Ein optischer Nanosensor von Forschenden der Singapore-MIT Alliance for Research and Technology misst einen wichtigen Darm-Biomarker erstmals in wenigen Minuten. Bisher brauchte dieselbe Messung teure Massenspektrometrie und viel Zeit. Für Medizintechnik-Entscheider öffnet die Methode den Weg zu günstigem Screening.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Indol-3-Propionsäure, kurz IPA, entsteht im Darm beim bakteriellen Abbau der Aminosäure Tryptophan. Der Stoff reguliert Entzündungen und oxidativen Stress und steht in Verbindung mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Lebererkrankungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der fluoreszierende Nanosensor weist den Darm-Biomarker IPA direkt in biologischen Proben nach, etwa im Blutserum.
  • Kohlenstoff-Nanoröhren liefern das optische Signal und unterscheiden IPA zuverlässig von ähnlichen Stoffwechselprodukten.
  • Klassische Labormethoden brauchen Stunden und teure Geräte, der neue Sensor liefert binnen Minuten ein Ergebnis.
  • Langfristig zielt das Team auf tragbare Plattformen für die laufende Gesundheitsüberwachung.

Warum war IPA bisher so schwer messbar?

Vordergrund: Küvette mit grüner Flüssigkeit; Hintergrund: unscharfes Laborgerät
Kohlenstoff-Nanoröhren erkennen IPA durch Fluoreszenzänderung und ermöglichen schnelle Diagnostik ohne teure Massenspektrometrie in Laboren

Aufwand bremste die Diagnostik. Übliche Verfahren setzen auf Massenspektrometrie, also auf kostspielige Analytik in spezialisierten Laboren. Für ein Routine-Screening oder den Einsatz direkt am Patienten taugt das kaum.

Der neue Ansatz dreht das um. Das Team baute eine Plattform aus Kohlenstoff-Nanoröhren, die bei Kontakt mit IPA ihr Fluoreszenzsignal ändert. Die Technik stammt ursprünglich aus der Pflanzenforschung am Programm SMART DiSTAP, wo ähnliche Sensoren Hormone und Stoffwechselprodukte in lebenden Pflanzen messen.

Diese Wurzel in der Agrarforschung erklärt auch den Sprung in die Humanmedizin. Wer die Entwicklung verkörperter Sensorik im Robotik-Umfeld verfolgt, kennt das Muster aus der jüngsten MIT-Architektur für Soft-Roboter: Eine in einem Feld erprobte Methode wandert in eine ganz andere Anwendung.

Was bringt der Sensor in der Praxis?

Auf weißem Grund liegt ein orange-graues medizinisches Gerät mit Nadel. Darin eine Mini-Zeitung
Sensor trennt Darmmarker IPA zuverlässig von ähnlichen Molekülen, ermöglicht genaue Messungen auch in komplexem Blutserum

Selektivität entscheidet über den klinischen Wert. Der Sensor trennt IPA sauber von verwandten Molekülen, die im Darm reichlich vorkommen. So bleibt die Messung auch in komplexen biologischen Umgebungen wie Blutserum verlässlich.

Eine Methode aus der Pflanzenforschung misst plötzlich Darmgesundheit am Menschen. Solche Quersprünge zwischen Disziplinen liefern oft mehr als ein weiteres Großgerät, das nur schneller dasselbe kann.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Mervin Ang, der die Messungen durchführte, ordnet den Reifegrad ein. „Mit weiterer Entwicklung hat die Plattform das Potenzial, in klinische Anwendungen überführt und langfristig in tragbare Systeme für die Gesundheitsüberwachung integriert zu werden“, sagt der Forscher.

Michael Strano, leitender Wissenschaftler bei SMART DiSTAP und Carbon-P.-Dubbs-Professor für Chemieingenieurwesen am MIT, sieht den Nutzen breiter. „Wir haben solche Techniken genutzt, um Hormone und Stoffwechselprodukte in lebenden Pflanzen für die Landwirtschaft zu messen, und sie jetzt auf den menschlichen Magen-Darm-Trakt angewendet“, erklärt Strano.

Mehr Newshunger?

Smarte Kapsel mit Elektronik und Textfeld „DARMGESUNDHEIT: OK“ und Daumen hoch
MIT und Alibaba entwickeln Soft-Roboter mit KI-Fähigkeiten. Origami-Roboter fliegen stromgetrieben ohne Motor
4,1 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?