Schneider Electric nimmt Shelly ins Visier: Der Smart-Home-Spezialist bestätigte am 29. Juli 2026 per Ad-hoc, dass der französische Energiekonzern über eine Übernahme verhandelt.[1] Einem Bericht von Bloomberg zufolge liegt der mögliche Angebotspreis bei rund 70 Euro je Aktie, was Shelly mit etwa 1,3 Milliarden Euro bewerten würde. Der Ausgang ist offen, die strategische Logik dahinter aber nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Schneider Electric verhandelt über die Übernahme von Shelly; ein bindendes Angebot gibt es laut Shelly-Ad-hoc noch nicht.
- Medienberichten zufolge geht es um rund 70 Euro je Aktie und eine Bewertung von etwa 1,3 Milliarden Euro.
- Shelly liefert dem Energieriesen die günstige Steuerungsebene im Privathaushalt, die dessen EcoStruxure-Welt bislang fehlt.
- Für Installateure und Prosumer im DACH-Raum hängt am Deal, ob Shellys offenes, lokales System so offen bleibt.
Wie weit sind die Gespräche wirklich?

Shelly bestätigt bislang nur vorläufige Gespräche. Ob daraus ein Angebot wird und zu welchen Bedingungen, lässt der Konzern ausdrücklich offen.[1] Mehr sagt Sofia derzeit nicht.
Der Kandidat passt trotzdem ins Muster. Schneider Electric kaufte erst Ende Juni die Industrie-KI-Firma Cognite für rund 2,7 Milliarden Euro[2] und baut seine Plattform EcoStruxure konsequent aus. Shelly wäre der nächste Baustein, diesmal im Wohnzimmer.
Shelly gilt als Preisbrecher im Smart Home. Die kleinen Schaltmodule und Energiemesser aus Sofia und München sitzen in Millionen Wohnungen, und der Halbjahresumsatz kletterte 2026 auf 68,3 Millionen Euro, wie der jüngste Zwischenbericht zeigt.
Warum der Energieriese ausgerechnet Shelly will?
Schneider Electric beherrscht die großen Stromnetze und Gebäude, aber nicht die Steckdose im Wohnzimmer. Genau diese letzte Meile liefert Shelly: winzige Relais, die einzelne Verbraucher nach dem aktuellen Strompreis schalten.
Dieser Hebel wird gerade zur Pflicht. Seit 2025 muss jeder Versorger in Deutschland dynamische Tarife anbieten, und Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes zwingt Wärmepumpen, Wallboxen und Heimspeicher in die netzdienliche Steuerung. Das Eigenheim wird so vom reinen Verbraucher zum flexiblen Baustein im Netz, ähnlich wie Viessmann seine Wärmepumpen am Strommarkt vermarktet.
Der Besitzer dieser Steuerungsebene sitzt an der Schnittstelle zwischen Millionen Haushalten und dem Großhandelsmarkt. Diese Position ist für einen Energiekonzern wertvoller als jedes einzelne Gerät. Dass 83 Prozent der Deutschen auf Smart Meter warten, zeigt, wie groß der unerschlossene Markt noch ist.
Schneider Electric kauft bei Shelly keine Steckdosenrelais, sondern den direkten Draht in Millionen Wohnzimmer. Diese Nähe zum Verbraucher lässt sich mit keiner EcoStruxure-Lizenz nachbauen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Schneiders Einkaufstour
Stand der Dinge: Shelly bestätigt bislang nur vorläufige Gespräche. Ein Angebot ist nicht sicher, Bedingungen und Zeitplan bleiben offen.
Was die Übernahme für Nutzer und Installateure bedeutet
Shellys Reiz liegt im offenen, lokal steuerbaren System ohne Cloud-Zwang und zu Preisen deutlich unter denen etablierter Gebäudetechnik. Genau das steht bei einem Konzern-Eigentümer zur Disposition.
Schneider Electric verdient sein Geld mit hochwertiger Gebäudeautomation. Sollte Shelly in die EcoStruxure-Welt rutschen, könnten Preise steigen und das offene Ökosystem enger werden. Kartellrechtlich dürfte ein Deal dieser Größe zudem eine EU-Prüfung durchlaufen.
Handwerksbetriebe und Prosumer, die ihre Anlagen auf Shelly standardisiert haben, sollten die Produkt-Roadmap ab sofort im Blick behalten. Ein Angebot liegt noch nicht auf dem Tisch, doch die Weichen werden jetzt gestellt.
Quellen
[1] Shelly Group SE: „Disclosure of inside information about recent media reports“ (Ad-hoc, 29. Juli 2026) ↩
[2] Cognite: „Schneider Electric announces agreement to acquire Cognite“ ↩
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