Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2026 sechs Prozent weniger Fahrzeuge verkauft, den vollelektrischen Absatz aber um 51 Prozent gesteigert. Hinter dem Sprung steht kein neuer Kaufanreiz, sondern ein Plattformwechsel. Für Flottenentscheider verschiebt sich damit die Rechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Mercedes-Benz E-Auto-Absatz hat im zweiten Quartal 2026 mit 52.900 vollelektrischen Fahrzeugen einen Rekord erreicht, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa ist der Wert sogar um 87 Prozent gestiegen. Rund jeder achte verkaufte Pkw war ein Stromer, und das ausgerechnet in einem Quartal mit schrumpfendem Gesamtgeschäft.
Das Wichtigste in Kürze
- 52.900 vollelektrische Fahrzeuge im 2. Quartal 2026, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Stand: 8. Juli 2026)
- Gesamtabsatz aus Pkw und Vans bei 511.900 Fahrzeugen, ein Minus von sechs Prozent
- China bremst mit 30 Prozent Rückgang, außerhalb Chinas legte der Konzern um drei Prozent zu
- Treiber ist die neue 800-Volt-Plattform des elektrischen CLA, nicht ein Rabatt
Warum wächst der Stromer, während der Konzern schrumpft?

Der Gesamtabsatz aus Pkw und Vans ist im zweiten Quartal auf 511.900 Fahrzeuge gesunken, ein Minus von sechs Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem China, wo der Pkw-Absatz um 30 Prozent eingebrochen ist. Außerhalb Chinas hat Mercedes dagegen um drei Prozent zugelegt, in Nordamerika sogar um 13 Prozent.
Der elektrische Teil entwickelt sich gegenläufig. Während klassische Verbrenner den Rückgang tragen, hat der Absatz vollelektrischer Modelle mit 52.900 Einheiten kräftig angezogen. Der Kontrast zeigt, dass die Elektro-Nachfrage nicht am Gesamtmarkt hängt, sondern an einer einzelnen Modellgeneration.
Steckt hinter dem Sprung ein Rabatt oder die Technik?
Die eigentliche Geschichte liegt im Tempo. Im ersten Quartal 2026 hatte das Wachstum der Elektromodelle noch bei elf Prozent gelegen, jetzt sind es 51 Prozent.[1] Diese Beschleunigung stammt nicht aus Preisnachlässen, sondern aus der neuen Fahrzeugarchitektur.
Der elektrische CLA fährt als erstes Modell auf der 800-Volt-Plattform MMA und löst die 400-Volt-Modelle EQA und EQB ab, deren Absatz zuletzt stagniert hat. Mit einem 85-kWh-Akku lädt er in zehn Minuten Strom für rund 300 Kilometer und schafft nach Norm knapp 800 Kilometer Reichweite. Genau dieser Techniksprung, nicht die Kaufprämie, treibt die Zahlen.
„Unsere größte Modelloffensive gewinnt weiter an Dynamik“, sagt Vertriebsvorstand Mathias Geisen. Auf den CLA folgen ein Shooting Brake und zwei SUV auf derselben Basis.
Der Umstieg auf 800 Volt entscheidet den Wettlauf, nicht die nächste Kaufprämie. Sobald die Reichweite stimmt und ein Ladestopp zehn Minuten dauert, fällt das letzte Argument der Flotten gegen den Stromer.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der vollelektrische Absatz zieht an, während der Gesamtmarkt nachgibt.
Was heißt das für Flotten im DACH-Raum?
Für deutsche Firmenwagen zählt vor allem die Steuer. Reine E-Dienstwagen werden mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises versteuert, solange dieser unter der gesetzlichen Grenze bleibt, ein handfester Vorteil gegenüber dem Verbrenner. Kombiniert mit 800-Volt-Laden und hoher Reichweite verliert das klassische Reichweiten-Argument an Gewicht.
Mercedes steht mit diesem Muster nicht allein. Auch BMW fährt seine Neue Klasse auf 800-Volt-Technik hoch, das Premiumsegment erneuert seine Elektroflotte also über frische Plattformen statt über Rabatte. Bei der Fuhrpark-Planung gehören deshalb der Restwert und die betriebliche Ladeinfrastruktur früh in die Rechnung. Konkurrenz kommt dabei nicht nur aus dem eigenen Haus, wie der neue Polestar 4 zeigt.
Firmen, die eine E-Flotte aufbauen, prüfen am besten jetzt Ladekonzept, Restwertannahmen und Modellverfügbarkeit, bevor die Bestellbücher der neuen Baureihen volllaufen.
Quelle
[1] Mercedes-Benz: „Mercedes-Benz Q2 sales: Strong EV and Top-End segment growth“ ↩
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