Metro hat im dritten Quartal 8,6 Milliarden Euro umgesetzt. Das Wachstum stammt fast vollständig aus dem Liefergeschäft, während der konzerneigene Online-Marktplatz bei 65 Millionen Euro liegt. Für Händler und Hersteller steckt darin eine Lehre über die Grenzen der Plattform-Logik im Großhandel.

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65 Millionen Euro gegen 2,5 Milliarden: So verteilt sich bei Metro das Wachstum zwischen dem eigenen Marktplatz und der klassischen Belieferung im Quartal von April bis Juni 2026. Der Großhändler legt also dort am stärksten zu, wo Lastwagen fahren, und nicht dort, wo ein Katalog online steht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal 2025/26 währungsbereinigt um 2,3 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro.
  • Das Belieferungsgeschäft wuchs um 8,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro und steht damit für rund 29 Prozent des Quartalsumsatzes.
  • METRO MARKETS legte um 10,5 Prozent auf 65 Millionen Euro zu, also auf weniger als ein Prozent des Konzernumsatzes.
  • Das bereinigte EBITDA kletterte auf 362 Millionen Euro nach 336 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Woher kommt Metros Wachstum im dritten Quartal?

Warenpalette mit Folie und Schild
Der Vertriebskanal wuchs währungsbereinigt um 8,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, während der Konzernumsatz nur um 2,3 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro zulegte

Das Wachstum kommt aus der Belieferung: Der Kanal legte währungsbereinigt um 8,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu, der Konzernumsatz dagegen nur um 2,3 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Das stationäre Geschäft in den Großmärkten blieb praktisch auf Vorjahresniveau.[1]

Profitabler arbeitet der Konzern trotzdem. Das bereinigte EBITDA stieg auf 362 Millionen Euro nach 336 Millionen im Vorjahresquartal, die Marge liegt damit bei gut vier Prozent. Metro bestätigt die Jahresprognose von drei bis sechs Prozent Umsatzwachstum, peilt aber das untere Ende an.

Warum bleibt der eigene Marktplatz so klein?

METRO MARKETS wächst mit 10,5 Prozent schneller als der Konzern, bleibt mit 65 Millionen Euro Quartalsumsatz aber unter einem Prozent des Geschäfts. Nach Jahren des Aufbaus ist der Marktplatz damit kein zweites Standbein, sondern ein Nebenkanal.

Der Unterschied erklärt sich aus dem Sortiment. Über den Marktplatz laufen vor allem Ausstattung und langlebige Ware, ihren Umsatz machen Gastronomiebetriebe und Händler dagegen täglich mit Frische zu festen Lieferterminen. Genau dort entscheidet die Tourenplanung und nicht die Katalogbreite.

Im Geschäft mit Endkunden gewinnt das Marktplatz-Modell gerade deshalb, weil Sortimentsbreite zählt. In der Schweiz hat Galaxus den Rivalen Zalando überholt, und selbst Hornbach verkauft seine Ware inzwischen über diese fremde Plattform. Im Großhandel dreht sich die Rangfolge um.

Metro im dritten Quartal 2025/26: Das Wachstum fährt Lastwagen
Der Großhändler legt beim Umsatz um 2,3 Prozent zu. Den Zuwachs liefert die Belieferung, nicht der eigene Online-Marktplatz. Die Zahlen für April bis Juni 2026 im Überblick.
Symbol Großmarkt
8,6 Mrd.
Euro Konzernumsatz
Währungsbereinigt 2,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Symbol Lieferfahrzeug
2,5 Mrd.
Euro aus der Belieferung
Plus 8,3 Prozent und damit der stärkste Wachstumstreiber im Quartal.
Symbol Online-Marktplatz
65 Mio.
Euro bei METRO MARKETS
Plus 10,5 Prozent, gemessen an einer sehr kleinen Basis.
Symbol Ergebniskennzahl
362 Mio.
Euro bereinigtes EBITDA
Nach 336 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Metro erzählt die Marktplatz-Geschichte seit Jahren, verdient das Geld aber mit Lastwagen und Tourenplanung. 65 Millionen Euro im Quartal sind kein zweites Standbein, sondern ein Pilotprojekt mit Pressestelle.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Händler und Hersteller im DACH-Raum?

Ein eigener Marktplatz ersetzt keine Lieferfähigkeit. Metro steckt die Digitalbudgets seit Jahren in Infrastruktur und räumt dafür sogar die eigenen Rechenzentren, während Bestellstrecken und Routenplanung das Geschäft tragen.

  • Prüfen Sie, welcher Anteil Ihres Umsatzes an einem festen Liefertermin hängt. Für diesen Teil bringt ein offener Marktplatz wenig.
  • Trennen Sie die Sortimente nach Beschaffungsrhythmus: Ausstattung passt auf die Plattform, Verbrauchsware in die feste Belieferung.
  • Rechnen Sie den Marktplatz einzeln und nicht als Posten im Digitalbudget. 65 Millionen Euro neben 8,6 Milliarden zeigen, wie leicht ein Kanal im Konzernumsatz verschwindet.
  • Vor dem Aufbau eines eigenen Kanals lohnt der nüchterne Systemvergleich. Ein Überblick über die gängigen Shopsysteme kostet weniger Zeit als ein halbes Jahr Plattform-Entwicklung; erklärungsbedürftige Ware braucht ohnehin Konfiguration und Angebotslogik im B2B.

Für Entscheider im Handel bleibt ein nüchterner Befund: Lieferfähigkeit schlägt die Plattform-Erzählung. Delivery Hero hat vorgemacht, dass erst die Steuerung der Auslieferung das Liefergeschäft profitabel macht. Für den stationären Handel gilt dieselbe Reihenfolge.

Quelle

[1] METRO AG, Investor Relations: Quartalsmitteilung Q3 2025/26, veröffentlicht am 24. Juli 2026

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