
Vom Demo-Video zur Serienproduktion: Humanoiden im Wochentakt
Michael Dobler
Autor Dr. WebDie Humanoid-Roboter-Produktion hat eine neue Phase erreicht: Figure baut 55 Roboter pro Woche, 1X eröffnet die NEO-Fabrik in Hayward. Was ist Ihre Meinung? Wenn ein Hersteller wöchentlich 55 Humanoide produziert, ohne dass kommerzielle Anwendungsfälle stehen, ist das Vorlauf oder Übermut?
Das Wichtigste in Kürze
- Figure produziert nach eigenen Angaben 55 Humanoide pro Woche
- 1X eröffnet die NEO-Fabrik in Hayward, Kalifornien, mit über 200 Mitarbeitern
- 5.400 Quadratmeter Produktionsfläche, alle Komponenten unter einem Dach
- Erste Endkunden-Auslieferungen für 2026 geplant
Was produziert Figure und wofür?

Die Stückzahl klingt für Humanoiden bemerkenswert. Figure berichtet, dass die Produktion mittlerweile auf 55 Einheiten pro Woche hochgefahren ist. Die Roboter gehen laut Unternehmen zunächst an interne Forschungs- und Entwicklungsteams, an die Datensammlung und in Pilotprojekte für komplette Hausarbeits-Workflows. Kommerzielle Anwendungsfälle befinden sich nach Angaben des Herstellers selbst noch in der Entwicklung.
Das wirft Fragen auf. 55 Roboter pro Woche ergibt rechnerisch fast 2.900 Einheiten pro Jahr, auch ohne die Hochlaufkurve einzuberechnen. So viele Geräte intern zu beschäftigen, ist ein klares Signal: Figure baut Datengrundlage und Trainingskorpus auf, bevor das erste größere Kundenprojekt steht.
Was ändert sich mit der NEO-Fabrik von 1X?

Die Fertigungstiefe ist die eigentliche Nachricht. 1X hat die NEO-Fabrik in Hayward, Kalifornien, eröffnet. Auf 5.400 Quadratmetern arbeiten über 200 Beschäftigte daran, alle kritischen Komponenten unter einem Dach zu fertigen: Motoren, Akkus, Getriebe, Sensoren, Strukturteile, Endmontage.
Die vertikale Integration ist das Bemerkenswerte. Wer Motoren, Sensoren und Endmontage trennt, hat lange Lieferketten und langsame Iterationen. Wer alles unter einem Dach hat, ändert ein Bauteil und sieht es zwei Wochen später im fertigen Roboter. Erste Endkunden-Auslieferungen für 2026 sind geplant.
Die Humanoid-Branche springt gerade vom Demo-Video in die Serienproduktion. Wer als deutscher Mittelständler Logistik, Pflege oder Fertigung verantwortet, sollte 2026 mit ersten Pilotprojekten anfangen, sonst diktiert ab 2028 jemand anderes die Spielregeln.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie passt das zu deutschen Robotik-Initiativen?

Europa legt nach. GENE.01 von Generative Bionics, Europas erster Humanoid mit taktiler Vollkörperhaut, soll im vierten Quartal 2026 verfügbar sein. Figure 03 läuft bereits 24 Stunden autonom bei BMW Leipzig. German Bionic Exia hebt 38 Kilogramm und lernt in Echtzeit dazu.
Die deutschen und europäischen Hersteller spielen ihre Stärken aus, etwa bei Sensorik und Industrie-Integration. Das US-Tempo bei Stückzahlen und vertikaler Fertigung bleibt allerdings die Messlatte. Wer als Industrieunternehmen jetzt Pilotprojekte plant, sollte nicht warten, bis die Marktführerschaft verteilt ist.
Was sollten Industrieentscheider prüfen?

Drei Punkte. Erstens: Welche Use-Cases im eigenen Betrieb passen zu Humanoiden, welche eher zu klassischen Industrierobotern oder Cobots? Zweitens: Pilotprojekt-Partner identifizieren, gerade in den Bereichen Logistik, Wartung und Reinraum. Drittens: Datenschutz- und Mitbestimmungsfragen früh klären, bevor Betriebsräte und Aufsichtsbehörden das Thema diktieren.
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Quellen
IEEE Spectrum – Videos: Humanoid Robot Production, Mars Rovers, More – https://spectrum.ieee.org/video-friday-humanoid-robot-production – besucht am 07.05.2026
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