Amazon bestückt seine KI-Rechenzentren künftig auch mit KI-Chips von Qualcomm, dem Konzern, der bisher vor allem Smartphones antreibt. Beide Unternehmen vereinbarten eine Zusammenarbeit über mehrere Chip-Generationen, an deren Ende Käufe von bis zu 52 Milliarden Euro stehen könnten. Für Qualcomm bedeutet der Deal den Sprung ins Rechenzentrum, für Nvidia einen weiteren Großkunden, der eigene Wege sucht.

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Den Auftakt macht ein Aktienpaket. Qualcomm räumt Amazon Optionsscheine auf 25 Millionen eigene Aktien ein, zusammen rund 3,5 Milliarden Euro wert, die sich erst mit steigenden Chip-Käufen freischalten.[1] Ein erstes Paket von 3,75 Millionen Aktien ist mit den Anfangsbestellungen bereits fällig. Umsatz aus dem Geschäft erwartet Qualcomm ab dem Dezemberquartal.

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon kann über die Partnerschaft KI-Chips und Zubehör im Wert von bis zu 52 Milliarden Euro (60 Milliarden US-Dollar) bei Qualcomm beziehen; der Umsatz soll im Dezemberquartal einsetzen.
  • Qualcomm sichert Amazon Optionsscheine auf 25 Millionen Aktien (rund 3,5 Milliarden Euro) zu, die an die Höhe der Bestellungen gekoppelt sind.
  • Die Chips zielen auf KI-Inferenz, also den Betrieb fertig trainierter Modelle; dazu kommt optische Vernetzung mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde.
  • Qualcomm rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit rund 4,4 Milliarden Euro Rechenzentrumsumsatz und peilt bis 2029 gut 13 Milliarden Euro an.

Was steckt hinter dem Einstieg ins Rechenzentrum?

Stahltür „RECHENZENTRUM“ mit Sprechanlage „VERWALTUNG“ und Chip-Leser „NEUER CHIP-LIEFERANT“
Qualcomm nutzt Inferenz-Effizienz als Strategie gegen Nvidias Trainings-Dominanz, da der KI-Dauerbetrieb mehr Ressourcen verbraucht als das initiale Modelltraining

Inferenz statt Training. Qualcomm greift Nvidia nicht dort an, wo dessen Grafikkarten am stärksten sind, beim Training riesiger Modelle, sondern beim Betrieb. Jede Anfrage an einen KI-Assistenten läuft als Inferenz, und dieser Dauerbetrieb verschlingt inzwischen mehr Strom und Geld als das einmalige Training. Genau auf solche Effizienz ist Qualcomm aus dem Smartphone-Geschäft geeicht, wo jeder Rechenschritt mit knapper Akkuladung auskommen muss. Der Optionsschein bindet Amazon zusätzlich an den Erfolg: Je mehr Chips der Cloud-Konzern kauft, desto mehr Qualcomm-Aktien darf er günstig übernehmen.

Folgt Amazon einem Branchentrend?

Eigenes Silizium überall. Der Schritt reiht sich in eine Bewegung der KI-Branche ein, mit der sich die großen Cloud-Anbieter aus Nvidias Preismacht lösen. Amazon entwickelt mit Trainium und Inferentia längst eigene KI-Beschleuniger, Google rüstet mit einem Chip allein für Gemini nach, und Meta bringt seit dem Spätsommer einen selbst entworfenen KI-Chip in Produktion. Sogar OpenAI arbeitet an einem eigenen Inferenz-Chip. Qualcomm liefert nun das Fremd-Design für einen dieser Riesen und verkauft damit erstmals in großem Stil außerhalb des Mobilfunks.

Sobald selbst Amazon fremdes Chip-Design einkauft, ist die Botschaft an Nvidia unmissverständlich. Der Markt für KI-Rechenzentren bekommt endlich mehrere Anbieter, und niedrigere Preise landen am Ende bei jedem, der KI betreibt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?

Günstigere KI-Rechnung. Die meisten deutschen Unternehmen betreiben ihre KI-Anwendungen ohnehin auf AWS, Azure oder Google Cloud. Ein zweiter ernsthafter Chip-Lieferant neben Nvidia senkt langfristig die Kosten pro Anfrage, und dieser Vorteil erreicht über die Cloud-Rechnung direkt den europäischen Mittelstand. Zugleich bleibt die Abhängigkeit bestehen, denn die Schlüsseltechnologie für KI sitzt weiter bei einer Handvoll US-Konzernen. Diese Bündelung befeuert die Debatte um europäische Rechenzentren und souveräne Cloud-Angebote. Für die Planung von KI-Budgets zählen deshalb die sinkenden Inferenzkosten mehr als die heutigen Preise.

Qualcomm und Amazon: der Chip-Deal in Zahlen
Beträge umgerechnet zum Kurs vom 9. September 2026 (rund 0,87 Euro je US-Dollar)
52 Mrd. €
mögliches Kaufvolumen von Amazon bei Qualcomm (bis zu, entspricht 60 Mrd. US-Dollar)
3,5 Mrd. €
Optionsscheine auf 25 Millionen Qualcomm-Aktien, an die Bestellhöhe gekoppelt
4,4 Mrd. €
erwarteter Rechenzentrumsumsatz von Qualcomm im Geschäftsjahr 2027
13 Mrd. €
angepeilter Rechenzentrumsumsatz bis zum Geschäftsjahr 2029

Warum Amazon bei Qualcomm bestellt

Inferenz und Effizienz: Die Chips laufen im Dauerbetrieb fertig trainierter KI-Modelle, wo stromsparende Bauart aus Qualcomms Smartphone-Erbe zählt. Dazu kommt optische Vernetzung mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde. Der Optionsschein koppelt Amazons Aktiengewinn an die eigenen Bestellungen und reiht den Konzern in den Trend ein, KI-Beschleuniger neben Nvidia selbst zu beschaffen.

Der Ausbau verschlingt gewaltige Mengen Strom und Fläche, weshalb die Cloud-Riesen ihre Rechenzentren rund um den Globus verteilen, zuletzt etwa OpenAI mit Kapazitäten in Malaysia. Auch Amazon selbst dehnt seine Regionen samt KI-Zonen aus, wie zuletzt mit einer Cloud-Region in Saudi-Arabien samt Nvidia-Technik.

FAQ: Der Qualcomm-Amazon-Deal im Überblick

Was hat Qualcomm mit Amazon vereinbart?

Qualcomm und Amazon arbeiten über mehrere Chip-Generationen zusammen. Amazon kann dabei KI-Chips und Zubehör im Wert von bis zu 52 Milliarden Euro (60 Milliarden US-Dollar) bei Qualcomm beziehen. Der Umsatz soll im Dezemberquartal 2026 einsetzen.

Warum kauft Amazon KI-Chips bei Qualcomm statt nur bei Nvidia?

Amazon will sich aus der Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten lösen und die Kosten senken. Qualcomm bringt Erfahrung mit stromsparenden Chips aus dem Smartphone-Geschäft mit, die beim Dauerbetrieb von KI-Modellen zählt. Nvidia bleibt aber weiter Amazons wichtigster Chip-Partner.

Was ist KI-Inferenz?

Als Inferenz bezeichnet man den Betrieb eines fertig trainierten KI-Modells, also jede einzelne Antwort auf eine Nutzeranfrage. Dieser Dauerbetrieb verbraucht inzwischen mehr Strom und Geld als das einmalige Training. Die Qualcomm-Chips für Amazon zielen genau auf diese Inferenz.

Wie viel investiert Amazon in Qualcomm?

Qualcomm räumt Amazon Optionsscheine auf 25 Millionen eigene Aktien ein, zusammen rund 3,5 Milliarden Euro wert. Die Scheine schalten sich erst frei, wenn Amazon Chips kauft; ein erstes Paket von 3,75 Millionen Aktien ist mit den Anfangsbestellungen bereits fällig.

Was bedeutet der Deal für Nvidia?

Nvidia bekommt einen weiteren ernsthaften Wettbewerber im Rechenzentrum. Mit Amazon, Google und Meta beschaffen immer mehr Großkunden eigene oder fremde KI-Chips neben Nvidias Grafikkarten. Für die Betreiber von KI-Diensten kann das langfristig die Preise senken.

Quelle

[1] Qualcomm: „Qualcomm Announces Multi-Generational Product Collaboration with Amazon to Build Next-Generation AI Data Center Infrastructure“

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