Schaeffler hat eine strategische Partnerschaft mit dem US-Roboterhersteller Humanoid geschlossen. Bis 2030 sollen mehrere hundert humanoide Roboter in Schaefflers weltweite Produktion einziehen. Die Testphase startet 2026 in einem deutschen Werk, vermutlich am Standort Herzogenaurach. Damit zieht ein Bayreuther Maschinenkonzern mit BMW und Mercedes gleich — und setzt Maßstäbe für den deutschen Mittelstand.

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Stellen Sie sich vor, ein klassischer Wälzlager-Hersteller mit 83.000 Mitarbeitern wettet plötzlich auf humanoide Roboter. Genau das passiert gerade bei Schaeffler. Die Logik dahinter ist nicht Marketing, sondern handfeste Industrie-Strategie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schaeffler und Humanoid Robotics gehen strategische Partnerschaft ein
  • Hunderte Roboter sollen bis 2030 weltweit in Schaeffler-Werken arbeiten
  • Testphase startet 2026 in einem deutschen Standort
  • Schaeffler hält 1,1 Prozent an Agility Robotics als zweite Beteiligung

Was Schaeffler von der Partnerschaft erwartet

Ein orangefarbenes Kugellager mit Aufkleber „Made in Bayern“ auf weißem Grund
Schaeffler mit 16 Milliarden Euro Umsatz und 83.000 Mitarbeitern in 50 Ländern kämpft gegen Fachkräftemangel bei 24/7-Produktion

Schaeffler ist mit rund 16 Milliarden Euro Jahresumsatz einer der größten Automobil- und Industriezulieferer der Welt. 83.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern bauen Wälzlager, Linearführungen und Präzisionskomponenten. Der Fachkräftemangel trifft den Konzern besonders hart, weil viele Werke 24/7 laufen müssen.

Sebastian Jonas, Leiter Advanced Production Technology bei Schaeffler, fasste die Strategie im Gespräch mit Springer Professional so zusammen: Humanoide Roboter „können bei der Automatisierung von vorhandenen Produktionsanlagen entscheidend zum Erfolg beitragen“. Übersetzt: Wer eine bestehende Fabrik mit etablierten Maschinen hat, bekommt durch humanoide Helfer Flexibilität, die fest installierte Industrieroboter nicht liefern können.

Welche Use-Cases zuerst getestet werden

Ein weißer humanoider Roboter hält einen Schraubenschlüssel mit Anhänger vor weißem Hintergrund
Schaeffler setzt Humanoide Roboter für Materialhandhabung, Linienversorgung und Inspektionen an schwer zugänglichen Arbeitsplätzen ein

Schaeffler nennt drei Schwerpunkte. Materialhandhabung zwischen Maschinen, Linienversorgung im Mehrschichtbetrieb und Inspektionen in Bereichen, die für menschliche Arbeitskräfte unkomfortabel sind. Komplexe Montageaufgaben bleiben vorerst klassischen Industrierobotern vorbehalten, die deutlich präziser arbeiten.

Die International Federation of Robotics listet weltweit 46 Unternehmen, die humanoide Roboter mit Beinen entwickeln. Davon befinden sich acht in Nordamerika, 21 in China und sechs in Japan oder Korea. Schaefflers Partner Humanoid ist eines der jüngeren Unternehmen aus den USA. Die parallel gehaltenen 1,1 Prozent an Agility Robotics zeigen die Strategie: Schaeffler diversifiziert die Roboter-Plattformen, statt sich auf einen Anbieter zu verlassen.

Wenn ein Wälzlager-Hersteller wie Schaeffler in humanoide Roboter investiert, sollten kleinere Maschinenbauer aufmerksam werden. Die nächsten drei Jahre entscheiden, welche deutsche Industrie 2030 noch wettbewerbsfähig produziert. Pilotprojekte gehören auf jede Geschäftsleitungsagenda 2026.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was deutsche Mittelständler davon ableiten sollten

Prothesenbein mit Stiefel und orangefarbenem Parkschein vor weißem Hintergrund
Unternehmen sollten ab 2025 Pilotprojekte mit Humanoiden starten, da die globale Produktion von 16.000 auf über 100.000 Einheiten bis 2027 explodiert

Was kann das für Ihr Unternehmen bedeuten? Erstens Pilotprojekte budgetieren, statt zu warten. Wer 2027 noch keine Hands-on-Erfahrung mit Humanoiden hat, läuft Gefahr, beim Ramp-up 2028/29 keine Lieferzeiten mehr zu bekommen. Die globale Produktion wird laut Counterpoint Research von 16.000 Einheiten im Jahr 2025 auf über 100.000 im Jahr 2027 explodieren.

Zweitens auch in der Beschaffung schon jetzt Standards definieren. Welche Schnittstellen muss ein Roboter zur bestehenden ERP- und MES-Landschaft mitbringen? Drittens Betriebsrat und Mitbestimmung früh einbinden. Wer das vergisst, bekommt 2027 ein Compliance-Problem statt eines Produktivitäts-Schubs. Mehr zum DACH-Kontext liefert unsere Reportage zum Bionik-Boom in Dresden.

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