Oppanol N PLUS heißt der Binder, den BASF am 8. Juni 2026 auf der Battery Show Europe in Stuttgart vorgestellt hat.[1] Dahinter steckt ein Polyisobuten, das der Konzern seit 1938 in Ludwigshafen herstellt. Bekannt ist der Kunststoff aus der Kaumasse von Kaugummi, aus dem Kleber von Wundpflastern und aus der Abdichtung von Isolierglas.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Oppanol N PLUS ist ein elastischer Binder aus Polyisobuten für Kathode, Anode und Elektrolyt in Feststoffbatterien.
  • Der Grundstoff läuft seit 1938 in Ludwigshafen vom Band, bisher vor allem für Kaugummi, Pflaster und Bauabdichtungen.
  • Der Werkstoff kommt ohne Fluor aus und zielt damit auf die Nachfolge des Fluorpolymers PVDF.
  • Über PVDF entscheidet ab Ende 2026 auch die geplante EU-weite PFAS-Beschränkung.

Warum hält ein Kaugummi-Rohstoff die Batterie zusammen?

Eine Batterie, umwickelt mit pinkem Kaugummi, trägt ein Fähnchen
Oppanol-Binder aus elastischem Polyisobuten hält Aktivmaterialien in Batteriezellen zusammen und verkraftet Dehnungen beim Laden ohne zu reißen

Oppanol ist ein gummiartig elastisches Polyisobuten, das als Binder die Aktivmaterialien einer Batteriezelle zusammenhält und die Dehnung beim Laden abfängt, ohne zu reißen. In jeder Zelle sorgt ein Binder dafür, dass die aktiven Pulver an den Elektroden haften und zugleich sauber getrennt bleiben.

Feststoffzellen setzen dem Binder mechanisch besonders zu, weil sich die Materialien beim Laden und Entladen ausdehnen und wieder zusammenziehen. Genau diese Bewegung fängt das gummiartige Polyisobuten ab. Wie stark Zellen über viele Ladezyklen altern, zeigt unser Überblick zur Akku-Degradation beim E-Auto.

Warum will die Branche weg von PVDF?

Der Standard-Binder PVDF ist ein Fluorpolymer aus der PFAS-Gruppe, die in der EU ab Ende 2026 beschränkt werden könnte. Oppanol kommt ganz ohne Fluor aus. Deutschland hat gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden im Januar 2023 einen REACH-Vorschlag eingereicht, der PFAS über alle Branchen hinweg beschränken soll.[2]

Die zuständige EU-Chemikalienagentur ECHA will ihr abschließendes Gutachten bis Ende 2026 vorlegen. Für Zellhersteller wird der Fluor-Binder damit zum Risiko, denn fluorfreie Alternativen sind bislang rar.

Oppanol besteht aus reinen Kohlenwasserstoffketten und enthält kein Fluor. Weil dem Molekül funktionelle Gruppen fehlen, reagiert der Werkstoff kaum mit empfindlichen Festelektrolyten, ein wunder Punkt vieler PVDF-Rezepturen. „Mit Oppanol N PLUS verbindet BASF jahrzehntelange Erfahrung mit den Anforderungen der Elektromobilität von morgen“, sagt Madeleine Jordan, Global Business Management Oppanol bei BASF.

Ein 95 Jahre alter Kaugummi-Rohstoff wird zur Versicherung gegen das PFAS-Verbot. Oppanol zeigt, dass Europas Batteriezukunft manchmal im eigenen Chemiepark liegt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Oppanol N PLUS: vom Kaugummi in die Feststoffbatterie
Wie ein 95 Jahre alter Ludwigshafener Kunststoff zum Binder für E-Auto-Zellen wird
seit 1938
produziert BASF Oppanol am Standort Ludwigshafen
8. Juni 2026
Vorstellung von Oppanol N PLUS auf der Battery Show Europe in Stuttgart
0 % Fluor
enthält der Polyisobuten-Binder, anders als PVDF
PVDF (heutiger Standard)
  • Fluorpolymer aus der PFAS-Gruppe
  • reagiert mit empfindlichen Festelektrolyten
  • von der geplanten EU-PFAS-Beschränkung betroffen
Oppanol N PLUS
  • Polyisobuten, reine Kohlenwasserstoffketten
  • chemisch träge, kaum Nebenreaktionen
  • elastisch, fängt mechanische Spannung ab

Was heißt das für die deutsche Batterieindustrie?

Ein fluorfreier Binder aus deutscher Produktion senkt die Abhängigkeit von Fluorchemie und nimmt regulatorischen Druck aus der Zell-Lieferkette, noch bevor die PFAS-Beschränkung greift. Europas Zellfertigung ringt ohnehin mit hohen Kosten und den Nachwehen der Northvolt-Pleite, während neue Werke wie das von PowerCo in Salzgitter hochfahren.

Der deutsche Markt zieht dabei kräftig an. Die Neuzulassungen haben im Juni um 78 Prozent zugelegt, und bei Mercedes ist der Absatz reiner Stromer um 51 Prozent gestiegen. Jede dieser Zellen braucht einen Binder, dessen Herkunft und Chemie plötzlich zur strategischen Frage werden.

BASF gliedert das Geschäft mit Batteriematerialien in eine eigenständige Einheit aus und will die Sparte unabhängiger aufstellen. Entscheider in der Zulieferkette prüfen Binder-Rezepturen deshalb besser früh auf ihren Fluorgehalt und behalten die ECHA-Entscheidung Ende 2026 im Blick.

Quellen

[1] BASF: „BASF introduces Oppanol N PLUS for next-generation batteries“

[2] ECHA: „Per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS)“

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