Rund 780 Millionen Euro an einem einzigen Tag, dazu ein Kurssprung von 206 Prozent: So begann der Börsenstart des chinesischen KI-Chip-Entwicklers Enflame. Mit dem Debüt sind alle vier großen Halbleiter-Start-ups des Landes an der Börse, die Anleger in China die „vier kleinen Drachen“ nennen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Enflame nahm beim Börsengang rund 780 Millionen Euro ein (6,1 Milliarden Yuan, 142,18 Yuan je Aktie) und legte am ersten Handelstag um 206 Prozent zu.
  • Der Online-Teil der Emission war 6.109-fach überzeichnet; größter Aktionär und wichtigster Kunde ist Tencent mit 20 Prozent.
  • Enflame schreibt weiter Verlust: 2025 stand einem Umsatz von rund 127 Millionen Euro ein Fehlbetrag von rund 149 Millionen Euro gegenüber.
  • Chinas „vier kleine Drachen“ der KI-Chips sind jetzt alle notiert (Moore Threads, MetaX, Biren, Enflame), zusammen rund 3,2 Milliarden Euro Emissionserlös.

Ein Kurssprung von 206 Prozent

Mikrochip-Pokal auf weißem Sockel mit „IPO“-Fahne und „+206%“-Schild
Enflame debütiert an Shanghais STAR Market und steigt am ersten Handelstag um 206 Prozent. Der KI-Beschleuniger-Entwickler sammelt 780 Millionen Euro ein

Enflame ging am 11. September an Shanghais Technologiebörse STAR Market und schloss den ersten Handelstag 206 Prozent über dem Ausgabepreis. Der Entwickler von KI-Beschleunigern verkaufte 43 Millionen Aktien zu je 142,18 Yuan (rund 18 Euro) und sammelte damit etwa 6,1 Milliarden Yuan ein, umgerechnet rund 780 Millionen Euro (Stichtag 11. September 2026, ein Yuan rund 0,128 Euro).[1] Der Ausgabepreis bewertete das Unternehmen mit rund 7,8 Milliarden Euro.

Die Nachfrage sprengte jeden Rahmen. Der online angebotene Teil der Emission war nach Angaben von Finanzmedien 6.109-fach überzeichnet, mehr als sieben Millionen Privatanleger gaben Order ab. Rückhalt gibt der Internetkonzern Tencent, mit 20 Prozent größter Aktionär und zugleich wichtigster Kunde. Schon im Dezember hatte Moore Threads, der erste der vier Chip-Entwickler, am Ausgabetag 425 Prozent zugelegt.

Warum das Kapital in Chinas Chips strömt

Der eigentliche Treiber sitzt nicht in Enflames Bilanz, sondern in Washingtons Exportkontrollen. Seit die USA den Verkauf von Nvidias stärksten Beschleunigern nach China beschränken und Peking den Kauf zusätzlich ausbremst, ordern heimische KI-Firmen wie DeepSeek und ByteDance ihre Rechenleistung im eigenen Land. Nvidia lieferte 2025 zwar noch gut 55 Prozent aller KI-Beschleuniger in China, doch die Lücke füllen zunehmend eigene Chips.

Genau auf diese Verschiebung wetten die Anleger. Selbstversorgung lautet die Losung. Der Staat legt über seinen Halbleiterfonds mit an. Dass Enflame in drei Jahren über 550 Millionen Euro Verlust anhäufte und auch 2025 rund 149 Millionen Euro Miese schrieb, schreckt kaum jemanden. Cambricon, ein früherer Börsengang derselben Klasse, stieg trotz roter Zahlen zur wertvollsten Chip-Aktie des Landes auf. Bei DeepSeek stapeln sich bereits heimische Beschleuniger zu Zehntausenden.

Washington wollte Chinas KI-Aufstieg ausbremsen. Stattdessen treibt es Milliarden an Anlegerkapital in genau die heimischen Chip-Schmieden, die Nvidia eines Tages ersetzen sollen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was der Chip-Rausch für Europa bedeutet

Für Entscheider im DACH-Raum liefert der Ansturm eine unbequeme Kennzahl. Chinas vier Drachen sammelten zusammen rund 3,2 Milliarden Euro ein, um eine heimische Alternative zu Nvidia zu bauen. Europa hat trotz des EU Chips Act keinen vergleichbaren Anbieter von KI-Beschleunigern und hängt für Training wie Betrieb fast vollständig an amerikanischer Hardware.

Die Folgen reichen bis in die Beschaffung. Derselbe Engpass beim Hochleistungsspeicher, der Huawei und Cambricon ihre Preise anheben lässt, verteuert KI-Hardware weltweit. Für Rechenzeit und Server mit Zieltermin 2027 zählt die Chip-Geopolitik künftig als eigener Kostenfaktor. Ratsam sind gestreute Lieferquellen und ein eingepreister nächster Schritt der Exportkontrollen.

Chinas KI-Chip-Börsengänge im Rausch

Enflame komplettiert die „vier kleinen Drachen“ im September 2026

rund 780 Mio. €
Emissionserlös von Enflame beim Börsenstart, umgerechnet aus 6,1 Milliarden Yuan
+206 %
Kurssprung der Enflame-Aktie am ersten Handelstag an Shanghais STAR Market
rund 3,2 Mrd. €
Emissionserlös der vier chinesischen KI-Chip-Börsengänge zusammen
Größter Aktionär und wichtigster Kunde ist Tencent mit 20 Prozent. Enflame schreibt weiter Verlust: 2025 stand einem Umsatz von rund 127 Millionen Euro ein Fehlbetrag von rund 149 Millionen Euro gegenüber. Treiber des Ansturms sind die US-Exportkontrollen gegen Nvidia und Pekings Kurs zur eigenen Chip-Versorgung.

Quelle

[1] Caixin Global: „Tencent-Backed AI Chipmaker Enflame Eyes $9 Billion Valuation in IPO“

Was ist Enflame?

Enflame (chinesisch 燧原科技) ist ein 2018 gegründeter chinesischer Entwickler von KI-Beschleunigern für Rechenzentren. Größter Aktionär und wichtigster Kunde ist der Internetkonzern Tencent. Am 11. September 2026 ging das Unternehmen an Shanghais STAR Market und sammelte rund 780 Millionen Euro ein.

Was sind Chinas „vier kleine Drachen“?

So nennen Anleger die vier führenden chinesischen Entwickler von KI-Chips: Moore Threads, MetaX, Biren und Enflame. Mit Enflames Börsengang sind alle vier notiert. Zusammen nahmen sie rund 3,2 Milliarden Euro ein, um eine heimische Alternative zu Nvidia aufzubauen.

Warum ist Enflame trotz Verlusten so gefragt?

Anleger wetten auf Chinas Abkopplung von US-Chips. Weil Washington Nvidias stärkste Beschleuniger sperrt und Peking den Kauf ausbremst, ordern heimische KI-Firmen im eigenen Land. Der Online-Teil der Emission war 6.109-fach überzeichnet, obwohl Enflame 2025 rund 149 Millionen Euro Verlust schrieb.

Was bedeutet der Chip-Rausch für Unternehmen in Europa?

Europa hat keinen vergleichbaren Anbieter von KI-Beschleunigern und hängt an Nvidia. Der weltweite Speichermangel verteuert KI-Hardware zusätzlich. Ratsam ist, die Chip-Geopolitik bei Server- und Rechenzeit-Budgets für 2027 als Kostenfaktor einzuplanen und Lieferquellen zu streuen.

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