Netzkosten für Rechenzentren trägt in Pennsylvania künftig der Betreiber und nicht mehr jeder Stromkunde. Gouverneur Josh Shapiro band die Genehmigung am 18. August 2026 per Erlass an die Zustimmung der Standortgemeinde. Deutschland schreibt Rechenzentren bisher nur Effizienzwerte vor, über die Verteilung der Netzkosten entscheidet die Bundesnetzagentur erst 2029.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFast 290.000 Haushalte in Pennsylvania verloren 2025 ihren Stromanschluss, weil die Rechnung offenblieb. Patrick Cicero vom Pennsylvania Utility Law Project beziffert den Anstieg gegenüber 2024 auf 14 Prozent. Im selben Bundesstaat stehen mehr als 100 Rechenzentren in der Planung.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Erlass 2026-05 verpflichtet Betreiber, Erzeugung, Übertragung und Verteilung für ihr Projekt vollständig selbst zu bezahlen.
- Die Umweltbehörde DEP genehmigt erst, nachdem die Standortgemeinde zugestimmt hat.
- Geheimhaltungsvereinbarungen sind für Rechenzentrumsprojekte untersagt, das beschleunigte Verfahren entfällt ersatzlos.
- Von den über 100 geplanten Projekten haben fünf alle Genehmigungen für die erste Bauphase.
Was verlangt Pennsylvania von den Betreibern?

Aus freiwilligen Zusagen werden einklagbare Pflichten. Betreiber unterzeichnen eine Consent Order and Agreement mit Vertragsstrafen und melden Strom- sowie Wasserverbrauch an die Umweltbehörde DEP.[1]
Vier Bedingungen hängen daran: die vollständige Kostentragung für Erzeugung und Netz, ein Beteiligungsverfahren mit öffentlichen Versammlungen, verbindliche Zusagen zu lokaler Ausbildung und Ausgleichszahlungen sowie strenge Vorgaben zum Wasserverbrauch.[1]
„Meine Botschaft an die Entwickler von Rechenzentren ist klar: Ohne Zustimmung zu unseren strengen Anforderungen und ohne ein Ja der Gemeinde am Bauort gibt es auch keine Unterstützung des Bundesstaates“, sagte Gouverneur Josh Shapiro.[1]
Der Erlass trifft eine Branche mitten im Ausbau. Für Oracles Rechenzentrum in Wisconsin entsteht eine eigene Gaspipeline, Anthropic zahlte in Norwegen 8,7 Milliarden Euro für 121 Megawatt Wasserkraft.
Warum treibt ein Rechenzentrum die Stromrechnung?
Ein Rechenzentrum kauft nicht nur Strom, sondern hebt den Preis für alle Abnehmer im Netzgebiet.
Der Netzbetreiber PJM versteigert Kraftwerksleistung für 13 Bundesstaaten und Washington Jahre im Voraus. Jede zusätzliche Dauerlast erhöht die Menge, die beschafft werden muss. Der Zuschlagspreis gilt danach für sämtliche Abnehmer. Den Ausbau von Leitungen und Umspannwerken trugen bislang ebenfalls alle Abnehmer über die Netzentgelte.
Genau hier setzt der Erlass an: Die Kosten wandern zum Verursacher statt in die Grundgebühr. „Wachstum soll für Wachstum bezahlen, während wir die Zuverlässigkeit und die Bezahlbarkeit schützen, auf die sich die Menschen in Pennsylvania jeden Tag verlassen“, sagte Steve DeFrank, Vorsitzender der Regulierungsbehörde PUC.[1]
Die Branche rechnet dagegen. Die Data Center Coalition führt für 2024 129.600 Arbeitsplätze und 17,05 Milliarden Euro Wertschöpfung im Bundesstaat an, umgerechnet zum Kurs von 0,87.
Pennsylvania verschiebt keine Kosten, sondern schickt sie an den Verursacher zurück. Genau diese Rechnung stellt in Deutschland bislang niemand, weil Großabnehmer beim Netzentgelt sogar einen Nachlass bekommen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Pennsylvania und Deutschland im Vergleich, Dollarbeträge zum Kurs 0,87 umgerechnet, Stand 21. August 2026
Was ändert sich für deutsche Netzentgelte?
Deutschland reguliert bisher die Anlage, nicht die Rechnung. Paragraf 11 des Energieeffizienzgesetzes verlangt von Rechenzentren ab 300 Kilowatt Anschlussleistung, die seit dem 1. Juli 2026 in Betrieb gehen, einen PUE-Wert von höchstens 1,2 sowie 10 Prozent wiederverwendete Energie.[2]
Über die Netzkosten läuft ein zweites Verfahren. Die Bundesnetzagentur will mit der Reform AgNes rund 37 Milliarden Euro neu verteilen, verlängert den Nachlass für Bandlastkunden nach Paragraf 19 der Stromnetzentgeltverordnung aber bis Ende 2031. In Kraft treten soll die Festlegung am 1. Januar 2029.[3]
Pennsylvania stellt die Netzrechnung sofort dem Verursacher, Deutschland gewährt Abnehmern ab 10 Gigawattstunden Jahresverbrauch weiter einen Nachlass. Wie stark Netzkosten auf den Endpreis durchschlagen, zeigte zuletzt der Bescheid der Netzagentur zur Netzrendite.
Zwei Aufgaben ergeben sich daraus. In jeden Standortvertrag für Rechenleistung gehört die Frage, wer den Anschluss und dessen Ausbau bezahlt. Betreiber mit Abwärmeplänen sichern die Abnahme zudem früh vertraglich, wie Schwarz Digits in Lübbenau vormacht.
FAQ: Netzkosten für Rechenzentren
Warum steigen die Strompreise durch Rechenzentren?
Ein Rechenzentrum bezieht Dauerlast. Der Netzbetreiber muss dafür zusätzliche Kraftwerksleistung beschaffen. In den Auktionen von PJM gilt der Zuschlagspreis anschließend für alle Abnehmer im Netzgebiet. Auch neue Leitungen liefen bislang über die allgemeinen Netzentgelte und damit über jede Haushaltsrechnung.
Was steht in Pennsylvanias Executive Order 2026-05?
Der Erlass vom 18. August 2026 verpflichtet Betreiber, Erzeugung, Übertragung und Verteilung für ihr Projekt vollständig selbst zu bezahlen. Dazu kommen ein Beteiligungsverfahren für die Standortgemeinde, verbindliche Ausgleichsvereinbarungen und strenge Vorgaben zum Wasserverbrauch. Geheimhaltungsvereinbarungen sind untersagt.
Gilt in Deutschland eine ähnliche Regel für Rechenzentren?
Bisher nicht. Paragraf 11 des Energieeffizienzgesetzes regelt Effizienz und Abwärme, also einen PUE-Wert von höchstens 1,2 für Neuanlagen ab 300 Kilowatt sowie 10 Prozent wiederverwendete Energie, gestaffelt auf 20 Prozent ab 2028. Über die Verteilung der Netzkosten sagt die Vorschrift nichts.
Zahlen Großverbraucher in Deutschland weniger Netzentgelt?
Ja. Paragraf 19 Absatz 2 der Stromnetzentgeltverordnung gewährt Abnehmern mit gleichmäßiger Last und mindestens 10 Gigawattstunden Jahresverbrauch ein individuelles, niedrigeres Entgelt. Die Bundesnetzagentur hält diesen Nachlass für Bestandskunden bis Ende 2031 offen, obwohl die Reform AgNes die Systematik umbaut.
Wann greift die deutsche Netzentgeltreform AgNes?
Die Bundesnetzagentur will rund 37 Milliarden Euro Netzkosten neu verteilen und hat den Verordnungsentwurf im Sommer 2026 zur Konsultation gestellt. Die Festlegung soll Ende 2026 stehen. In Kraft treten soll die neue Systematik am 1. Januar 2029, Marktteilnehmer haben also rund zwei Jahre Vorlauf.
Quellen
[1] Commonwealth of Pennsylvania: „Governor Shapiro Signs Executive Order on Data Center Development in PA“, 18. August 2026
[2] Bundesamt für Justiz: „Paragraf 11 Energieeffizienzgesetz: Anforderungen an Rechenzentren“
[3] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur stellt aktuelle Überlegungen zur Reform der Netzentgeltsystematik Strom vor“
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