Eine im November 2025 publizierte Studie zur Roten Gorgonie zeigt, wie das feingliedrige Skelett der Tiefseekoralle als Vorbild für leichtere und stabilere Robotergreifer und medizinische Orthesen dient. Parallel arbeitet das Fraunhofer IWS in Dresden mit dem Projekt BioGrip an Roboterhänden, die nach dem Vorbild der Fischflosse fühlen können. Was deutsche Mittelständler aus dem 3,8-Milliarden-Jahre-Forschungsvorsprung der Natur jetzt mitnehmen.

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Stellen Sie sich vor, Ihr nächster Industrieroboter lernt seine wichtigste Fähigkeit nicht aus dem CAD-Programm, sondern aus dem Tiefenmeer. Genau das passiert gerade in mehreren deutschen Forschungsinstituten. Die Bionik erlebt 2026 einen ungewöhnlichen Moment: Eine Studie zur Roten Gorgonie und ein Fraunhofer-Projekt aus Dresden verschmelzen zur Blaupause für die nächste Robotergreifer-Generation. Für Mittelständler in Maschinenbau, Lebensmittelindustrie und Medizintechnik wird das Thema 2026 strategisch relevant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Studie zur Roten Gorgonie (November 2025): feingliedrige Mikrostrukturen als Basis für leichte, stabile Robotergreifer
  • Fraunhofer IWS Dresden: Projekt BioGrip kombiniert 3D-Druck, Sensorik und Finray-Effekt aus der Fischflosse
  • Globaler Bionik-Markt 2026: rund 6,69 Milliarden US-Dollar, Wachstum auf 10,58 Milliarden bis 2029
  • Anwendungen: Ernteroboter, Marsmissionen, Meeresforschung, schonende Lebensmittelhandhabung
  • DACH-Standortvorteil: Fraunhofer-Netzwerk, deutsche Maschinenbau-Tradition, EU-Forschungsförderung

Was die Rote Gorgonie der Robotik beibringt

Grüner Roboterarm hält eine frische Erdbeere, Beschriftung
Rote Gorgonie: Tiefseekoralle mit Mikrostruktur-Skelett inspiriert stabile Robotergreifer und medizinische Orthesen durch optimales Material-Gewicht-Verhältnis

Die Rote Gorgonie ist eine Tiefseekoralle, deren Skelett aus feingliedrigen Mikrostrukturen besteht. Forschende haben analysiert, wie diese Strukturen extreme Stabilität bei minimalem Materialeinsatz erreichen. Das Ergebnis: ein Konstruktionsprinzip, das sich direkt auf Robotergreifer und medizinische Orthesen übertragen lässt.

Im November 2025 wurde die Studie publiziert, sie ist eine der wichtigsten Bionik-Veröffentlichungen des Jahres. Der praktische Effekt: Greifer, die nach dem Gorgonien-Prinzip konstruiert sind, wiegen weniger und halten größere Belastungen aus. Das ist relevant für Industrieroboter, die im Dauerbetrieb Tausende Greifvorgänge pro Schicht durchführen, und für Orthesen, die am menschlichen Körper möglichst leicht sein müssen, ohne Stabilität zu verlieren.

Wie Fraunhofer in Dresden fühlende Roboter baut

Ein Roboterarm hält ein Schild, während eine Biene auf seinem Zeigefinger sitzt
Roboterhände des Fraunhofer IWS Dresden orientieren sich am Finray-Effekt von Fischflossen und können durch Gegenbewegungen Druck umschließen und ertasten

Das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS in Dresden arbeitet im Projekt BioGrip an Roboterhänden, die fühlen können. Das Vorbild kommt aus der Fischflosse, konkret aus dem Finray-Effekt: Bestimmte Fischflossen reagieren auf Druck nicht mit einer ausweichenden Bewegung, sondern mit einer Gegenbewegung, die die einwirkende Kraft umschließt.

Die Dresdner Forschenden um Mechatronik-Ingenieur Hannes Lauer und Gruppenleiter Moritz Greifzu kombinieren diesen Effekt mit 3D-Druck und integrierter Sensorik. Das Ergebnis sind Greifer, die einen Apfel oder Erdbeeren so schonend fassen wie eine menschliche Hand. Die offizielle Fraunhofer-IWS-Mitteilung beschreibt Anwendungen von Ernterobotern über Mars-Probennahme bis zur Bombenentschärfung. Im Parallelprojekt Nature4Nature wird das gleiche Bionik-Prinzip auf Filter für Kläranlagen übertragen, die Mikroplastik aus Wasserkreisläufen halten sollen.

Bionik ist 2026 keine akademische Spielerei mehr. Wer als Mittelständler in der Lebensmittelverarbeitung, Medizintechnik oder Logistik unterwegs ist, sollte die Fraunhofer-Bionik-Projekte auf der Beobachtungsliste haben. Die nächste Greifer-Generation kommt nicht aus Boston Dynamics, sondern aus Dresden.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum 3D-Druck den Bionik-Boom auslöst

Moderne Roboterhand hält kleine gelbe Badeente, schwebt über passender Ladestation auf Weiß
Bionik-Innovationen wie Lotusblatt-Effekt und Haifischhaut werden 2026 durch neue Fertigungsverfahren erstmals wirtschaftlich umsetzbar

Bionik ist als Forschungsdisziplin nicht neu. Der Lotusblatt-Effekt, die Haifischhaut-Beschichtung und der Klettverschluss sind seit Jahrzehnten bekannt. Was sich 2026 ändert, ist die Fertigungsseite. Bis vor wenigen Jahren konnten viele Bionik-Konzepte nicht praktikabel umgesetzt werden, weil die nötigen Mikrostrukturen mit klassischen Fertigungsverfahren zu teuer oder gar nicht herstellbar waren.

Additive Fertigung verändert das Bild. „Die technologischen Fortschritte in der additiven Fertigung ermöglichen es inzwischen, viel mehr biologische Konzepte als früher zu adaptieren“, betont Hannes Lauer vom Fraunhofer IWS. Der Dispensdruck erlaubt Strukturen, die ein gefräster Metallgreifer nie nachbilden könnte. Die Sensorik wird gleich mitgedruckt, ohne aufwendige Nachrüstung.

Was deutsche Mittelständler jetzt prüfen sollten

Roboterhand greift Tomate vor grünem Ring. Aufschrift: BIONIK AUS DRESDEN: FEINFUEHLIG
Bionik-Greifer für empfindliche Objekte: Lebensmittel, Pharma und Elektronik-Bauteile in der Produktion optimal handhaben

Drei Punkte gehören 2026 in die strategische Diskussion.

Eigene Produktionslinien auf Bionik-Tauglichkeit checken

Wo werden im Betrieb empfindliche Objekte gegriffen, sortiert oder verpackt? Lebensmittel, Pharma-Verpackungen, Glasflaschen, Elektronik-Bauteile. Überall dort, wo aktuelle Industrieroboter mit harten Greifern an ihre Grenzen kommen, eröffnet die Bionik-Generation neue Möglichkeiten.

Fraunhofer-Kooperationen frühzeitig anbahnen

Die Fraunhofer-Institute (IWS Dresden, IPK Berlin, IPA Stuttgart) arbeiten typischerweise in geförderten Projekten mit Industriepartnern zusammen. Wer als Mittelständler ein konkretes Anwendungsproblem mitbringt, kann oft kostengünstig Pilotprojekte aufsetzen. Die Förderung durch BMBF und EU senkt die Einstiegshürde drastisch.

Nachhaltigkeits- und ESG-Argument nutzen

Bionische Konstruktionen brauchen typischerweise weniger Material und Energie als klassische Lösungen. Wer die Argumente in der eigenen Lieferkette gegenüber Kunden ins Feld führt, hebt sich von Wettbewerbern ab, die rein auf Standard-Robotik setzen. Die Natur ist seit 3,8 Milliarden Jahren effizient, ohne dass jemand „Sustainability“ auf einen PowerPoint-Slide schreibt.

Wo der Bionik-Markt hinläuft

Eine Roboterhand hält einen grünen Gummibären im Präzisionsgriff auf weißem Grund
Globaler Bionik-Markt soll bis 2026 auf 6,69 Milliarden Dollar wachsen. Deutsche Robotik-Industrie erzielte 2024 mit 16,5 Milliarden Euro Europas höchsten Umsatz

Die Marktanalysten von Mordor Intelligence beziffern den globalen Bionik-Markt 2026 auf 6,69 Milliarden US-Dollar mit einer prognostizierten Wachstumsrate von rund zehn Prozent jährlich bis 2029. Die deutsche Robotik-Industrie steuerte 2024 etwa 16,5 Milliarden Euro Umsatz bei und ist damit Europas größter Robotikmarkt.

Die Schnittmenge zwischen Bionik und Robotik wird in den nächsten fünf Jahren der zentrale Wachstumstreiber. Wer als deutscher Maschinenbauer die Verbindung früh aufnimmt, hat einen strukturellen Vorteil gegenüber Wettbewerbern aus den USA und China, die in beiden Disziplinen einzeln stark sind, aber selten institutionalisiert verzahnt arbeiten. Genau diese Verzahnung ist die Stärke des deutschen Fraunhofer-Modells.

Was bedeutet das für 2026?

Roboterhand berührt eine Weintraube mit QR-Code und Etikett, auf weißem Hintergrund
Bionik wird 2026 Standard in der Robotik. Deutsche Mittelständler müssen jetzt mit Fraunhofer-Instituten Pilotprojekte starten

Die Bionik verlässt 2026 die Forschungslabore und wird zum Standard-Werkzeug für Robotik-Entscheider. Wer als Industrie-Manager noch glaubt, das Thema sei akademisch, hat die letzten Quartalsberichte nicht gelesen. Die Frage für deutsche Mittelständler ist nicht „Bionik ja oder nein“, sondern „mit welchem Fraunhofer-Institut starten wir die erste Pilotanfrage“.

Praxis-Wissen für Robotik- und Bionik-Entscheider

Roboterhand hält braunes Ei mit orangefarbenem Männchen-Aufkleber vor weißem Hintergrund
Dr. Web bietet umfassende Ressourcen zur Integration von Bionik in Robotik-Strategien mit einem 4.500-Wort-Hauptartikel als zentralem Anker

Wer das Bionik-Thema strategisch in die eigene Robotik-Strategie integrieren will, findet bei Dr. Web mehrere Tiefen-Anker für die Praxis.

Der Hauptartikel Bionik und Robotik: Was Entscheider über die Technologien der Natur wissen müssen liefert die strategische Übersicht über das gesamte Feld. Mit über 4.500 Wörtern ist er der zentrale DrWeb-Anker zum Thema. Die Marktübersicht zur deutschen und europäischen Robotikbranche bietet Robotik 2026: Wer braucht wirklich einen Roboter? mit den IFR-Trends, China-Boom und Mittelstands-Empfehlungen.

Wer den aktuellen Stand der Industrieroboter im DACH-Raum verstehen will, findet in Boomen Industrieroboter weiter? Definitiv. die Zahlen zu Marktwert, Bestand und Wachstum. Den Branchenkontext zu humanoiden Robotern liefert Boston Dynamics Atlas: Vom Forschungsroboter zum Industrie-Standard, ein wichtiger Vergleichsmaßstab für die Frage, wann humanoide Lösungen klassische Greifer-Robotik ergänzen.

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