Porsche ordnet sein Kerngeschäft neu und rückt vom schnellen Elektro-Kurs ab. Der neue Vorstandschef Michael Leiters stellt Marge über Stückzahl. Für Zulieferer und Premiumhersteller im DACH-Raum ist das ein Signal.

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Die Porsche Strategie 2035 ist keine Feinjustierung, sondern die Korrektur einer eigenen Elektro-Wette. Im ersten Halbjahr 2026 ist der operative Gewinn auf 413 Millionen Euro eingebrochen, die operative Umsatzrendite von 14,1 auf 1,1 Prozent gefallen.[1] Leiters zieht daraus einen radikalen Schluss: zurück zur exklusiven Sportwagenschmiede.

Das Wichtigste in Kürze

  • Porsche hat im ersten Halbjahr 2026 nur 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, 16 Prozent weniger als im Vorjahr; in China ist der Absatz um 32 Prozent eingebrochen.
  • Der operative Gewinn ist auf 413 Millionen Euro gesackt, die operative Umsatzrendite von 14,1 auf 1,1 Prozent.
  • Mit der Strategie 2035 setzt CEO Michael Leiters auf „Value over Volume“, verlängert Verbrenner und Hybride und erteilt einem elektrischen 911 eine Absage.
  • Rund 3.900 Stellen sind bereits zum Abbau vereinbart; das China-Händlernetz schrumpft bis Jahresende von 150 auf etwa 80 Standorte.

Warum kippt Porsche seine Elektro-Roadmap?

Ein Porsche-Schlüssel mit Anhänger liegt auf einem Verkehrsschild auf weißem Grund
Porsche senkt Renditeerwartungen: Überschätzte Nachfrage nach E-Fahrzeugen im Luxussegment führt zu operativer Rendite von nur 1,1 Prozent

Nicht der Elektroantrieb an sich, sondern eine überschätzte Nachfrage zwingt Porsche zur Korrektur. Der Fall der operativen Rendite auf 1,1 Prozent zeigt, dass die schnelle Elektrifizierung im Luxussegment nicht die erwarteten Margen gebracht hat.

China-Schock. Historisch kam fast ein Drittel des Absatzes aus China. 2026 sind die Auslieferungen dort um 32 Prozent eingebrochen, weil lokale Anbieter das Premiumsegment mit eigenen Elektromodellen besetzen. Denselben Effekt hat zuletzt der Elektro-CLA von Mercedes in China zu spüren bekommen, dessen Absatz nahezu zum Erliegen kam.

Komplexitätsfalle. Parallel hat Porsche die Modellvielfalt und mehrere Antriebsstränge gleichzeitig vorangetrieben. Der elektrische Macan hat sich zäh verkauft, der hohe Wertverlust vieler Elektromodelle drückt auf die Restwerte. Wie hart Regulatorik zusätzlich wirkt, zeigt der Auslauf des Verbrenner-Macan.

Value over Volume: Was ändert die Strategie 2035?

Porsche schrumpft sich gesund: weniger Varianten, längere Verbrennerlaufzeiten, klare Konzentration auf margenstarke Sportwagen. Der Umbau folgt dem Prinzip Value over Volume, lieber weniger Autos mit höherer Marge.

Drei Säulen. Leiters gründet die Strategie 2035 auf drei Säulen: die Sportwagen-DNA schärfen, die Modellpalette verschlanken und die gesamte Organisation aufs Kerngeschäft ausrichten. Details folgen am Kapitalmarkttag am 7. Oktober 2026.[2]

Verbrenner bleibt. Ein rein elektrischer 911 ist vom Tisch, Verbrenner und Hybride laufen länger als geplant. Denselben Weg der bewussten Verknappung ist zuletzt Tesla in Grünheide gegangen.

Härtere Schnitte. Rund 3.900 Stellen sind zum Abbau vereinbart, vor allem in Entwicklung und Verwaltung. Laut Branchenberichten stehen in Stuttgart bis zu 4.000 weitere zur Diskussion, bestätigt ist diese Zahl nicht. Das Händlernetz in China halbiert Porsche bis Ende 2026 von 150 auf rund 80 Standorte.[1]

Porsches Kehrtwende ist kein Nein zum Elektroauto, sondern das Eingeständnis, dass Premium-Marge und Stückzahl-Ehrgeiz nicht zusammenpassen. Value over Volume ist die ehrlichste Ansage der deutschen Autoindustrie seit langem.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Porsche unter Druck: die Zahlen zur Kehrtwende
Erstes Halbjahr 2026 und die Eckpunkte der Strategie 2035
122.306
Auslieferungen im 1. Halbjahr 2026, 16 % weniger als im Vorjahr
−32 %
Absatzeinbruch in China, dem einstigen Kernmarkt
413 Mio. €
operativer Gewinn, Rendite von 14,1 % auf 1,1 % gefallen
150 → 80
China-Händler bis Ende 2026 nahezu halbiert

Strategie 2035: drei Säulen

1
Sportwagen-DNA schärfen, Verbrenner und Hybride länger anbieten
2
Modellpalette verschlanken, weniger Varianten und Komplexität
3
Organisation aufs margenstarke Kerngeschäft ausrichten

Was bedeutet die Kehrtwende für den DACH-Markt?

Die Korrektur trifft vor allem Zulieferer und andere Premiumhersteller, die dieselbe Elektro-Wette eingegangen sind. Der deutsche Premium-Elektroplan der frühen 2020er trifft 2026 flächendeckend auf eine schwächere Nachfrage.

Kein Einzelfall. Mercedes hat den Elektro-CLA in China gedrosselt, der ganze Premiumsektor kämpft mit dem Einbruch. Allein die chinesische Luxussteuer hat den deutschen Herstellern rund ein Drittel des Absatzes gekostet.

Komplexität senken. Weniger Varianten statt breiteres Portfolio ist die eigentliche Lehre. Denselben Hebel zieht der Mutterkonzern, dessen verschärfter Zukunftsplan bei VW die Ausstattungslisten radikal kürzt.

Handlungsempfehlung. Längere Verbrennerlaufzeiten kollidieren mit den EU-Flottengrenzwerten und dem Verbrenner-Aus 2035; Porsche setzt deshalb auf E-Fuels und die Revisionsklausel. Zulieferer sollten ihre Abhängigkeit von einzelnen E-Plattformen prüfen, Flottenmanager die Restwerte konservativer kalkulieren und die Antriebs-Roadmap flexibel halten.

Quellen

[1] Porsche Newsroom: „Porsche liefert im ersten Halbjahr 122.306 Sportwagen aus“

[2] Porsche Newsroom: „Porsche AG provides further insight into the three pillars of Strategy 2035“

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