Kontron streicht 500 Stellen. Der Grund liegt ausgerechnet in der Solarsparte. Der Augsburger Spezialist für Embedded-Computing fährt sein Energiegeschäft GreenTec zurück, während Aufträge für Bahnfunk, 5G und Cybersicherheit den Auftragsbestand auf einen Rekord treiben. Für Entscheider zeigt der Umbau, wohin sich in der deutschen Industrietechnik die Wertschöpfung verschiebt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- GreenTec, Kontrons Sparte für Solarelektronik und Ladetechnik, verlor im ersten Halbjahr 2026 42,8 Prozent Umsatz.
- Ein Sanierungsprogramm streicht 500 Stellen und spart ab 2027 mehr als 30 Millionen Euro im Jahr.
- Cybersicherheit, Verteidigung und Bahntechnik wachsen zweistellig, der Auftragsbestand steht bei 2,75 Milliarden Euro.
- Das Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn verfehlte die Mehrheit, Kontron bleibt eigenständig.
Warum trifft der Abbau ausgerechnet die Solarsparte?

Der europäische Markt für Solar-Wechselrichter ist eingebrochen, und Kontron zieht die Konsequenz: Die Sparte GreenTec, in der die Marken Steca und Kontron Solar Wechselrichter sowie Ladetechnik bauen, verlor im ersten Halbjahr 42,8 Prozent Umsatz.
GreenTec entstand 2024 mit der Übernahme von Katek und sollte Kontron ein zweites Standbein neben dem Embedded-Computing geben. Nach dem Absturz der Photovoltaik-Nachfrage und vollen Lagern bindet das margenschwache Hardwaregeschäft nun Kapital, das anderswo mehr abwirft. Von den geplanten 500 Stellenstreichungen waren Anfang August 424 abgeschlossen oder vertraglich vereinbart, der Rest folgt bis zum dritten Quartal. Ab 2027 sinken die Kosten dadurch um mehr als 30 Millionen Euro im Jahr.[1]
Wohin verschiebt Kontron das Gewicht?
Kontron verlagert das Gewicht von der zyklischen Solar-Hardware zu Segmenten mit langen Auftragsbüchern: Cybersicherheit legte im Halbjahr 16,3 Prozent zu, die Verteidigungssparte sogar 31,8 Prozent; die Bahntechnik wuchs um 11 Prozent.
Diese Bereiche füllen den Rekord-Auftragsbestand von 2,75 Milliarden Euro, ein Vielfaches eines Quartalsumsatzes. Die Book-to-Bill-Quote lag zuletzt bei 1,55, jeder abgearbeitete Euro Umsatz zog also 1,55 Euro neue Aufträge nach sich. Denselben Weg ging Kontron schon beim europäischen Bahnfunk bis 2040 und bei den 5G-Modulen aus deutscher Fertigung.
Der Konzerngewinn fiel im Halbjahr optisch von 88,9 auf 34,9 Millionen Euro. Der Vorjahreswert enthielt allerdings einen Sondereffekt aus einem Verkauf. Bereinigt stieg das Ergebnis von 46,5 auf 48,8 Millionen Euro, das Wachstum steckt also im laufenden Geschäft.
Kontron macht vor, dass ein deutscher Techkonzern eine ganze Sparte fallen lassen kann, ohne selbst zu schrumpfen. Das frei werdende Geld landet dort, wo Rüstung und Cybersicherheit die Auftragsbücher füllen, statt in einem Solarmarkt, der gerade den Rückwärtsgang eingelegt hat.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für die deutsche Industrie?
Der Umbau markiert, wo in der deutschen Industrietechnik Wert entsteht: bei souveräner Funk- und Verteidigungselektronik sowie bei NIS2-getriebener Cybersicherheit, nicht bei Standard-Solarhardware aus dem Preiskampf mit China.
Für Kontron kommt der Schwenk zur richtigen Zeit. Die europäische Aufrüstung füllt die Verteidigungssparte, die NIS2-Richtlinie zwingt Betreiber kritischer Anlagen zu mehr Sicherheitstechnik, und der Umstieg vom alten GSM-R-Bahnfunk auf den 5G-Standard FRMCS läuft bis 2040.
Wie strategisch dieses Geschäft ist, zeigte das Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn. Der taiwanische Konzern kam nur auf 48,4 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium gab den Einstieg zwar ohne Auflagen frei, doch die Mehrheit blieb aus und Kontron steuert weiter allein.
Entscheider lesen daraus zweierlei. Das prall gefüllte Auftragsbuch ist ein Nachfragesignal für europäische Embedded- und Funktechnik. Zudem machen die NIS2-Pflichten Cybersicherheit vom Kostenposten zum Wachstumstreiber, von dem Anbieter wie Kontron unmittelbar profitieren.
FAQ: 500 Stellen, 30 Millionen Euro: Warum Kontron das Solargeschäft zurückfährt
Was ist Kontron GreenTec?
GreenTec ist Kontrons Sparte für Solarelektronik und Ladetechnik, unter anderem mit den Marken Steca und Kontron Solar und dem Standort Memmingen. Sie entstand 2024 mit der Übernahme von Katek und baut Wechselrichter und Ladelösungen für Photovoltaik und Elektromobilität.
Wie viele Stellen baut Kontron ab?
Kontron streicht im Rahmen des GreenTec-Sanierungsprogramms 500 Stellen. Anfang August 2026 waren davon 424 abgeschlossen oder vertraglich vereinbart, der Abschluss ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Ab 2027 spart das Programm mehr als 30 Millionen Euro im Jahr.
Gehört Kontron jetzt zu Foxconn?
Nein. Das Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn erreichte nur rund 48,4 Prozent und damit keine Mehrheit. Das Bundeswirtschaftsministerium gab den Einstieg ohne Auflagen frei, doch Kontron bleibt als eigenständiges Unternehmen börsennotiert.
Warum steigt der Auftragsbestand trotz Sparprogramm?
Der Rekord-Auftragsbestand von 2,75 Milliarden Euro speist sich aus den wachsenden Segmenten. Verteidigung legte im Halbjahr 31,8 Prozent zu, Cybersecurity 16,3 Prozent und die Bahntechnik 11 Prozent. Die Book-to-Bill-Quote von 1,55 zeigt, dass mehr Aufträge eingehen als abgearbeitet werden.
Quelle
[1] Kontron AG: „Kontron AG mit Q2-Zahlen – Prognose für das Gesamtjahr bestätigt“ (EQS-News, 6. August 2026)
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