Loongson liefert mit dem 9A1000 die erste Grafikkarte auf einem vollständig chinesischen Befehlssatz. Der Chip soll gleich doppelt arbeiten, als Bildschirm-GPU auf dem Niveau einer AMD Radeon RX 550 und als KI-Beschleuniger mit rund 40 TOPS. Auf der Halbjahres-Bilanzkonferenz nannte Firmenchef Hu Weiwu erstmals einen Verkaufstermin: die erste Hälfte 2027.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenChina bekommt damit nicht nur eine weitere KI-Karte, sondern seine erste Grafikeinheit auf einem selbst entworfenen Befehlssatz. Genau diese Eigenständigkeit trennt den 9A1000 von Huawei Ascend und Cambricon.
Das Wichtigste in Kürze
- Der 9A1000 arbeitet doppelt: als Grafikkarte auf dem Niveau einer AMD Radeon RX 550 und als KI-Beschleuniger mit rund 40 TOPS.
- Verkaufsstart ist die erste Jahreshälfte 2027, den Preis bestimmt vor allem der Speicher (LPDDR4).
- Der Chip lief auf einer inländischen Fertigungslinie vom Band, also ohne ausländische Prozesstechnik.
- Der Nachfolger 9A2000 soll die vierfache Grafik- und die achtfache KI-Leistung liefern.
Warum ein eigener Befehlssatz mehr wiegt als Rohleistung

Loongson entwirft seine Chips auf der eigenen Architektur LoongArch, unabhängig von x86 (Intel, AMD) und ARM. Die meisten chinesischen KI-Beschleuniger stützen sich dagegen auf Nvidias Software-Welt CUDA und lehnen sich an fremde Bausteine an, so auch die Ascend-Chips von Huawei. Der 9A1000 lief nach Angaben von Hu Weiwu auf einer inländischen Fertigungslinie vom Band und löst sich so von ausländischer Prozesstechnik.[1] Damit zielt Peking auf eine tiefere Stufe der Selbstversorgung als beim reinen Rechentempo.
Was steckt im 9A1000?
Als Grafikkarte zielt der 9A1000 auf das Niveau von AMDs Radeon RX 550, also den Einstiegsbereich. Als KI-Beschleuniger bringt er rund 40 TOPS und deckt damit nach Loongsons Darstellung die meisten Anwendungen für verkörperte KI ab, etwa in Robotern. Ob der Chip im offenen Markt besteht, hängt an der Windows-Unterstützung; im behördlichen Umfeld mit hohem Autonomie-Anspruch ist er auch ohne sie gesetzt. Den Preis will Loongson erst festlegen, wenn die Kosten für den Speicher feststehen, ein wunder Punkt, seit die Preise für Speicherchips branchenweit anziehen.
Loongson verkauft keine Rohleistung, sondern Unabhängigkeit. Die eigene Kette vom Befehlssatz bis zur Fertigung zählt hier mehr als das letzte Prozent an Tempo.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Der 9A1000 zeigt, wie ernst China die Entkopplung betreibt. Während US-Exportkontrollen Nvidias schnellste Beschleuniger vom chinesischen Markt fernhalten, baut Peking parallel einen kompletten heimischen Rechen-Stack, vom Prozessor 3B6600 bis zur Grafikkarte. Der Schritt reiht sich in eine Serie ein, vom Börsengang der chinesischen KI-Chip-Anbieter bis zum Ausbau reifer Fertigung bei SMIC. Für europäische Entscheider heißt das zweierlei. Produkte für den chinesischen Markt treffen künftig auf eine eigenständige Hardware- und Software-Basis. Und die EU steht mit ihrem Chips Act vor derselben Souveränitätsfrage, nur mit weniger staatlichem Druck dahinter.
Vor 2027 ändert der 9A1000 für europäische Firmen wenig. Beobachten sollte man aber, ob sich rund um LoongArch ein eigenes Software-Ökosystem bildet, denn dann entsteht neben Nvidias CUDA und dem westlichen Standard ein dritter, geschlossener Hardware-Raum.
Quelle
[1] ITHome: Bericht zur Loongson-Halbjahres-Bilanzkonferenz vom 11. September 2026
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