Ein Ventilatorbauer aus dem Hohenlohischen wird gut 5 Milliarden Euro wert, weil KI-Rechenzentren zuverlässig gekühlt werden müssen. ebm-papst aus dem baden-württembergischen Mulfingen geht an den US-Konzern Madison Air. Der Deal verschiebt die Bewertung deutscher Industriezulieferer im Takt des KI-Booms.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKnapp 4,8 Milliarden Euro netto, Unternehmenswert gut 5 Milliarden: So viel legt Madison Air für ebm-papst auf den Tisch, einen Ventilatoren- und Motorenhersteller aus Mulfingen. Hinter dem Milliardenpreis steckt kein klassisches Industriegeschäft, sondern die Kühlung von KI-Rechenzentren.
Das Wichtigste in Kürze
- Madison Air übernimmt ebm-papst vollständig; Unternehmenswert gut 5 Milliarden Euro.
- Treiber ist die Nachfrage nach Kühltechnik für KI-Rechenzentren.
- Der Hersteller beschäftigt über 13.000 Menschen, davon 5.800 in Deutschland; Mulfingen bleibt Hauptsitz.
- Der Vollzug ist für Ende 2026 geplant, vorbehaltlich Behördenfreigabe.
Was steckt hinter dem Milliardendeal?

Madison Air Solutions mit Sitz in Chicago übernimmt ebm-papst vollständig. Der an der New Yorker Börse notierte Konzern zahlt knapp 4,8 Milliarden Euro netto und bewertet das 1963 gegründete Familienunternehmen mit gut 5 Milliarden Euro.[1] ebm-papst arbeitet in rund 40 Ländern und erwartet für 2026 einen Umsatz von etwa 2,4 Milliarden Euro.
Für den Käufer ist der Zukauf ein Sprung in eine neue Größenordnung. Madison Air setzt mit rund 9.000 Beschäftigten gut 3 Milliarden Euro um und schluckt damit einen Zulieferer, der beim Umsatz fast gleichzieht. Nach eigener Planung verdoppelt der Konzern damit seinen adressierbaren Markt und hebt bis zum dritten Jahr Synergien von rund 140 Millionen Euro.[1]
Am Standort ändert sich vorerst wenig. Mulfingen bleibt Hauptsitz, der Vollzug ist zum Jahresende 2026 geplant. Vorstandschef Klaus Geißdörfer begründet den Verkauf mit Wachstumspotenzial, das ebm-papst allein nicht ausschöpfen könne. Vorher müssen allerdings noch die Kartell- und Investitionsbehörden zustimmen.
Warum ist ein Ventilatorbauer 5 Milliarden Euro wert?
Den Preis treibt ein einziger Markt: die Abwärme der künstlichen Intelligenz. Jeder KI-Server verbraucht ein Vielfaches klassischer Rechentechnik. Die Hitze muss zuverlässig aus den Hallen. Genau dafür liefert ebm-papst die elektronisch kommutierten Ventilatoren und Motoren, die zugleich weniger Strom ziehen als ältere Technik.
Geißdörfer hatte das Geschäft mit Rechenzentren zuletzt gezielt ausgebaut. Die Nachfrage dahinter lässt sich an den Bauplänen ablesen: In Deutschland entstehen neue Anlagen im Rekordtempo, wie ein Blick auf die zehn größten Rechenzentren des Landes zeigt.
Auch die übrige Zuliefererseite des Booms wird neu bewertet. Siemens und Reinhausen arbeiten an Transformatoren, die die Lastsprünge der KI-Rechenzentren dämpfen. Baukonzerne wie Hochtief zählen inzwischen zu den heimlichen Gewinnern des KI-Ausbaus. Als Kühlungsspezialist reiht sich ebm-papst in diese Kette ein.
Madison Air bezahlt 5 Milliarden Euro nicht für Ventilatoren, sondern für einen festen Platz in der Lieferkette der KI. Der eigentliche Rohstoff dieses Booms heißt kühle Luft, geliefert von einem Mittelständler aus Hohenlohe.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Verkauf für den Standort Deutschland?
Der Fall reiht sich in eine lange Liste ein. Die Klimasparte von Viessmann ging 2023 an den US-Konzern Carrier, der Roboterbauer Kuka 2016 an die chinesische Midea. Vergangene Woche verfehlte die Foxconn-Tochter Ennoconn die Mehrheit, sodass Kontron nach dem Foxconn-Vorstoß eigenständig bleibt.
Bei ebm-papst greift ein eigener Schutzmechanismus. Das Bundeswirtschaftsministerium kann ausländische Übernahmen nach dem Außenwirtschaftsgesetz prüfen und im Extremfall untersagen, sobald sicherheitsrelevante Technik betroffen ist. Kühltechnik für Rechenzentren zählt bislang nicht zur kritischen Infrastruktur, doch die Grenze verschiebt sich mit jedem neuen KI-Standort.
Wie sehr Zulieferer ins Visier der Geopolitik geraten, zeigt der Gegenfall: China belegte kürzlich mehrere deutsche Mittelständler mit Exportsperren. Der Verkauf dreht den Blick um: weg vom Exportrisiko, hin zur Eigentümerfrage.
Für Entscheider im Mittelstand lohnt der genaue Blick auf die eigene Lieferkette. Hängt das Geschäft an einem Zulieferer, der bald US-amerikanischen oder chinesischen Eigentümern gehört, gehören Ausweichlieferanten und Vertragslaufzeiten auf den Prüfstand. Beim Bau neuer Rechenzentren gehört die Kühltechnik so früh in die Planung wie die Chips selbst.
Quelle
[1] Madison Air Solutions: „Madison Air to Acquire ebm-papst“ (Pflichtmitteilung, 17.08.2026)
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1 Kommentar
Man richte den Blick auf die ehemalige Firma Intermetall Freiburg, Firma Klöckner Ferromatik in Malterdingen, Firma Kuka Robotertechnik in Augsburg, Firma Gütermann Kollnau, jetzt Firma Papst in Mulfingen, Herbolzheim etc. Es läuft iimmer nach dem selben Muster ab. Die Käufer (USA, China etc) finden als Grund für eine Übernahme der deutschen Top-Unternehmen plausible ökonomische und Firmenstrategische Gründe, die jedem sofort einleuchten. Über eine gewisse Anzahl von Jahren herrscht „die Ruhe vor dem Sturm“ jedoch nimmt der Stellenwert des alten Standortes ständig ab. Dann wird die Entwicklung abgezogen, die Führungsmannschaft wird ausgetauscht und wenn es gut geht bleibt der deutsche Standort für die Produktion mit ausländischen Arbeitsbedingungen übrig. Was für schlechte Deals für die Deutsche Wirtschaft.