Aurubis hat in Hamburg eine Recyclinganlage in Betrieb genommen, die es so weltweit kein zweites Mal gibt. Für 190 Millionen Euro verarbeitet der Kupferkonzern jetzt Materialien, an denen klassische Schmelzhütten bisher gescheitert sind. Für Europas angespannte Rohstoffversorgung ist das mehr als eine Randnotiz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neue Recyclinganlage von Aurubis trennt in Hamburg bei bis zu 1.400 Grad Celsius Kupfer, Blei und Schwefel in einem einzigen Prozess. Solche Mischfraktionen galten lange als zu komplex; sie landeten im Export oder blieben ungenutzt. Mit dem Werk verschiebt sich ein Stück europäischer Rohstoffversorgung zurück nach Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- 190 Millionen Euro hat Aurubis in die Anlage „Complex Recycling Hamburg“ investiert, die nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit am 3. Juli 2026 eröffnet wurde.[1]
- Erstmals verarbeitet eine einzige Anlage kupfer-, blei- und schwefelhaltige Rohstoffe integriert und gewinnt daraus Kupfer, Blei, Edelmetalle und Schwefelsäure zurück.
- Über 30.000 Tonnen zusätzliches Recyclingmaterial pro Jahr fließen künftig durch das Werk.
- Das Projekt unterstützt die Ziele des EU Critical Raw Materials Act, der bis 2030 ein Viertel des Rohstoffbedarfs aus Recycling decken soll.
Warum gilt die Anlage als weltweit einmalig?

Das Werk trägt den Namen Complex Recycling Hamburg, kurz CRH. Der Kern ist ein metallurgischer Kniff: Mehrere Schmelzverfahren, die früher getrennte Öfen brauchten, laufen jetzt in einer Anlage zusammen.
Am komplexen Materialmix ist das Recycling bisher oft gescheitert. Kupfer, Blei und Schwefel gemeinsam wirtschaftlich zu trennen, überstieg die Möglichkeiten üblicher Kupferhütten.
In Chargen von rund 45 Tonnen schmilzt CRH diese Reststoffe bei bis zu 1.400 Grad Celsius ein. Übrig bleiben vier Wertstoffe: Kupfer, Blei, Edelmetalle und Schwefelsäure, allesamt Grundstoffe für Elektronik, Bau und Chemie.
Welches Problem löst das Multimetall-Recycling?
Europa fördert kaum eigene Metalle und hängt bei der Verarbeitung stark am Import. Recycling ist der einzige Hebel, der ohne neue Minen auskommt.
Bei Kupfer liegt die Recyclingquote aus Altprodukten schon über 30 Prozent, einer der höchsten Werte unter den kritischen Rohstoffen. Trotzdem klafft eine Lücke, denn Elektroautos, Stromnetze und Rechenzentren treiben den Kupferbedarf nach oben.
Aurubis reiht die Anlage in eine ganze Serie europäischer Vorstöße ein, von der Hafnium-Gewinnung bis zur heimischen Substratproduktion. Der Konzern selbst spricht vom „Jahrzehnt der Metalle“.
Diese Wertstoffe gewinnt die Anlage zurück
Die EU-Ziele bis 2030
Was bedeutet das für Europas Rohstoffstrategie?
Seit 2024 gilt in der EU der Critical Raw Materials Act. Die Verordnung nennt klare Ziele für 2030: 40 Prozent des verarbeiteten Rohstoffbedarfs sollen aus der EU kommen, 25 Prozent aus europäischem Recycling, und kein einzelnes Land soll mehr als 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs liefern.
Genau dort setzt CRH an. Jede Tonne Kupfer, die in Hamburg aus Schrott entsteht, muss nicht als Konzentrat aus Übersee herangeschafft werden.
Recycling galt lange als Pflichtübung für die Ökobilanz. In Hamburg wird sichtbar, dass es längst zur Standortfrage geworden ist, denn Metalle aus Schrott sind Rohstoffpolitik.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ob Kernfusion oder Metallrecycling, Europa versucht an mehreren Fronten, technologische Abhängigkeiten zu verringern. Für Betriebe steckt darin eine Lehre: Lieferketten sichert man nicht nur über Einkaufsverträge, sondern auch über Kreislaufwirtschaft.
Unternehmen, die Kupfer, Stahl oder Elektronik verbauen, sollten Rücknahme- und Recyclingpfade deshalb früh mitdenken. Integrierte Hütten wie Aurubis werden dabei vom Entsorger zum strategischen Partner.
Quelle
[1] Aurubis AG: „Strengthening Europe’s raw materials security: Aurubis inaugurates globally one-of-a-kind recycling plant for strategic metals“ ↩
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