Rechnet sich der digitale Gebrauchtwagenhandel? AUTO1 beantwortet die Frage im zweiten Quartal 2026 mit einer auffälligen Zahl: An jedem Auto, das der Konzern online direkt an Endkunden verkauft, verdient er 2.503 Euro Bruttogewinn, im Großhandel dagegen nur 959 Euro.[1]

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Diese Lücke erklärt, warum der Berliner Konzern seine Profitabilität ausgerechnet über die Endkundenmarke Autohero steigert. Das bereinigte EBITDA hat im Quartal um 38,4 Prozent auf 58,6 Millionen Euro zugelegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das bereinigte EBITDA stieg im zweiten Quartal 2026 um 38,4 Prozent auf 58,6 Millionen Euro, der Umsatz um 23,4 Prozent auf 2,43 Milliarden Euro.
  • Der Direktverkauf über Autohero wuchs um 40,3 Prozent auf 33.415 Fahrzeuge und brachte 2.503 Euro Bruttogewinn je Auto.
  • Der Großhandel AUTO1.com verkaufte mit 206.883 Fahrzeugen das Sechsfache, verdiente daran aber nur 959 Euro je Fahrzeug.
  • Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte AUTO1 ein bereinigtes EBITDA von 250 bis 275 Millionen Euro.

Woher kommt der Gewinnsprung?

Vergleich von restauriertem Einzelwagen und gestapelten Ersatzteilträgern mit Preisschildern
Konzernumsatz stieg um 23,4 Prozent auf 2,43 Milliarden Euro, Bruttogewinn um 21,4 Prozent auf 280,7 Millionen Euro. 240.298 Fahrzeuge verkauft, 20 Prozent mehr als Vorjahr

Breite Basis: Der Konzernumsatz kletterte um 23,4 Prozent auf 2,43 Milliarden Euro, der Bruttogewinn um 21,4 Prozent auf 280,7 Millionen Euro. Insgesamt haben 240.298 Fahrzeuge den Besitzer gewechselt, ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor.

Operativer Hebel: Mit der Menge wächst die Marge überproportional, weil sich Plattform und Logistik auf immer mehr Autos verteilen. „Das zweite Quartal war erneut sehr stark für uns, unser operativer Hebel hat mit wachsender Größe weiter zugenommen“, sagte Mitgründer und Vorstandschef Christian Bertermann.

Warum verdient der Online-Verkauf mehr als der Großhandel?

Zwei Geschäfte: AUTO1 betreibt zwei Modelle unter einem Dach. Der Großhandel AUTO1.com kauft Fahrzeuge an und reicht sie an Händler weiter, ein reines Volumengeschäft mit 959 Euro Spanne je Auto. Autohero bereitet Gebrauchtwagen auf und verkauft sie direkt an Verbraucher, mit 2.503 Euro Bruttogewinn je Fahrzeug.

Volle Wertschöpfung: Der höhere Betrag stammt nicht aus einem Preisaufschlag allein. Aufbereitung, Garantie, Lieferung bis vor die Tür und die angebundene Finanzierung bleiben bei Autohero im Haus, jede dieser Stufen trägt eine eigene Marge bei.

Kontrolle statt Vermittlung: Im übrigen Onlinehandel gewinnt oft das schlanke Marktplatz-Modell, das nur zwischen Anbieter und Kunde vermittelt. AUTO1 setzt beim Auto auf das Gegenteil und besitzt jeden Schritt vom Einkauf bis zur Auslieferung selbst.

Der eigentliche Gewinn im Gebrauchtwagenhandel steckt nicht im Volumen der Auktion, sondern im direkten Verkauf an den Endkunden. Autohero zeigt, dass sich digitaler Autohandel rechnet, sobald die Plattform groß genug ist, um jede Stufe der Wertschöpfung selbst zu besetzen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
AUTO1 im zweiten Quartal 2026
Der Online-Direktverkauf treibt die Marge
58,6 Mio. €
Bereinigtes EBITDA im Quartal, plus 38,4 Prozent
2.432 Mio. €
Konzernumsatz, plus 23,4 Prozent
33.415
Von Autohero verkaufte Fahrzeuge, plus 40,3 Prozent
250 bis 275 Mio. €
Bereinigtes EBITDA, bestätigtes Jahresziel 2026

Wo die Marge entsteht

Der Direktverkauf über Autohero bringt 2.503 Euro Bruttogewinn je Fahrzeug, der Großhandel AUTO1.com nur 959 Euro. Zwar liefert der Großhandel mit 206.883 verkauften Autos das Volumen, die eigentliche Profitabilität trägt jedoch das margenstarke Endkundengeschäft.

Was heißt das für Händler und Käufer?

Ein Präzedenzfall: Reiner Online-Autohandel galt lange als Verlustgeschäft. Der britische Anbieter Cazoo meldete 2025 Insolvenz an, der US-Marktführer Carvana entging 2023 nur knapp der Pleite. AUTO1 unterscheidet sich durch den eigenen Großhandel, der Autohero die Fahrzeuge zu kalkulierbaren Preisen beschafft und die Beschaffung so vom Zukaufsrisiko löst.

Der deutsche Markt: Die Gebrauchtwagenpreise bleiben schwankend, gerade bei Elektroautos, was die Aufbereitungsmarge unter Druck setzt. Beim Onlinekauf greifen zudem Gewährleistung und Widerrufsrecht, anders als beim privaten Direktkauf, was das Vertrauen in den digitalen Kanal stützt.

Die Konsequenz: Der Gebrauchtwagenhandel verlangt künftig, Aufbereitung, Finanzierung und Lieferung als eigene Erlösquellen zu begreifen, statt allein auf die Handelsspanne zu setzen. Für Käufer lohnt der Preisvergleich zwischen digitalem Direktanbieter und stationärem Handel, dessen Rolle sich im Zuge der Onlineverlagerung ohnehin verschiebt.

Quelle

[1] AUTO1 Group SE: „AUTO1 Group meldet starkes Absatzwachstum und gesteigerte Profitabilität im zweiten Quartal 2026“ (29. Juli 2026)

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