Siemens Energy sich äußert, bleibt der Verkauf ein Bericht von Bloomberg, kein bestätigter Fakt.
FAQ: Siemens Energy und der Dampfturbinen-Verkauf
Gehört die Dampfturbinen-Sparte zu Siemens oder zu Siemens Energy?
Die Dampfturbinen gehören zu Siemens Energy, dem 2020 von der Siemens AG abgespaltenen Energietechnik-Konzern, nicht zur Siemens AG selbst. Siemens Energy ist seit dem Börsengang eigenständig und im DAX notiert. Die Siemens AG hält nur noch eine Minderheitsbeteiligung.
Was umfasst die Sparte Transformation of Industry?
Die Sparte Transformation of Industry bündelt bei Siemens Energy die Dampfturbinen sowie Kompressoren, Generatoren, elektrische Antriebe und Wasserstoff-Elektrolyseure. Zuletzt setzte sie rund 5,7 Milliarden Euro um und beschäftigte über 15.000 Menschen. Ihr Geschäft ist projektlastig und galt lange als margenschwach.
Warum bestellen Rechenzentren große Turbinen statt Netzstrom?
Große Turbinen liefern gesicherte Leistung im Gigawatt-Maßstab schneller, als sich neue Netzanschlüsse genehmigen und bauen lassen. Rechenzentren für KI brauchen konstanten Strom rund um die Uhr, und der Netzausbau dauert oft Jahre. Deshalb ordern Betreiber eigene Kraftwerksturbinen direkt beim Hersteller.
Ist der Verkauf der Dampfturbinen schon beschlossen?
Nein, beschlossen ist bislang nichts. Siemens Energy prüft laut Bloomberg den Verkauf und sondiert das Interesse von Finanzinvestoren, hat offiziell aber nur eine Prüfung strategischer Optionen für die Sparte bestätigt. Ein Verkauf bleibt damit möglich, ist aber nicht sicher.
Quellen
[1] Siemens Energy: „Earnings Release Q3 Fiscal Year 2026“
[2] Babcock & Wilcox: „Babcock & Wilcox Signs Agreement with Siemens Energy to Commence Work on 20 Steam Turbines for Data Center Power Generation“
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