Der Staatsanteil der US-Regierung an Intel liegt seit August 2025 bei 9,9 Prozent. Am 20. August 2026 verlangte Handelsminister Howard Lutnick vor einem Bundesgericht in Delaware, die Klage dagegen abzuweisen. Den eigentlichen Preis nennen die Verträge: Washington strich die Rückforderung und die Gewinnbeteiligung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Ich habe null für Intel bezahlt, der Anteil ist rund 11 Milliarden Dollar wert“, schrieb Donald Trump kurz nach dem Abschluss, also gut 9,57 Milliarden Euro. Der Satz steht in der Klageschrift von Aktionär Richard Paisner. Bezahlt hat Washington durchaus, nur nicht mit frischem Geld.
Das Wichtigste in Kürze
- Die US-Regierung hält seit dem 22. August 2025 9,9 Prozent an Intel, gekauft für 7,74 Milliarden Euro.
- Bezahlt wurde mit zugesagtem Fördergeld: 4,95 Milliarden Euro aus dem CHIPS Act, 2,78 Milliarden aus dem Rüstungsprogramm Secure Enclave.
- Im Gegenzug entfielen Rückforderung und Gewinnbeteiligung auf die schon ausgezahlten 1,91 Milliarden Euro.
- Zum Schlusskurs vom 21. August 2026 ist das Paket 34,9 Milliarden Euro wert.
Welche Rechtsgrundlage soll den Staatsanteil tragen?

Das Handelsministerium stützt den Einstieg auf die Paragrafen 4652 und 4659(a)(1) des 15. Titels im US-Bundesrecht, die den CHIPS Act tragen. Die Vereinbarung läuft dort als „other transaction“, also außerhalb des normalen Zuschussrechts.[1]
Lutnick argumentiert, das Gesetz erlaube dem Minister ausdrücklich, Fördermittel an Gegenleistungen zu knüpfen, Aktien und Optionsscheine eingeschlossen. Paisner nennt den Vorgang dagegen eine erzwungene Übernahme, weil allein der Kongress dem Staat den Besitz eines börsennotierten Konzerns erlauben dürfe. Über den Verfahrensstand berichtet Bloomberg Law.
Für Intel ist der Bund damit größter Einzelaktionär. Der Konzern holte sich im August 2026 weitere 13 Milliarden Euro über neue Aktien und meldete zuvor 25 Prozent Umsatzwachstum aus KI und Auftragsfertigung. Wie tief der Fall des Chip-Pioniers reichte, zeichnet unser Porträt nach.
Was gab Washington im Tausch gegen die Aktien auf?
Die Auflagen fielen weg. Der Änderungsvertrag vom 27. August 2025 entband Intel von den restlichen Pflichten der Fördervereinbarung und kappte die Laufzeit der Gewinnbeteiligung; die Rückforderung auf die schon gezahlten 1,91 Milliarden Euro fiel weg.[1][2]
Darin liegt der Mechanismus, den die Schlagzeilen übergehen. Ein Zuschuss hängt an Meilensteinen und lässt sich zurückfordern, sobald ein Werk ausbleibt. Eine Aktie kennt solche Bedingungen nicht. Washington tauschte also durchsetzbare Auflagen gegen ein Kursrisiko.
Eine Bedingung blieb, an der empfindlichsten Stelle. Ein Optionsschein auf weitere 5 Prozent zu 17,40 Euro greift nur, sobald Intel die Mehrheit an seiner Auftragsfertigung abgibt.[2] Einen Sitz im Verwaltungsrat nahm die Regierung nicht.
Washington hat keinen Scheck ausgestellt, sondern seine Kontrollrechte verkauft. Der Buchgewinn von 27 Milliarden Euro verdeckt, dass niemand mehr Meilensteine einfordern kann.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Intel und das US-Handelsministerium, alle Beträge zum Kurs 0,87 umgerechnet, Stand 21. August 2026
Was bedeutet das für Europas Chipförderung?
Deutschland hatte für Magdeburg 9,9 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zugesagt, als reinen Zuschuss ohne Beteiligung. Intel sagte das Werk im Sommer 2025 ab, ausgezahlt wurde nichts, und die beihilferechtliche Freigabe aus Brüssel stand bis zuletzt aus.
Der Vergleich fällt unbequem aus. Washington wandelte seinen Förderanspruch in Anteile um, die heute 34,9 Milliarden Euro wert sind. Berlin bekam weder Fabrik noch Aktien und sah zu, wie fünf Milliarden Euro nach Irland gingen.
Fremd ist dem Bund eine Beteiligung keineswegs. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds stieg 2020 mit 20 Prozent bei der Lufthansa ein und verkaufte 2022 mit 760 Millionen Euro Gewinn. In Berlin rettet der Staat also, in Washington investiert er. Für OpenAI wird diese Frage gerade neu gestellt.
Zwei Konsequenzen ergeben sich für Entscheider. Bei jedem Förderantrag gehört künftig die Frage dazu, was ein Geldgeber im Gegenzug verlangen könnte. Und Lieferanten mit Intel-Bindung kalkulieren ein, dass ein Verkauf der Auftragsfertigung den Optionsschein der US-Regierung auslöst.
FAQ: Staatsanteil an Intel
Wie hoch ist der Staatsanteil der USA an Intel?
Die US-Regierung hält 9,9 Prozent an Intel, insgesamt 433,3 Millionen Stammaktien. Übernommen wurden die Papiere am 22. August 2025 zu 20,47 US-Dollar je Stück, umgerechnet 17,81 Euro zum Kurs von 0,87. Der Kaufpreis lag damit bei 7,74 Milliarden Euro. Damit ist der Bund größter Einzelaktionär des Konzerns.
Womit hat die US-Regierung den Intel-Anteil bezahlt?
Mit Fördergeld, das Intel ohnehin zugesagt war. In den Kaufpreis flossen 4,95 Milliarden Euro Restförderung aus dem CHIPS Act und 2,78 Milliarden Euro aus dem Rüstungsprogramm Secure Enclave. Frisches Haushaltsgeld kam nicht hinzu. Rechnet man die zuvor ausgezahlten 1,91 Milliarden Euro mit, summiert sich die Bundeshilfe auf 9,66 Milliarden Euro.
Darf die US-Regierung Aktien eines börsennotierten Konzerns halten?
Genau darüber streiten die Parteien vor dem Bundesbezirksgericht in Delaware. Handelsminister Howard Lutnick beruft sich auf den CHIPS Act, der es erlaubt, Fördermittel an Gegenleistungen einschließlich Aktien und Optionsscheinen zu knüpfen. Der klagende Aktionär hält dagegen, dass eine solche Beteiligung ein Gesetz des Kongresses voraussetzt.
Hat Deutschland für die Intel-Förderung Anteile bekommen?
Nein. Der Bund hatte für das Werk in Magdeburg 9,9 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zugesagt, ausdrücklich als Zuschuss ohne Beteiligung am Unternehmen. Intel sagte das Projekt im Sommer 2025 ab. Ausgezahlt wurde nichts, und die beihilferechtliche Freigabe der EU-Kommission stand bis zuletzt aus.
Was passiert mit dem Optionsschein auf weitere fünf Prozent?
Der Optionsschein läuft fünf Jahre und berechtigt zum Kauf weiterer 5 Prozent zu 17,40 Euro je Aktie. Ausüben darf die Regierung ihn nur, sobald Intel weniger als 51 Prozent an seiner Auftragsfertigung hält. Die Klausel wirkt damit als Sperre gegen eine Abspaltung der Foundry, nicht als gewöhnliches Bezugsrecht.
Quellen
[1] Intel Corporation: „Implementing Amendment to Direct Funding Agreement“, SEC-Formular 8-K, Anlage 10.1, 27. August 2025
[2] Intel Newsroom: „Intel and Trump Administration Reach Historic Agreement to Accelerate American Technology and Manufacturing Leadership“, 22. August 2025
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