Volkswagen beendet die Kooperation mit Bosch beim autonomen Fahren. Die sogenannte Automated Driving Alliance, intern kurz ADA, löst der Konzern nach Informationen der BILD auf, rund vier Jahre nach dem Start und nach Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- VW löst die Automated Driving Alliance (ADA) mit Bosch auf
- Interne Fachbereiche stufen die gemeinsam entwickelte Technik als nicht wettbewerbsfähig ein
- Bei Level 2++ (Freihändigfahren auch in der Stadt) sieht VW eine erhebliche Lücke zur Konkurrenz
- VW soll die Kooperation frühestens am 29. Juni 2026 kündigen
- Bis Ende September 2026 will VW einen neuen Technologiepartner vertraglich binden
Die ADA ist 2022 an den Start gegangen. Bosch und die VW-Softwaretochter CARIAD sollten gemeinsam einen Baukasten für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren entwickeln. Der Plan: die Technologie nicht nur in Luxusmodellen zu verbauen, sondern auf das breite Modellprogramm des Konzerns auszuweiten. Aus dem deutschen Gegenangriff auf Tesla, Mercedes und die wachsende chinesische Konkurrenz wird nun nichts.
Nach BILD-Informationen hat die Partnerschaft nicht den erwarteten Entwicklungsstand erreicht. Intern ist von rund 1,5 Milliarden Euro die Rede, die bereits geflossen sind. Trotzdem halten VW-Fachbereiche die Technik aktuell für nicht wettbewerbsfähig. Besonders beim Level 2++, also dem Freihändigfahren auch im Stadtverkehr, klafft laut internen Bewertungen eine erhebliche Lücke zur Konkurrenz.
Moderne Assistenzsysteme entscheiden zunehmend darüber, ob Kunden ein Fahrzeug als digital und zukunftsfähig wahrnehmen. Konzernen, die dort zurückfallen, gehen nicht nur Marktanteile verloren, sondern auch Marge. Für einen Konzern, der sich bereits mit bis zu 50.000 wegfallenden Stellen und Werksschließungen durch einen harten Sanierungskurs kämpft, ist das keine abstrakte Debatte.
CARIAD leidet seit Jahren unter dem Ruf der Schwäche. Die Software-Tochter ist unter Ex-Chef Herbert Diess als Herzstück des künftigen Software-Fahrzeugs gestartet und wurde seitdem mehrfach umgebaut. Die tiefgreifende Analyse zur deutschen Autoindustrie auf DrWeb zeigt, wie gravierend der Rückstand bei Software und digitalen Plattformen inzwischen ist. Erst 2024 hat VW die Zusammenarbeit mit Mobileye für automatisierte Fahrfunktionen vertieft; mit Rivian entsteht parallel eine neue Elektro- und Software-Architektur.
Beim autonomen Fahren soll nun ein weiterer Partner her. Statt die Technologie wie bisher im Kern selbst aufzubauen, will VW Hardware und Software für Systeme ab Level 2++ zukaufen und mit einem neuen Partner gemeinsam weiterentwickeln. Bis Ende September 2026 soll die neue Kooperation vertraglich stehen. Laut internen Plänen plant VW zwischen 2027 und 2031 zudem fast eine Milliarde Euro weniger zu investieren. In Zagreb fährt unterdessen bereits Europas erstes kommerzielles Robotaxi, das mit chinesischer Technik gebaut wurde.
Die Bosch-Allianz soll nach vertraglichen Regeln abgewickelt werden. Intern ist von rechtlichen und finanziellen Folgekosten die Rede. CARIAD hat auf Anfrage erklärt, Entwicklungspartnerschaften würden regelmäßig geprüft, ob sie strategisch und technologisch noch passen; insbesondere bei hochentwickelten Assistenzsystemen habe sich der Markt anders entwickelt als erwartet. Bosch hat sich dieser Aussage angeschlossen.
Die Entwicklung trifft Bosch zu einem unruhigen Zeitpunkt. Vorstandschef Stefan Hartung legt sein Amt am 30. Juni 2026 auf eigenen Wunsch nieder. Zum 1. Juli übernimmt Christian Fischer, bisher Leiter der Konsumgütersparte. Für Entscheider in der Automobilbranche lohnt ein Blick darauf, wie die VDA-Prognose bis 2035 den Strukturwandel bei Zulieferern einordnet. Der ADA-Abbruch zeigt, wie schnell selbst Großprojekte zur Disposition stehen.
Wer die eigene Lieferkette stark auf VW ausrichtet, sollte den laufenden Kapazitätsabbau als Frühwarnsignal nehmen. Der Konzern kauft Technologie ein, wo interne Entwicklung zu langsam oder zu teuer geworden ist.
Mehr Newshunger?
