Stellantis verkauft das Carsharing-Geschäft von Free2move an den Münchner Investor Mutares. Nach BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen gibt damit der nächste Autokonzern sein eigenes Free-Floating-Angebot ab. Firmen mit Mobilitätsbudget bekommen bis Jahresende einen neuen Vertragspartner.

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Free2move vermietet seine Autos minutenweise in 14 Städten in Europa und den USA.[1] Das Vorgängerangebot Share Now ist 2019 mit rund 20.000 Fahrzeugen in 30 Städten gestartet.[2] Zwischen beiden Zahlen liegt der Rückzug einer ganzen Branche.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mutares übernimmt den gesamten Anteil von Stellantis, der Abschluss ist für Ende 2026 vorgesehen.
  • Betroffen sind 14 Städte, in Deutschland Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart.
  • Free2move ist der Nachfolger von Share Now, dem Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und BMW.
  • Volkswagen hat seine WeShare-Flotte bereits Ende 2022 an Miles übergeben.

Warum trennt sich Stellantis vom eigenen Carsharing?

Schlüsselbrett aus Metall mit teils belegten Haken, nummeriert bis 30, mit Text unten
Stellantis verkauft sein Carsharing-Geschäft an Mutares. Die Transaktion soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein

Stellantis konzentriert sich auf das Kerngeschäft mit Fahrzeugen. Mutares übernimmt den gesamten Anteil am Carsharing, der Abschluss ist bis Ende 2026 geplant. Einen Kaufpreis nennt keine der beiden Seiten.[1]

„Mit dem schärferen Fokus auf unser Kern-Automobilgeschäft stärken wir unsere Fähigkeit, langfristig Leistung zu liefern“, sagt Virgilio Cerutti, Head of Business Development bei Stellantis.

Diese Begründung verdeckt den eigentlichen Rechenfehler der Branche. Das eigene Carsharing war für einen Autokonzern nie als Renditequelle gedacht, sondern als Absatzkanal und Kontaktpunkt zu jungen Städtern ohne eigenes Auto. Sobald der Konzern selbst spart, wie zuletzt Audi mit der gesenkten Prognose für 2026, verliert eine Flotte ohne eigene Marge ihre Rechtfertigung.

Was macht Free-Floating-Carsharing so teuer?

Ein Carsharing-Auto verdient nur, solange es fährt. Abschreibung, Versicherung, Parkgebühren, Reinigung und das Umsetzen liegengebliebener Fahrzeuge laufen dagegen rund um die Uhr weiter. Über das Ergebnis entscheiden deshalb die Auslastung und der Restwert beim Weiterverkauf.

Der Restwert ist dabei die unruhigste Größe, denn eine Mietflotte wird planmäßig verjüngt und der Erlös aus den abgegebenen Fahrzeugen ist fest eingeplant. Wie stark diese Rechnung schwankt, zeigt der Preisindex des Händlers Auto1: Die Preise für gebrauchte Autos sind im Juli erneut gefallen, während gebrauchte Elektroautos zugelegt haben. Für Elektroflotten kommt der Wertverlust in den ersten Jahren als eigene Unbekannte dazu.

Dazu kommt die Dichte: Free-Floating trägt sich erst, wenn in einer Stadt genug Fahrzeuge stehen, damit Kunden verlässlich eines finden. Deshalb schrumpft ein solches Netz nicht linear, sondern städteweise. Mit derselben Mechanik kämpfen die Robotaxi-Anbieter, sichtbar am ersten europäischen Dienst in Zagreb.

Carsharing war für die Autokonzerne selten ein Geschäft und meistens ein Marketingkanal mit Bilanzrisiko. Sobald das Kapital in der Elektroplattform gebraucht wird, endet die Geduld.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Free-Floating-Carsharing: der Rückzug der Autokonzerne
Sieben Jahre, drei Eigentümer, weniger als die Hälfte der Städte.
30
Städte in Europa und Nordamerika, mit denen Share Now 2019 gestartet ist
14
Städte in Europa und den USA, die Free2move heute bedient
20.000
Fahrzeuge zählte die Flotte von Share Now zum Start 2019
Ende 2026
Bis dahin soll der Verkauf an Mutares abgeschlossen sein

Drei Eigentümer in sieben Jahren

2019

Daimler und BMW
car2go und DriveNow gehen im Gemeinschaftsunternehmen Share Now auf

2022

Stellantis
Share Now wechselt den Eigentümer und geht später in Free2move auf

2026

Mutares
Ein Investor für Konzern-Randgeschäfte übernimmt den gesamten Anteil

Volkswagen hat sein Carsharing WeShare bereits Ende 2022 an Miles übergeben. Damit hält kein deutscher Autokonzern mehr ein eigenes Free-Floating-Angebot.

Was sollten Firmen mit Carsharing-Verträgen jetzt prüfen?

Bis Ende 2026 wechselt der Vertragspartner. Prüfen Sie Laufzeit und Kündigungsfrist Ihrer Firmenkonten, die Abdeckung Ihrer Standorte und ob im Mobilitätsbudget ein zweiter Anbieter hinterlegt ist. Nach einem Eigentümerwechsel ändern sich erfahrungsgemäß zuerst Preise und Stadtgebiet.

Der Käufer folgt einem erkennbaren Muster: Mutares kauft Randgeschäfte aus Konzernen heraus und richtet sie neu aus, vergangene Woche etwa die Autolicht-Sparte von Magna. „Gemeinsam mit dem Management-Team wollen wir das Betriebsmodell von Free2move stärken“, sagt Johannes Laumann, Chief Investment Officer von Mutares.

Für Kommunen steht mehr auf dem Spiel als ein Anbieterwechsel. Das Carsharinggesetz von 2017 erlaubt Städten, eigene Stellplätze für Carsharing auszuweisen, und viele Verkehrskonzepte rechnen das geteilte Auto als Ersatz für private Zweitwagen ein. Streicht der neue Eigentümer eine Stadt, fehlt dieser Baustein, und Beschäftigte weichen wieder auf den eigenen Wagen aus.

Behandeln Sie geteilte Mobilität deshalb wie jeden anderen Dienstleister im Fuhrpark, mit einem zweiten Anbieter im Vertrag. Denselben Effekt auf die Flottenrechnung haben übrigens die Preisunterschiede bei den Ladetarifen für Elektroautos.

Quellen

[1] Stellantis: „Stellantis Announces Agreement to Sell Free2move’s Car-sharing Business to Mutares“, 28. Juli 2026

[2] Daimler und BMW: „car2go and DriveNow join forces: SHARE NOW to become the biggest free-floating carshare provider worldwide“

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