Ein Forschungsteam der Princeton University hat einen weichen Roboter gebaut, der ohne Motor und ohne Zahnräder Bewegungen ausführt. Aus dem 3D-Drucker stammt ein Origami-Kranich, der per Stromfluss seine Flügel bewegt. Anwendungen reichen von Medizingeräten bis zur Erkundung gefährlicher Umgebungen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit dem neuen Konzept der Princeton-Ingenieure rücken weiche Roboter näher an reale Einsätze. Soft Robotics kämpft seit Jahren mit dem Widerspruch zwischen flexibler Materie und steifen Antrieben. Stellen Sie sich vor, ein medizinisches Implantat müsste seine Form ändern. Externe Pumpen und Motoren sind dort nicht praktikabel. Das Team aus Princeton hat diesen Engpass jetzt gelöst.
Das Wichtigste in Kürze
- Roboter aus Princeton bewegt sich ohne Motor und Zahnräder, gesteuert durch elektrische Erwärmung.
- Material: Flüssigkristall-Elastomer aus dem 3D-Drucker.
- Demonstrator: Origami-Kranich, der mit den Flügeln schlägt.
- Paper erschienen am 21. März 2026 in Advanced Functional Materials, DOI 10.1002/adfm.202525150.
Wie funktioniert die motorlose Bewegung?

Materialprinzip. Das Forschungsteam um Emily Davidson und Glaucio Paulino setzt auf einen sogenannten Flüssigkristall-Elastomer. Dieses Polymer besitzt eine geordnete molekulare Innenstruktur. Wird das Material punktuell erhitzt, ändert es seine Form auf vorhersehbare Weise. Bei Abkühlung kehrt das Polymer in den Ausgangszustand zurück. Lead-Autor David Bershadsky nutzt diesen Effekt für eine Origami-Faltstruktur, deren Scharniere aus dem Elastomer bestehen.
Joule-Heizung. Die Wärme kommt aus eingebetteten flexiblen Heizleitern. Joule-Heizung heißt das technische Prinzip: Strom durchläuft einen Leiter und erzeugt Wärme. Die Wärmemenge lässt sich präzise steuern, die Faltbewegung damit ebenfalls. Temperatursensoren im Origami melden Abweichungen zurück, das System gleicht Fehler im laufenden Betrieb aus. Diese Rückkopplung ist der Grund, warum sich der Origami-Kranich wiederholt bewegen kann, ohne sich abzunutzen.
Welche Anwendungen sind denkbar?

Medizinisches Potenzial. Soft-Roboter eignen sich besonders dort, wo klassische Maschinen versagen. Implantate, die im Körper ihre Form ändern, etwa zur Wirkstoffabgabe. Endoskopie-Werkzeuge, die sich durch enge Hohlräume schieben. Operationsroboter, die menschliches Gewebe nicht verletzen. Princeton nennt diese drei Felder ausdrücklich. Festo und Fraunhofer Dresden arbeiten in DACH bereits an verwandten Soft-Robotik-Konzepten, allerdings mit pneumatischen Antrieben statt thermischer Aktoren.
Industrielle Sondereinsätze. Über die Medizin hinaus sehen die Forscher Einsätze in der Erkundung gefährlicher Umgebungen, etwa nach Erdbeben oder in kontaminierten Gebieten. Soft-Roboter quetschen sich durch Lücken, in die starre Maschinen nicht passen. Für deutsche Mittelständler in der Inspektion und Wartung ist das ein interessanter Forschungstrend, auch wenn die Marktreife noch zwei bis drei Jahre entfernt liegt.
Festo und Fraunhofer Dresden haben in der Soft-Robotik einen Heimvorteil, der zu lange unerkannt geblieben ist. Das Princeton-Paper legt einen Standard, an den deutsche Forschung jetzt anschließen sollte.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was unterscheidet den Princeton-Ansatz von Marktstandards?

Open-Design-Werkzeug. Bershadsky hat ein Software-Werkzeug entwickelt, mit dem andere Forscher eigene Origami-Strukturen entwerfen können. Das Tool steht zusammen mit den Forschungsdaten zur Verfügung. Für die Soft-Robotik-Community ist das ein Wendepunkt, weil bisher viele Material-Roboter als Einzelstücke entstanden und nicht skalierbar waren.
Marktrealismus. Die Bewegungen des Origami-Kranichs sind langsam, jeder Faltvorgang dauert Sekunden. Für klassische Industrieanwendungen wie Pick-and-Place ist das zu langsam. Für medizinische und sensible Inspektionseinsätze, bei denen Geschwindigkeit weniger zählt als Präzision und Materialschonung, dagegen genau richtig. Wer als Geschäftsführer in der Medizintechnik die nächste Generation seiner Produkte plant, sollte das Paper an die eigene Entwicklungsabteilung weiterleiten.
Die technischen Details der Princeton Engineering Pressemitteilung liefern den vollständigen Hintergrund.
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