Über 100.000 Haushalte steuert der Dresdner Spezialist Kiwigrid schon aus der Ferne. Jetzt hängt Viessmann seine Wärmepumpen und Heimspeicher an diese Plattform und macht sie am Strommarkt handelbar. Aus Millionen Heizungen soll ein virtuelles Kraftwerk werden, das mitverdient statt nur zu verbrauchen.

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Ein virtuelles Kraftwerk entsteht heute in Kellern und Vorgärten statt im Kraftwerksbau. In der Woche zum 9. Juli 2026 hat Viessmann Climate Solutions seine Wärmepumpen und Batteriespeicher an die Energie-Plattform von Kiwigrid angeschlossen. Aus einzelnen Heizungen werden so steuerbare Bausteine eines Netzes, das dringend Flexibilität braucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viessmann Climate Solutions integriert seine Wärmepumpen der Reihe One Base und den Heimspeicher Vitocharge in die offene Plattform von Kiwigrid.
  • Kunden dynamischer Stromtarife können die Flexibilität ihrer Geräte künftig am Markt vermarkten und Zusatzerlöse erzielen.
  • Grundlage ist Paragraf 14a EnWG: steuerbare Verbraucher senken ihre Netzentgelte, dynamische Tarife verschieben Lasten in günstige Stunden.
  • Kiwigrid steuert rund 100.000 Energiemanager; der Produktivbetrieb der Vermarktung ist für den 1. Januar 2027 geplant.

Was verbinden Viessmann und Kiwigrid?

Weiße Bosch Compress 3000 Luft-Wasser-Wärmepumpe auf grünem Rasen vor weißem Hintergrund
Viessmann koppelt One-Base-Wärmepumpen und Vitocharge-Speicher an Kiwigrids Plattform und vermarktet sie künftig als Flexibilität am Strommarkt

Viessmann koppelt seine One-Base-Wärmepumpen und den Vitocharge-Heimspeicher an Kiwigrids offene Plattform. Statt nur den Eigenverbrauch zu optimieren, lassen sich die Geräte künftig als Flexibilität am Strommarkt vermarkten.

Bislang steuerte Viessmann Wärmepumpe und Speicher vor allem auf den selbst erzeugten Solarstrom. Die zertifizierte Anbindung an Kiwigrid öffnet einen zweiten Weg: die tarif- und netzoptimierte Steuerung im offenen Ökosystem des Dresdner Anbieters.[1] Kiwigrid bleibt bewusst herstelleroffen, damit Kunden nicht an einen Gerätehersteller oder Stromlieferanten gebunden sind. Schon im Mai 2026 hatte Viessmann sein Heimenergiemanagement mit E.ON verzahnt, wertvoll sind dabei vor allem Batteriespeicher wie die neuen Feststoffbatterien fürs E-Auto.

Wie wird aus tausend Heizungen ein Kraftwerk?

Eine Cloud bündelt viele Geräte zu einem Pool und verschiebt ihren Verbrauch in Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom. Der Schwarm wirkt nach außen wie ein einziges, steuerbares Kraftwerk.

Der Mechanismus dahinter heißt Aggregation. Eine einzelne Wärmepumpe zieht zu wenig Last, um für Netzbetreiber interessant zu sein. Erst die Bündelung tausender Geräte über die Cloud ergibt eine planbare Leistung, die sich am Regelenergie- und Intraday-Markt anbieten lässt.[2] Die Steuerung verschiebt den Verbrauch in Stunden mit Überschuss aus Wind und Sonne, ohne die Wärme im Haus zu drücken.

Genau das hat Viessmann im Pilotprojekt ViFlex mit den Übertragungsnetzbetreibern TenneT und TransnetBW über fast drei Jahre nachgewiesen, an über 100 Wärmepumpen und angebunden an die europäische Equigy-Plattform. „Flexibilität aus Haushalten funktioniert technisch und kann künftig einen echten Beitrag zur Netzstabilität leisten“, bilanziert Dr. Oliver Strangfeld aus der Geschäftsführung von TransnetBW.

Vom Heizungskeller ins Stromnetz
Wie Viessmann und Kiwigrid Haushaltsgeräte zum virtuellen Kraftwerk bündeln
100.000
Energiemanager steuert Kiwigrid bereits aus der Ferne
4
Gerätetypen im Pool: PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, E-Auto
3 Jahre
lief der Feldtest ViFlex mit über 100 Wärmepumpen
2027
startet der Produktivbetrieb der Flexibilitäts­vermarktung
Der Weg zum Schwarmkraftwerk
2023 bis 2026
Pilotprojekt ViFlex: Viessmann weist mit TenneT und TransnetBW nach, dass Wärmepumpen netzdienlich Lasten verschieben, ohne die Wärme im Haus zu drosseln.
Juli 2026
Zertifizierte Anbindung der One-Base-Wärmepumpen und des Vitocharge-Heimspeichers an die offene Energie-Plattform von Kiwigrid.
ab 1. Januar 2027
Kunden dynamischer Stromtarife können die Flexibilität ihrer Geräte produktiv am Markt vermarkten und Zusatzerlöse erzielen.

Was heißt das für Entscheider in der DACH-Region?

Der Rahmen steht: Paragraf 14a EnWG senkt seit 2024 die Netzentgelte für steuerbare Geräte, dynamische Tarife sind Pflichtangebot. Betreiber von Wärmepumpe, Speicher oder Wallbox können Flexibilität künftig zu Geld machen.

Seit Januar 2024 belohnt Paragraf 14a EnWG steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen mit reduzierten Netzentgelten, dynamische Stromtarife sind seit 2025 Pflichtangebot. Damit ist der Boden bereitet, auf dem Plattformen wie Kiwigrid ihr Geschäft aufbauen. Wie stark die dynamische Preislogik wirkt, zeigt der Blick auf die Ladetarife für E-Autos.

Die Energiewende verlagert sich vom Kraftwerksbau in den Heizungskeller. Ein Heimspeicher ist damit kein reiner Kostenblock mehr, sondern ein kleiner Ertragskanal.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Die Nachfrage nach Steuerbarkeit wächst rasant, denn die E-Auto-Neuzulassungen sprangen im Juni um 78 Prozent. Jede neue Wallbox und jede Wärmepumpe vergrößert den Pool flexibler Last. Für eigene Liegenschaften gehört deshalb die Plattformfähigkeit ins Lastenheft, ebenso ein dynamischer Stromtarif. Der Produktivbetrieb der Vermarktung ist laut Kiwigrid für den 1. Januar 2027 geplant.

Quellen

[1] Kiwigrid: „Connectivity partnership with Viessmann Climate Solutions“

[2] Kiwigrid: „Kiwigrid startet den Aufbau eines europaweiten, offenen virtuellen Kraftwerks“

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