Das Agenturmodell sollte den Neuwagenverkauf bei BMW umkrempeln, jetzt vertagt der Konzern den Start in Deutschland auf frühestens Juli 2028. Anfang August informierte der Hersteller seine Händler laut Automobilwoche über die erneute Verschiebung. Beim Direktvertrieb mit Festpreisen zeigt sich, wie schwer der Umbau des Autohandels wirklich fällt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Deutschland-Start rutscht auf frühestens 1. Juli 2028, geplant war zuletzt ein früherer Termin.
  • In Schweden und Polen hält BMW am Start im Sommer 2027 fest.
  • Im Agenturmodell verkauft BMW direkt zu Festpreisen, das Autohaus vermittelt gegen feste Provision.
  • Auslöser sind laut Automobilwoche die Praxiserfahrungen mit der Konzernmarke MINI.

Warum verschiebt BMW den Festpreis-Vertrieb?

Preisschild für Gebrauchtwagen mit Festpreis, verriegeltem Vorhängeschloss und handschriftlicher Notiz
Festpreismodelle im Autohandel: Hersteller setzen einheitliche Preise, Autohäuser verlieren Rabattspielraum und Absatz bei schwacher E-Auto-Nachfrage

Feste Preise nehmen dem Autohaus den Rabatt als wichtigsten Verkaufshebel, und in der schwachen E-Auto-Nachfrage kostet der fehlende Preisnachlass spürbar Absatz. Im Agenturmodell setzt der Hersteller einen einzigen Preis für Onlineshop und Schauraum, trägt das Lager- und Preisrisiko selbst und zahlt dem Autohaus nur noch eine feste Provision. Genau dieser fehlende Verhandlungsspielraum dämpfte bei der Konzernmarke MINI den Absatz: Bis Ende 2025 hatte BMW die Marke in 23 europäischen Märkten umgestellt und die Reaktion der Kundschaft ausgewertet. Dazu zieht sich die Systemumstellung über Jahre.

Mercedes zieht durch, Volkswagen rudert zurück

Bei den Wettbewerbern läuft der Umbau in entgegengesetzte Richtungen. Mercedes-Benz stellte den deutschen Pkw-Vertrieb schon zum 31. Mai 2023 komplett auf das Agenturmodell um und übernahm 2025 auch die Fahrzeugdisposition, also die volle Kontrolle über den Neuwagenverkauf. Volkswagen dagegen beendete das Agenturmodell für seine Elektroautos zum 1. Januar 2026 und kehrte zur klassischen Händlerstruktur zurück. BMW steht zwischen diesen Polen und gewinnt mit dem Aufschub vor allem Zeit.

Die Preishoheit lässt sich schnell an sich ziehen, die Verantwortung für den Absatz folgt zwangsläufig. BMW vertagt diesen Schritt ausgerechnet in der Nachfrageflaute, in der Festpreise das meiste Volumen kosten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Für die Menschen im Autohaus verschiebt sich damit der Rollenwechsel vom Verkäufer zum Vermittler, den wir im KI-Check zum Automobilkaufmann beschrieben haben. Wie stark der Onlinehandel den klassischen Vertrieb ohnehin unter Druck setzt, zeigt der Gebrauchtwagenhändler AUTO1 mit seiner Plattform Autohero. Und der Umbau trifft einen Konzern, der zugleich 8.000 Stellen in der Verwaltung streicht.

BMWs Fahrplan für den Direktvertrieb

Wann das Agenturmodell in den Kernmärkten starten soll und wie weit die Wettbewerber schon sind

ab 07/2028
frühester Start des Agenturmodells bei BMW in Deutschland, zuvor früher geplant
Sommer 2027
Start in Schweden und Polen, dort hält BMW am bisherigen Zeitplan fest
23
europäische Märkte hat BMW bei der Marke MINI bis Ende 2025 umgestellt
Mai 2023
seitdem verkauft Mercedes-Benz seine Neuwagen in Deutschland komplett im Agenturmodell

Volkswagen ging den umgekehrten Weg und beendete das Agenturmodell für seine Elektroautos zum 1. Januar 2026, zurück zur klassischen Händlerstruktur.

Was der EU-Rahmen für den Festpreis erlaubt

Feste Endkundenpreise sind im echten Agenturvertrag erlaubt, weil die EU-Vertikal-GVO den Handelsvertreter vom Verbot der Preisbindung ausnimmt. Nach der Verordnung 2022/720 darf der Hersteller dem vermittelnden Autohaus den Verkaufspreis vorgeben und eine feste Provision zahlen, solange er das Geschäftsrisiko selbst trägt.[1] Für Käufer bedeutet der Aufschub, dass Rabattverhandlungen beim BMW-Händler vorerst möglich bleiben. Autohäuser gewinnen Zeit und sollten die Frist bis 2028 nutzen, um Verträge und Prozesse auf den Direktvertrieb vorzubereiten.

FAQ: Agenturmodell bei BMW

Was ist das Agenturmodell im Autohandel?

Im Agenturmodell verkauft der Autohersteller den Neuwagen direkt an den Kunden, das Autohaus tritt nur noch als Vermittler auf und erhält dafür eine feste Provision. Die Preise setzt der Hersteller, der auch das Lager- und Preisrisiko trägt. Individuelle Rabattverhandlungen mit dem Händler entfallen dadurch.

Ab wann gilt das Agenturmodell bei BMW in Deutschland?

BMW verschiebt den Start des Agenturmodells in Deutschland laut Automobilwoche auf frühestens 1. Juli 2028, ursprünglich war ein früherer Termin geplant. In Schweden und Polen soll das Modell dagegen bereits im Sommer 2027 starten.

Kann man beim Agenturmodell noch über den Preis verhandeln?

Im Agenturmodell gilt ein einheitlicher Festpreis, den der Hersteller vorgibt, egal ob im Onlineshop oder im Schauraum. Ein Rabatt über das Verhandeln mit dem Autohaus ist nicht mehr vorgesehen. Solange BMW den Start vertagt, bleiben Preisgespräche beim Händler aber vorerst möglich.

Warum verschiebt BMW das Agenturmodell?

BMW zieht Konsequenzen aus den Praxiserfahrungen mit der Konzernmarke MINI, wo die Festpreise ohne Verhandlungsspielraum in der schwachen Nachfrage den Absatz dämpften. Zusätzlich braucht die IT- und Prozessumstellung mehr Zeit. Deshalb vertagt der Konzern den Deutschland-Start.

Welche Hersteller nutzen das Agenturmodell bereits?

Mercedes-Benz verkauft seine Neuwagen in Deutschland seit Mai 2023 komplett im Agenturmodell und übernahm 2025 auch die Fahrzeugdisposition. Volkswagen dagegen beendete das Agenturmodell für seine Elektroautos zum 1. Januar 2026 und kehrte zur klassischen Händlerstruktur zurück.

Quelle

[1] Europäische Kommission: Verordnung (EU) 2022/720 (Vertikal-GVO)

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