Longevity galt lange als Spleen kalifornischer Milliardäre. In Berlin verhandelt die deutsche Geldelite das Thema inzwischen als strategisches Asset, das Nachfolgeplanung und Portfolios verändert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 26. Februar 2026 lief in der Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin eine Sonderausgabe des Tech Salons von Rothschild & Co und Hinterland of Things. Unter dem Titel „The Longevity Opportunity“ trafen sich Familienunternehmer, Investoren und Tech-Szene, um Langlebigkeit nicht als Medizin, sondern als Anlageklasse zu diskutieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Auf dem Berliner Tech Salon verhandelte die Finanzelite Longevity als strategisches Asset und nicht als medizinische Nische.
- Eine J.P.-Morgan-Analyse zeigte, dass zehn zusätzliche gesunde Lebensjahre die Nachfolgeplanung eines Family Office grundlegend verändern.
- Laut den Panelisten stiegen die globalen Longevity-Investitionen 2024 um mehr als 200 Prozent auf rund 8,5 Milliarden Dollar.
Warum interessiert sich die Finanzelite für Langlebigkeit?

Für Familienunternehmen und Family Offices ist gesunde Lebenszeit eine handfeste Planungsgröße. Eine Analyse der J.P. Morgan Private Bank verdeutlichte auf dem Panel, dass zehn zusätzliche gesunde Jahre die Finanz- und Nachfolgeplanung über den Haufen werfen. Damit wandert das Thema aus dem Wellness-Bereich in die Strategieabteilung.
Was treibt den Statuswandel?

Toan Nguyen, Gründer von Jung von Matt NERD, beschrieb auf dem Panel einen kulturellen Umschwung. In einer Ära der Polykrisen werde der eigene Körper zur letzten Insel der Selbstwirksamkeit. Wo früher Schlafmangel als Leistungsausweis galt, gilt heute ein hoher Sleep Score als Statussymbol. Günstige Wearables ab knapp hundert Dollar machen die biometrischen Daten zugleich für die Breite zugänglich.
Wo bleibt die kritische Frage?

Das Panel sparte den Einwand der biologischen Klassengesellschaft nicht aus. Investorin Alexandra Bause hielt dagegen, dass Therapien in der Biotech-Welt oft von Versicherungen für jene übernommen würden, die sie am dringendsten brauchen. Nguyen verwies auf einen Trickle-down-Effekt, wonach die Kosten solcher Innovationen mit dem Massenmarkt sinken.
Wenn die deutsche Finanzelite Langlebigkeit als Anlageklasse behandelt, ist das Thema im Maschinenraum der Wirtschaft angekommen. Für Entscheider lohnt der nüchterne Blick, bevor der Hype die Bewertungen treibt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Berlin entwickelt sich damit zu einem europäischen Knoten der Longevity-Debatte. Dr. Web ordnet ein, wo aus dem Trend tragfähige Geschäftsmodelle werden und wo die Erzählung dem Wunschdenken folgt.