Vorstand und Gesamtbetriebsrat der Porsche AG haben ein Zukunftspaket vereinbart: 5.000 weitere Stellen fallen bis 2035 weg, betriebsbedingte Kündigungen bleiben ausgeschlossen. Bezahlt wird die verlängerte Sicherheit mit Weihnachtsgeld und Tarifprozenten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Stellenabbau bei Porsche trifft einen Konzern, dessen operative Umsatzrendite 2025 auf 1,1 Prozent gefallen ist, nach 14,1 Prozent im Jahr zuvor.[2] Am 27. Juli haben beide Seiten ein Paket unterschrieben, das Beschäftigung bis Ende 2035 zusagt und dafür an Entgelt und Arbeitszeit ansetzt.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- 5.000 zusätzliche Stellen fallen bis 2035 weg, über Fluktuation, Demografie, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge.
- Die Beschäftigungssicherung für Zuffenhausen und Weissach verlängert sich um fünf Jahre bis Ende 2035.
- Das Weihnachtsgeld sinkt von 100 auf 60 Prozent eines Monatsentgelts, mobiles Arbeiten von zwölf auf höchstens acht Tage im Monat.
- 2,1 Milliarden Euro fließen bis 2035 in beide Standorte.
Was steht im Zukunftspaket?

Porsche baut bis 2035 rund 5.000 zusätzliche Stellen ab, schließt betriebsbedingte Kündigungen im Gegenzug bis Ende 2035 aus und investiert 2,1 Milliarden Euro in Zuffenhausen und Weissach.
Statt eines Kahlschlags läuft der Abbau über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, eine erweiterte Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Die Beschäftigungssicherung für beide Standorte verlängert sich dafür um fünf Jahre.[1]
Die eigentliche Stellschraube ist das Entgelt: Die Tarifentgelte sinken temporär um 3,5 Prozent, das Weihnachtsgeld von 100 auf 60 Prozent eines Monatsentgelts, mobiles Arbeiten von zwölf auf höchstens acht Tage im Monat. Als Ausgleich zahlt Porsche eine Transformationsprämie von 1.500 Euro, IG-Metall-Mitglieder erhalten 1.911 Euro.[1]
„Mit dem Zukunftspaket legen wir das Fundament unserer Strategie Sportwagenschmiede 35“, sagt Vorstandsvorsitzender Michael Leiters. Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan nennt die nötigen Zugeständnisse „Teil von Verhandlungen“.
Warum wird die Entwicklung zum Kostenproblem?
Porsche hat 2025 nur wenig weniger für Forschung und Entwicklung ausgegeben, konnte davon aber deutlich weniger aktivieren. Der Aufwand belastet dadurch sofort das Ergebnis, statt sich über die Laufzeit eines Modells zu verteilen.
Die Forschungs- und Entwicklungskosten sind 2025 von 2.528 auf 2.292 Millionen Euro gesunken. Die aktivierten Entwicklungskosten sind weit stärker gefallen, von 1.583 auf 963 Millionen Euro, womit die Aktivierungsquote von 62,6 auf 42,0 Prozent eingebrochen ist.[2]
Der nicht aktivierte Anteil ist damit von 945 auf 1.329 Millionen Euro gestiegen, obwohl das Entwicklungsbudget insgesamt kleiner geworden ist. Genau dieser Block wirkt ohne Verzögerung auf die Rendite, und genau deshalb steht die Entwicklungsleistung im Zentrum des Sparpakets.
Die Entwicklungsumfänge sämtlicher Modellreihen bleiben laut Vereinbarung in Weissach gebündelt.[1] Kosten und Kapazität sinken also innerhalb des Standorts, nicht durch eine Verlagerung.
Porsche kauft sich Zeit, keine Wettbewerbsfähigkeit. Solange Entwicklungsaufwand sofort das Ergebnis trifft, entscheidet nicht das Sparpaket über die Rendite, sondern die Frage, welche Modelle überhaupt noch zu Ende entwickelt werden.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Zulieferer und Partner?
Mit weniger interner Entwicklungskapazität sinkt auch die Nachfrage nach externen Entwicklungsleistungen. Zulieferer und IT-Dienstleister im Raum Stuttgart sollten ihre Projektpipeline für 2027 und 2028 gegen verschobene Modellanläufe absichern.
Porsche ist kein Einzelfall: Audi hat die Prognose für 2026 gesenkt, Volkswagen meldet einen Gewinneinbruch trotz wachsender Elektroverkäufe, und der Zulieferer Aumovio fordert die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Branchenweit gehen die Einsparungen inzwischen weniger über Kündigungen als über Entgeltbestandteile.
Wie schnell politische Vorgaben ein Modellprogramm kippen, zeigt der drohende Verkaufsstopp für Mercedes in den USA. Porsche selbst hat mit der Strategie 2035 bereits Verbrenner und Hybride zurückgeholt, was die parallele Entwicklung zweier Antriebswelten verlängert.
Prüfen Sie laufende Verträge mit Entwicklungspartnern auf Volumenzusagen und kalkulieren Sie Restwerte vorsichtiger, sobald sich Modellzyklen verschieben. Wie stark das durchschlägt, zeigt der Wertverlust bei Elektroautos in den ersten Haltejahren.
Quellen
[1] Porsche AG: „Vorstand und Gesamtbetriebsrat der Porsche AG vereinbaren Zukunftspaket“
[2] Porsche AG: „Geschäftsverlauf der Porsche AG 2025“
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