Jahrelang galt die Grafikkarte als das Maß aller Dinge im KI-Rechenzentrum. Der chinesische Chiphersteller Hygon meldet für das erste Halbjahr 1,16 Milliarden Euro Umsatz und eine unbequeme Beobachtung: KI-Agenten drücken das Verhältnis von Hauptprozessor zu Grafikchip von 1 zu 8 auf 1 zu 1. Intel und Nvidia bestätigen den Befund.

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KI-Agenten verlangen mehr Hauptprozessoren, als die Branche geplant hat. Diese These vertrat Zhang Ruiping, unabhängiger Direktor bei Hygon, auf der Halbjahres-Bilanzkonferenz am 20. August 2026. Sein Argument: Ein Agent zerlegt Aufgaben und koordiniert die Aufrufe vieler Werkzeuge, und diese Steuerung läuft auf der CPU, nicht auf dem Grafikchip.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verhältnis von Hauptprozessor zu Grafikchip verschiebt sich laut Hygon von 1 zu 8 auf 1 zu 1.
  • Grund ist die Arbeitsteilung eines Agenten: Die CPU orchestriert Werkzeugaufrufe und viele parallele Anfragen, die GPU rechnet nur die Antwort.
  • Intel nennt für die früher acht Grafikchips je Hauptprozessor inzwischen fast ein Verhältnis von 1 zu 1, Nvidia baut mit Vera eine eigene Agenten-CPU.
  • Hygon verdiente im ersten Halbjahr 230 Millionen Euro netto, ein Plus von 49,7 Prozent.

Warum braucht ein KI-Agent so viel CPU-Leistung?

Eine Waage mit einem schwarzen Block links, einem Stapel Chips rechts und einem Schild
KI-Agent verbringt mehr Zeit mit CPU-Steuerung als GPU-Berechnung: Hauptprozessor zerlegt Aufgaben und assembliert Teilergebnisse aus Indizes

Ein KI-Agent verbringt den größten Teil seiner Laufzeit nicht mit Rechnen auf der GPU, sondern mit Steuern auf der CPU. Der Grafikchip erzeugt die Antwort-Token, doch davor und danach zerlegt der Hauptprozessor die Aufgabe und fügt die Teilergebnisse aus Suchindizes und Schnittstellen wieder zusammen.

Genau darin steckt ein teures Missverhältnis. In werkzeuglastigen Agenten-Abläufen entfallen bis zu 88 Prozent der Laufzeit auf die CPU, während deren Auslastung bei nur rund 10 Prozent dümpelt.[1] Die GPU wartet, solange der Hauptprozessor orchestriert, sodass keiner der beiden Chips über den ganzen Ablauf voll ausgelastet ist.

Verkauft Hygon damit nur die eigene CPU?

Der Verdacht liegt nahe, denn Hygon lebt vom Verkauf der Hauptprozessoren. Doch die Beobachtung stützt sich nicht auf ein chinesisches Verkaufsargument allein. Intel beziffert das frühere Verhältnis von acht Grafikchips je CPU inzwischen auf nahezu eins zu eins, und auf der TMC-Konferenz von JPMorgan im Mai 2026 berichteten einzelne Kunden sogar von vier CPUs je Grafikchip.

Auch Nvidia zieht nach und entwickelt mit dem Prozessor Vera eine CPU eigens für Agenten-Abläufe. Hygon untermauert die Nachfrage mit Zahlen: 1,16 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr, ein Plus von 66,5 Prozent, dazu 230 Millionen Euro Nettogewinn.[2] Für die Agenten hat der Konzern über 400 KI-Modelle auf seine Chips angepasst und beziffert die Abdeckung auf 99 Prozent der offenen Modelle weltweit.

Die GPU bleibt der Motor der KI, doch die CPU sitzt wieder am Steuer. Ein Rechenzentrum, das nur Grafikkarten zählt und den Hauptprozessor als Beiwerk behandelt, plant am Engpass vorbei.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
KI-Agenten verschieben die Rechenlast zur CPU
Warum das Verhältnis von Haupt- zu Grafikprozessor kippt
1:1
CPU zu GPU, statt bisher 1:8 (Hygon, bestätigt von Intel)
88 %
der Agenten-Laufzeit fällt auf die CPU, bei nur rund 10 % Auslastung
1,16 Mrd €
Hygon-Umsatz im ersten Halbjahr 2026, plus 66,5 %
230 Mio €
Nettogewinn im Halbjahr, plus 49,7 %
Über 400 KI-Modelle hat Hygon auf die eigenen Chips angepasst, rund 99 Prozent der offenen Modelle weltweit.

Was heißt das für Europas Rechenzentren?

Für europäische Betreiber verschiebt der Trend die Einkaufsliste. Ein Unternehmen, das Agenten produktiv einsetzt, sollte Hauptprozessoren, Arbeitsspeicher und schnelle Verbindungen einplanen, statt das Budget allein in Grafikkarten zu stecken.

Für China hat die Verschiebung eine strategische Note. Hygon baut x86-Prozessoren aus der Lizenzlinie von AMD und dazu eigene Beschleuniger, während der Großaktionär Sugon seit 2019 auf der US-Entity-List steht. Die geplante Fusion beider Konzerne über umgerechnet rund 14,8 Milliarden Euro platzte im Dezember 2025.

Europa spürt den blinden Fleck an anderer Stelle. Der EU Chips Act fördert vor allem Fabriken, eine eigene Server-CPU entsteht mit SiPearls Prozessor Rhea erst im Rahmen des Supercomputers Jupiter. Der Rat für Entscheider lautet deshalb: die Rechenlast eines Agenten vorab messen und das Budget für Prozessor, Speicher und Netz daran ausrichten, nicht an der Zahl der Grafikkarten.

FAQ: Warum brauchen KI-Agenten mehr CPU als GPU?

Was ist Hygon?

Hygon (海光信息) ist ein börsennotierter chinesischer Chiphersteller mit Sitz in Tianjin, gelistet an der Börse Shanghai unter 688041. Das Unternehmen entwickelt x86-Hauptprozessoren aus einer Lizenzlinie von AMD sowie eigene KI-Beschleuniger, die der Konzern DCU nennt. Größter Aktionär ist der Supercomputer-Bauer Sugon.

Warum brauchen KI-Agenten mehr CPU als GPU?

Ein KI-Agent verbringt den größten Teil seiner Laufzeit mit Orchestrierung: Aufgaben zerlegen, Werkzeuge und Schnittstellen aufrufen, viele Anfragen parallel steuern. Diese Arbeit läuft auf der CPU. Die GPU rechnet nur die eigentliche Antwort. Dadurch steigt der CPU-Bedarf relativ zur GPU stark an.

Was bedeutet das CPU-zu-GPU-Verhältnis im Rechenzentrum?

Das Verhältnis gibt an, wie viele Grafikchips auf einen Hauptprozessor kommen. Beim klassischen KI-Training galt oft 1 zu 8. Bei agentischen Abläufen nennen Hygon und Intel inzwischen ein Verhältnis nahe 1 zu 1, teils sogar mehr CPUs als GPUs, weil die Steuerung die Last dominiert.

Steht Hygon auf einer US-Sanktionsliste?

Hygon selbst ist von den US-Exportkontrollen mittelbar betroffen. Der Großaktionär Sugon steht seit 2019 auf der Entity List des US-Handelsministeriums, was den Zugang zu fortgeschrittenen US-Chips und -Werkzeugen einschränkt. Die 2025 geplante Fusion beider Konzerne wurde im Dezember 2025 abgesagt.

Hat Europa eine eigene Server-CPU?

Europa fördert über den EU Chips Act vor allem Fabriken, weniger eigene Prozessoren. Eine europäische Server-CPU entsteht mit dem Rhea-Chip von SiPearl im Rahmen des Supercomputers Jupiter. Ein breites, marktreifes Angebot heimischer Rechenzentrums-CPUs fehlt bislang.

Quellen

[1] arXiv: „Towards Understanding, Analyzing, and Optimizing Agentic AI Execution: A CPU-Centric Perspective“

[2] Börse Shanghai: Hygon Information Technology (688041), Unternehmens- und Berichtsdaten

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