Hafnium kostet Mitte 2026 ein Vielfaches des Vorjahrespreises. Ein neues Trennverfahren könnte die strukturelle Knappheit mittelfristig lindern.

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Hafnium hat sich innerhalb weniger Monate drastisch verteuert. Der Rohstoff-Preisdienst Argus hat bereits im Oktober 2025 einen Sprung auf 5.100 bis 5.800 US-Dollar je Kilogramm gemeldet, umgerechnet rund 4.468 bis 5.081 Euro zum EZB-Referenzkurs vom 6. Juli 2026, den höchsten Stand seit Dezember 2023. Ein spezialisierter Marktbeobachter beziffert den Kurs zum 3. Juli 2026 sogar auf etwa 12.508 US-Dollar je Kilogramm, umgerechnet rund 10.957 Euro, ein Plus von 117,65 Prozent allein 2025 und weiteren 31,67 Prozent seit Jahresbeginn 2026.

Diese zweite Zahl stammt aus einem Retail-Preisdienst für Privatanleger und liegt damit über typischen Industrie-Großhandelsnotierungen, die grundsätzliche Richtung deckt sich aber mit den Argus-Daten. Wie strukturell knapp der Rohstoff ist, hat unsere Stoffgeschichte zu Hafnium erst kürzlich ausführlich gezeigt.

Warum der Hafnium-Preis seit 2025 so stark steigt

Geldstapel, Metallbarren mit Schild „Wachtumsschub!“, Faultier davor, weißer Hintergrund
Hafnium in hoher Nachfrage: Luftfahrt, Halbleiterindustrie und Nuklearprogramme konkurrieren um das knappe Material

Drei Nachfragequellen treffen gleichzeitig auf ein Angebot, das sich kaum ausweiten lässt. Die Luftfahrtindustrie braucht mehr hafniumhaltige Superlegierungen für Turbinenschaufeln, weil die weltweite Flugzeugflotte weiter wächst. Die Halbleiterindustrie benötigt Hafniumoxid für High-k-Gate-Dielektrika in immer kleineren Chipstrukturen. Gleichzeitig expandieren Nuklearprogramme in mehreren Ländern gleichzeitig, was den Bedarf an hafniumhaltigen Steuerstäben erhöht.

ZeitpunktPreis je Kilogramm
2020rund 1.566 US-Dollar
Oktober 2023 (vorheriger Höchststand)rund 3.700 bis 3.900 US-Dollar
Oktober 2025 (Argus-Meldung)5.100 bis 5.800 US-Dollar
Juli 2026 (Retail-Marktbeobachtung)rund 12.508 US-Dollar

Modellhafte Zusammenstellung aus mehreren Marktquellen mit unterschiedlicher Methodik, keine einheitliche Preisreihe eines einzelnen Anbieters.

Der eigentliche Grund für die Volatilität bleibt strukturell. Auf jede Tonne Hafnium kommen weiterhin ungefähr 50 Tonnen Zirkonium, weil Hafnium ausschließlich als Nebenprodukt der Zirkoniumverarbeitung anfällt. Ein Händler hat gegenüber Argus im Herbst 2025 von einer Nachfragelücke von 12 Tonnen gesprochen, die der Markt schlicht nicht bedienen konnte. Bei einer weltweiten Jahresproduktion im niedrigen dreistelligen Tonnenbereich reicht bereits ein moderater Nachfrageschub, um den Preis binnen Wochen deutlich zu bewegen.

Ein neues Trennverfahren könnte die Knappheit lindern

Im Februar 2026 hat das Unternehmen Quest Metals ein neues Trennverfahren vorgestellt, das ohne korrosive Säuren auskommt. Das Verfahren nutzt Dichteunterschiede zwischen hafniumhaltigen Mineralien wie Zirkon und Baddeleyit und dem umgebenden Gestein und trennt beides über einfache mechanische Methoden wie Spiralen, Schütteltische und Jig-Konzentratoren.

Nach Angaben des Unternehmens steigt die Hafniumkonzentration im Ausgangsmaterial dabei von 4 auf 108 parts per million, eine Steigerung um das 26-Fache. Gleichzeitig lassen sich 66 Prozent des enthaltenen Metalls in eine Hochgradfraktion überführen, die nur 3,5 Prozent der ursprünglichen Erzmasse ausmacht. Die übrigen 96,5 Prozent lassen sich bereits früh im Prozess aussortieren, was Kosten spart und den ökologischen Fußabdruck der Produktion verringert.

Sollte sich dieses Verfahren industriell skalieren lassen, würde es die Kostenstruktur der Zirkonium-Hafnium-Trennung spürbar verändern. Bislang verschlingt die chemische Trennung nach Branchenangaben rund 40 Prozent des Endpreises eines Kilogramms Hafniummetall, wie unsere Stoffgeschichte zum Rohstoff im Detail vorrechnet.

„Ein Verfahren ohne korrosive Säuren klingt zunächst nach Marketing, aber wenn Quest Metals die Zahlen im industriellen Maßstab bestätigt, verändert das die Kostenbasis der gesamten Branche. Framatome und Orano sollten diese Entwicklung genau beobachten, bevor sie ihre nächste Investitionsrunde in Jarrie planen.“

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was der Preisanstieg für deutsche Unternehmen bedeutet

Deutsche Turbinenhersteller und Chipfabriken bekommen die Preisentwicklung direkt zu spüren, weil sie Hafnium ausschließlich indirekt über Legierungen und Vorprodukte beziehen. Wer langfristige Lieferverträge mit europäischen Zulieferern hat, ist besser abgesichert als Unternehmen, die kurzfristig auf den engen Spotmarkt angewiesen sind.

Einkaufsabteilungen sollten die Entwicklung des neuen Trennverfahrens aufmerksam verfolgen, ohne bereits jetzt mit einer schnellen Entspannung zu rechnen. Zwischen einer vielversprechenden Labormeldung und einer tatsächlichen Serienproduktion liegen bei Trennverfahren dieser Komplexität erfahrungsgemäß mehrere Jahre.

Quellen

Argus Media – Hafnium approaches two-year high on fresh demand – https://www.argusmedia.com/en/news-and-insights/latest-market-news/2740115-hafnium-approaches-two-year-high-on-fresh-demand – besucht am 07.07.2026
Strategic Metals Invest – Hafnium Price Today – https://strategicmetalsinvest.com/hafnium-prices/ – besucht am 07.07.2026
Quest Metals – Hafnium Production Breakthrough – https://www.questmetals.com/blog/hafnium-production-breakthrough – besucht am 07.07.2026
Dr. Web – Stoffgeschichte zu Hafnium – https://www.drweb.de/hafnium/ – besucht am 07.07.2026

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