KI-Agenten, die eigenständig Termine buchen und bezahlen, brauchen mehr als ein starkes Sprachmodell. Nötig ist eine Ebene, die klärt, wer der Agent ist und was er darf. Genau diese Ebene will Ant Group mit Ling Ying besetzen, vorgestellt am 11. September auf dem Inclusion·Bund-Kongress in Schanghai.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Ant Group hat das agenten-native Betriebssystem Ling Ying vorgestellt, das aus dem früheren Verbindungs-Framework GPASS hervorgeht.
- Ling Ying bündelt Identität, Sicherheit, Bezahlung und die Kopplung von Endgerät und Cloud für KI-Brillen, Ohrhörer und Smartphones und bildet dafür sechs Laufzeit-Ebenen ab.
- Parallel startete Ant die Vertrauens-Infrastruktur APASS nach dem Prinzip „Know Your Agent“. Nach eigenen Angaben sind bereits über eine Million Agenten angebunden, mehr als 50 Institutionen bauen mit.
- Ant liefert die Infrastruktur und überlässt die Geräte den Partnern. Dieselbe Vertrauensfrage bewegt im Westen Mastercard und Visa.
Was ein agenten-natives Betriebssystem können soll

Aus dem bisherigen Framework GPASS wird ein agenten-natives Betriebssystem. Ant Group stellte Ling Ying als offene Plattform für KI-Brillen, Ohrhörer und weitere neue Endgeräte vor und öffnet sie für Chip-Partner, Hardwarehersteller und Entwickler. „Ant baut keine Hardware, aber wir wollen den Weg pflastern“, sagte Zhou Zhifeng, Senior Vice President von Ant Group. Identität, Sicherheit, Bezahlung und die Kopplung von Endgerät und Cloud sollen zur Basis-Infrastruktur werden.
Technisch spannt Ling Ying sechs Laufzeit-Ebenen auf: Interaktion, Orchestrierung, Policy, Ausführung, Werkzeuge und Gedächtnis. Damit verschiebt sich die Rolle des Geräts. Statt auf einen Fingertipp zu warten, erkennt das Gerät die Absicht und handelt über Apps und Geräte hinweg selbst. Genau darin liegt der Sprung von der App-Welt zu autonomen KI-Agenten.
Warum Vertrauen zur eigentlichen Hürde wird
Die eigentliche Hürde ist nicht das Modell, sondern die Autorisierung. Ein Agent, der eigenständig bucht und bezahlt, muss belegen, wer er ist und wofür er handeln darf. Fehlt dieser feste Prüfpunkt, wird aus einem Agenten mit Zahlungsrecht schnell ein überforderter Stellvertreter, der weit über seinen Auftrag hinaus agiert. Genau hier setzt Ant mit der Vertrauens-Infrastruktur APASS an, nach dem Prinzip Know Your Agent: Identitätsregistrierung, laufende Prüfung, Absicherung der Absicht und ein nachvollziehbarer Nachweis. Nach eigenen Angaben sind bereits über eine Million Agenten angebunden, mehr als 50 Institutionen bauen mit.
Neu ist die Frage nicht. Auf dem Kongress diskutierten Ant, Alibaba, OPPO und Mastercard, was passiert, wenn der Agent selbst zum Zahlenden wird. Dieselbe Vertrauensfrage treibt im Westen Mastercard und Visa zu eigenen Standards für Agenten-Zahlungen. Metas Assistent Muse zielt auf denselben Markt. Chinas KI-Wettlauf, der sich bisher an Modellen und Chips entzündete, etwa am Börsengang von DeepSeek oder dem Ansturm auf Chinas KI-Chip-Drachen, verlagert sich damit auf die Ebene, auf der Agenten wirklich handeln.
Nicht das klügste Modell entscheidet den nächsten KI-Zyklus, sondern die Instanz, die einem Agenten Identität und Zahlungsrecht ausstellt. Diese Ausweisstelle zu betreiben heißt, den Zugang zur gesamten Agenten-Wirtschaft zu kontrollieren.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was das für Entscheider in Europa bedeutet
Für Entscheider im DACH-Raum verschiebt der Vorstoß gleich mehrere Fragen. Zahlt ein Agent eigenständig, kollidiert das mit der starken Kundenauthentifizierung nach PSD2, die eigentlich einen Menschen am Bezahlpunkt verlangt. Die Gedächtnis-Ebene verarbeitet zugleich dauerhaft persönliche Daten, was die DSGVO und die Aufsicht über automatisierte Entscheidungen berührt. Zusätzlich fordert der EU AI Act Transparenz und menschliche Aufsicht dort, wo eine Software eigenständig handelt.
Die Haftung bleibt dabei beim Betreiber, nicht beim Agenten. Beim Einführen von KI-Agenten gehören deren Identität und Berechtigungen zu den eigenen Sicherheitskontrollen. Autonome Agenten bekommen kein stehendes Zahlungsrecht ohne festen Prüfpunkt. Die entstehenden Standards für Agenten-Identität und Agenten-Zahlung gehören früh auf den Tisch. Ant liefert dafür eine Blaupause und kontrolliert zugleich die Ausweisstelle. Diese sitzt in Hangzhou, nicht in Europa.
Vorgestellt am 11. September 2026 auf dem Inclusion·Bund-Kongress
Quelle
[1] 界面新闻 (Jiemian): „蚂蚁发布AI原生操作系统灵影,加码AI终端开放生态“
Was ist Ling Ying von Ant Group?
Ling Ying (灵影) ist ein agenten-natives Betriebssystem, das Ant Group am 11. September 2026 auf dem Inclusion·Bund-Kongress vorstellte. Es geht aus dem früheren Framework GPASS hervor und bündelt Identität, Sicherheit, Bezahlung und die Kopplung von Endgerät und Cloud für KI-Brillen, Ohrhörer und Smartphones.
Was bedeutet „Know Your Agent“ (KYA)?
Know Your Agent überträgt das aus dem Bankwesen bekannte Know Your Customer auf Software-Agenten. Ant Groups Infrastruktur APASS registriert die Identität eines Agenten, prüft sie laufend, sichert seine Absicht ab und liefert einen nachvollziehbaren Nachweis darüber, wer der Agent ist und was er darf.
Warum ist die Autorisierung von KI-Agenten so schwierig?
Ein Agent, der eigenständig bucht und bezahlt, muss belegen, wofür er handeln darf. Fehlt ein fester Prüfpunkt, agiert ein Agent mit Zahlungsrecht schnell über seinen Auftrag hinaus. Genau diese Autorisierungslücke wollen Vertrauens-Ebenen wie APASS schließen.
Was sollten Unternehmen in Europa jetzt beachten?
Agenten-Zahlungen berühren die starke Kundenauthentifizierung nach PSD2, die DSGVO und den EU AI Act. Die Haftung bleibt beim Betreiber. Ratsam ist, Identität und Berechtigungen von KI-Agenten als eigene Sicherheitskontrolle zu behandeln und kein stehendes Zahlungsrecht ohne festen Prüfpunkt zu vergeben.
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