Magnus Östberg baute vier Jahre lang MB.OS, das Betriebssystem, mit dem Mercedes-Benz jeden Chip im Auto vom Antrieb bis zum Infotainment verbinden will. Jetzt verlässt der Chief Software Officer den Konzern, ausgerechnet während MB.OS mit dem elektrischen CLA erstmals in Serie geht. Der Abgang zeigt, woran deutsche Autobauer seit Jahren scheitern: die eigene Software im Griff zu behalten.

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Vier Jahre nach seinem Antritt als erster Chief Software Officer von Mercedes-Benz räumt Magnus Östberg im August 2026 seinen Posten, und das mitten im wichtigsten Software-Projekt des Konzerns. MB.OS soll die Marke vom Hardware- zum Software-Hersteller umbauen, doch die Serienreife verzögert sich, und der Architekt hinter dem System ist nun weg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Magnus Östberg, seit dem 1. September 2021 erster Chief Software Officer von Mercedes-Benz, verlässt den Konzern noch im August 2026.
  • Er verantwortete MB.OS, das hauseigene Fahrzeug-Betriebssystem, das MBUX ablöst und Antrieb, Assistenz sowie Infotainment über eine Chip-to-Cloud-Architektur verbindet.
  • MB.OS geht mit dem elektrischen CLA auf der neuen MMA-Plattform erstmals in Serie, begleitet von Berichten über Softwareprobleme.
  • Volkswagen fuhr mit seiner Softwaretochter Cariad in drei Jahren über 7,5 Milliarden Euro Verlust ein, ein Muster, das die ganze Branche prägt.

Warum trifft der Abgang Mercedes so hart?

Architekturmodell aus Pappe mit einem Loch und dem Schriftzug
Magnus Östberg verlässt Mercedes-Benz als Chief Software Officer. Der Schwede verantwortete den Software-Umbau und die Entwicklung von MB.OS seit 2021

Der Abgang trifft Mercedes-Benz an der empfindlichsten Stelle: Östberg verantwortete das Herzstück des Software-Umbaus. Magnus Östberg trat am 1. September 2021 als erster Chief Software Officer an, eine Position, die Vorstandschef Ola Källenius eigens für diesen Umbau schuf. Vier Jahre später verlässt der Schwede den Konzern, wie die Automobilwoche berichtet, und nimmt das Wissen um MB.OS mit.

MB.OS soll das ältere MBUX-System ablösen und die Marke vom Autobauer zum Software-Anbieter machen. Wie tief der Bruch reicht, zeigt der jüngste Kurswechsel im Cockpit: Erst kürzlich holte Mercedes die physischen Tasten zurück, weil reine Touch-Bedienung an ihre Grenzen stieß.

Was steckt technisch hinter MB.OS?

MB.OS ist eine Chip-to-Cloud-Architektur, die ein einziges hausgemachtes Betriebssystem über das ganze Auto legt. Das System verbindet die vier Kern-Domänen Antrieb, autonomes Fahren, Infotainment und Karosserie-Komfort und trennt die Software von der Hardware.[1] Updates laufen danach über die Luft, ähnlich wie beim Smartphone.

Der Praxistest beginnt mit dem elektrischen CLA auf der neuen MMA-Plattform, dem ersten Großserien-Modell mit MB.OS. Genau dort zeigen sich die Probleme: Branchenmedien berichten von Softwarefehlern, die den Serienanlauf des CLA verzögerten. Ein Vorserien-System auf einem Kompaktwagen zum Laufen zu bringen, ist der eigentliche Härtetest, denn dort zählt jeder Cent.

Diesen Test scheut auch die Konkurrenz. Volkswagen lässt sich die Elektronik-Architektur für seine China-Modelle inzwischen von Xpeng liefern und übergab das Fahrassistenz-Hirn an Horizon Robotics.

Ein eigenes Betriebssystem ist kein Prestigeprojekt, sondern die Eintrittskarte in die Marge von morgen. Verliert Mercedes die Leute, die dieses System bauen können, steht mehr auf dem Spiel als ein Vorstandsposten.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Mercedes verliert den MB.OS-Architekten
Der Software-Umbau der Autobranche in Zahlen
1.9.2021
Magnus Östberg wird erster Chief Software Officer von Mercedes-Benz
4
Kern-Domänen bündelt MB.OS: Antrieb, autonomes Fahren, Infotainment, Karosserie-Komfort
CLA
erstes Großserien-Modell mit MB.OS, auf der neuen MMA-Plattform
7,5 Mrd. €
Verlust der VW-Softwaretochter Cariad in drei Jahren
Zugekaufte Software spart kurzfristig, doch die Kontrolle über das eigene Produkt bleibt beim Zulieferer.

Was deutsche Autobauer daraus lernen

Der Fall Östberg ist kein Einzelfall, sondern das jüngste Kapitel einer Branchenkrise. Volkswagen fuhr mit seiner Softwaretochter Cariad allein 2023 und 2024 je über 2,6 Milliarden Euro Verlust ein, zusammen mehr als 7,5 Milliarden in drei Jahren, und tauschte 2023 fast den kompletten Vorstand aus.

Das Muster dahinter kennt jeder Entscheider aus der eigenen Digitalisierung: Software lässt sich nicht wie ein Zulieferteil einkaufen und dann vergessen. Ohne eigene Entwickler verliert ein Konzern die Kontrolle über sein Produkt. Wie eng Hard- und Software verschmelzen, zeigt Schaeffler, das KI direkt auf das Steuergerät bringt.

Für Mittelständler steckt darin eine klare Lehre. Digitale Kernprodukte gehören in eigene Hände, samt der Fachkräfte, die diese Produkte entwickeln und pflegen. Ein Anbieterwechsel mag kurzfristig Kosten senken, doch die Abhängigkeit bleibt, das Risiko wächst mit. Wie schnell dieser Umbau ganze Konzerne zerreibt, zeigt der Blick auf die Autoindustrie.

Quelle

[1] Mercedes-Benz Group: „MB.OS – a framework for creating time“

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