Geely bringt seine Marke Lynk & Co ab Januar 2027 über die Verkaufsräume von Volvo nach Europa. Der schwedische Hersteller übernimmt Vertrieb und Service für die chinesische Schwestermarke, während der EU-Ausgleichszoll auf Geelys Elektroautos bei 28,8 Prozent liegt. Der Schachzug zeigt, wie chinesische Konzerne die Zoll-Mauer und das teure Händlernetz zugleich umgehen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 10. September 2026 besiegelten Geely Auto und Volvo Cars, was sich seit dem Frühjahr abgezeichnet hatte: Volvo wird ab dem 1. Januar 2027 der exklusive Vertriebspartner für Lynk & Co in Europa. Aus einem Pilotprojekt in sieben Märkten wird damit ein kontinentweites Modell.
Das Wichtigste in Kürze
- Volvo Cars übernimmt ab 1. Januar 2027 exklusiv Vertrieb und Service von Lynk & Co in Europa.
- Geely behält Produktentwicklung, Zulassung und Markenstrategie sowie alle Geschäfte außerhalb Europas.
- Auf in China gebaute Geely-Stromer erhebt die EU 28,8 Prozent Zoll; Volvos Werk in Gent fertigt Modelle innerhalb der Union.
- Volvo hält keine Anteile mehr an Lynk & Co, sondern verkaufte sie für rund 650 Millionen Euro an Zeekr.
Warum baut Geely nicht sein eigenes Netz?

Ein eigenes Händlernetz kostet in Europa Jahre und dreistellige Millionenbeträge, bevor der erste Kunde bedient ist. Genau daran scheiterte Lynk & Co bislang: Der Start 2020 setzte auf ein Abo-Modell mit monatlicher Mitgliedschaft statt auf klassische Autohäuser, die Nachfrage blieb dünn. Laut Volvo Cars[1] lieferte die Marke in den ersten acht Monaten 2026 rund 177.600 Fahrzeuge aus, fünfzehn Prozent weniger als im Vorjahr.
Der Ausweg heißt Mitbenutzung. Statt neue Filialen zu errichten, dockt Lynk & Co an die vorhandenen Verkaufs- und Servicebetriebe von Volvo an, die ebenfalls zum Geely-Reich gehören. Denselben Weg ging Leapmotor bereits über das Netz von Stellantis; der Erfolg dieser Kooperation zeigt sich inzwischen in schwarzen Zahlen. Auch Geely selbst sichert sich europäische Fertigung, etwa über den Einstieg bei Fords Werk in Valencia.
Wie umgeht Volvos Netz die Zoll-Mauer?
Zwei Hürden fallen auf einmal. Auf in China gebaute Elektroautos von Geely erhebt die EU seit Ende Oktober 2024 einen Ausgleichszoll von 18,8 Prozent, zusammen mit dem regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent ergeben sich 28,8 Prozent.[2] Einen Teil der Europa-Modelle fertigt Volvo jedoch im belgischen Werk Gent, also innerhalb der Union und damit ohne diesen Aufschlag.
Das Vertriebsabkommen löst die zweite Hürde, den Marktzugang. Volvo übernimmt Verkauf, Auslieferung und Werkstattservice, Geely behält Produktentwicklung, Zulassung und Markenstrategie. Anteile hält Volvo an der Schwestermarke keine mehr, sondern verkaufte seinen 30-Prozent-Block für rund 650 Millionen Euro (5,4 Milliarden Yuan, Kurs 0,12 Euro je Yuan am 11. September 2026) an Zeekr. Chinas Überkapazität und der heimische Preiskrieg machen den geordneten Gang ins Ausland ohnehin attraktiver als teure Alleingänge, wie zuletzt der gestoppte Werksbau von BYD in Malaysia zeigte.
Chinas Hersteller kaufen sich nicht mehr mühsam in Europa ein, sondern mieten sich in fertige Strukturen ein. Volvos Händlernetz ist für Geely der kürzeste Weg an die europäische Haustür, ganz ohne eigene Filiale.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Schachzug für den deutschen Markt?
Mehr Auswahl im Volvo-Autohaus erhöht den Druck auf die etablierten Marken. Deutsche Volvo-Partner verkaufen künftig eine zweite, günstigere Baureihe und verdienen an deren Wartung mit. Für Käufer sinkt die größte Hürde bei einer jungen China-Marke, nämlich die Sorge um Service, Garantie und späteren Wertverlust des Elektroautos, weil ein bekanntes Werkstattnetz dahintersteht.
Der Verdrängungswettbewerb im Volumensegment verschärft sich damit weiter. Nio ordnet sein Geschäft gerade neu und verzichtet sogar auf die eigenen Roboterpläne, um in die Gewinnzone zu kommen, während MG und BYD längst eigene Wege nach Europa suchen. Für Flottenmanager und Händler lohnt der Blick auf den Fahrplan: Ab Januar 2027 stehen Lynk-&-Co-Modelle regulär in den Preislisten, mit Volvo-Service im Rücken.
FAQ: Volvo, Geely und Lynk & Co in Europa
Wer verkauft Lynk & Co ab 2027 in Europa?
Ab dem 1. Januar 2027 übernimmt Volvo Cars den exklusiven Vertrieb und den Service von Lynk & Co in Europa. Beide Marken gehören zum chinesischen Geely-Konzern. Geely behält die Produktentwicklung und die Markenstrategie, Volvo führt Verkauf und Werkstattbetrieb.
Warum übernimmt Volvo den Vertrieb von Lynk & Co?
Ein eigenes Händler- und Servicenetz aufzubauen ist in Europa teuer und langsam. Über Volvos bestehende Betriebe erreicht Lynk & Co Kunden und Werkstätten sofort. Das frühere Abo-Modell der Marke blieb erfolglos, die Auslieferungen sanken 2026 um rund 15 Prozent.
Wie hoch ist der EU-Zoll auf Elektroautos von Geely?
Die EU erhebt seit Ende Oktober 2024 einen Ausgleichszoll von 18,8 Prozent auf in China gebaute Elektroautos von Geely. Zusammen mit dem regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent ergeben sich 28,8 Prozent. In der EU gefertigte Modelle, etwa aus Gent, sind davon ausgenommen.
Gehört Lynk & Co zu Volvo?
Nein. Volvo Cars hat seinen früheren Anteil von 30 Prozent an Lynk & Co für rund 650 Millionen Euro an Zeekr verkauft. Volvo übernimmt nur den europäischen Vertrieb, während die Marke selbst weiter zum Geely-Konzern gehört.
Quellen
[1] Volvo Cars Media Newsroom: „Volvo Cars completes the divestment of its 30 per cent stake in Lynk & Co“
[2] EUR-Lex: Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754 über endgültige Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China
Mehr Newshunger?
- Geely übernimmt 34 Prozent von Fords Werk in Valencia
- BYD verwirft sein eigenes Werk in Malaysia und montiert beim Partner
- Leapmotor schreibt Gewinn, während Chinas E-Auto-Rivalen Geld verbrennen
- Nio verzichtet auf humanoide Roboter und meldet operativen Gewinn
- CATL macht den Batteriewechsel zum Standard für Chinas E-Lkw
- WeRide erhält Spaniens erste Lizenz für fahrerlose Robotaxis in Madrid