OpenAI bucht seine nächste Rechenleistung nicht in Ohio, sondern in Malaysia: Zwei neue Rechenzentren des Nvidia-Partners Firmus liefern dem KI-Konzern künftig dedizierte Kapazität. Der Vertrag bringt Firmus über 900 Megawatt gebuchte Rechenleistung. Für europäische Entscheider zählt vor allem, wo die Rechenlast ihrer KI-Dienste am Ende physisch landet.

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OpenAI holt sich für seine Rechenzentren einen Standort weit außerhalb der USA. Am 8. September 2026 machte der KI-Konzern den Anbieter Firmus zum Ankerkunden zweier Anlagen in Malaysia und buchte dedizierte Rechenkapazität in Südostasien.[1] Hinter dem Schritt steckt mehr als ein Mietvertrag über Grafikprozessoren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ankerkunde in Malaysia: OpenAI bezieht Rechenleistung aus zwei neuen Firmus-Rechenzentren in Südostasien.
  • 900 Megawatt: Firmus überschreitet damit die Marke gebuchter Kapazität und setzt Nvidias Vera-Rubin-Chips ein.
  • Immersionskühlung: Die Server stecken in Flüssigkeit statt im Luftstrom und brauchen so rund 45 Prozent weniger Energie.
  • Frage der Datenresidenz: Für europäische Unternehmen verschiebt sich die Rechenlast ihrer KI-Dienste potenziell nach Asien.

Warum bucht OpenAI ausgerechnet in Malaysia?

Rundes Messgerät mit der Aufschrift „NETZ-AUSLASTUNG“, hoher Verbrauchsanzeige und Notizen
Firmus betreibt KI-Fabriken in Australien, Singapur, Indonesien und Malaysia. Das Unternehmen hat sieben Standorte in vier Ländern, zwei sind operativ, fünf im Bau

Firmus betreibt sogenannte KI-Fabriken, hochverdichtete Rechenzentren für das Training und den Betrieb großer Modelle. Der in Sydney gegründete Anbieter zählt sieben Standorte in vier Ländern, neben Australien, Singapur und Indonesien nun auch Malaysia. Zwei Anlagen laufen bereits, fünf entstehen gerade.[1]

Günstige Grundlast: Südostasien bietet, was ein Rechenzentrum am dringendsten braucht: bezahlbare Fläche, Strom und Wasser für die Kühlung. Malaysia ist neben Singapur zum Cloud-Knotenpunkt der Region geworden, ohne dessen enge Flächen- und Energiegrenzen.

Was macht die Firmus-Rechenzentren besonders?

Firmus kühlt seine Server nicht mit Luft, sondern versenkt sie in einer nicht leitenden Flüssigkeit. Diese einphasige Immersionskühlung nimmt die Wärme direkt am Chip auf und spart die stromhungrigen Ventilatoren und Kaltwassersätze klassischer Anlagen. Den Effizienzwert pPUE beziffert der Betreiber auf 1,02, den Energiebedarf auf rund 45 Prozent unter einer luftgekühlten Anlage.[2]

Ankerkunde als Hebel: Der Vertrag ist dabei mehr als eine Abnahme. OpenAI sagt die Auslastung langfristig zu, und erst diese Zusage macht den milliardenschweren Bau für Firmus und seine Geldgeber finanzierbar.

Wie weit reicht OpenAIs Jagd nach Rechenleistung?

Der Malaysia-Vertrag ist ein weiterer Baustein in OpenAIs Suche nach Kapazität. Erst kürzlich sicherte Nvidia dem Konzern mit einer Bürgschaft über 218 Milliarden Euro den Bau eines Rechenzentrums in Ohio zu, ehe der Chiphersteller die Kreditgarantie wieder zusammenstrich.

Nvidia in eigener Sache: Auffällig ist die Doppelrolle des Chipherstellers. Nvidia beliefert Firmus mit Prozessoren und hält zugleich Anteile am Betreiber. So fließt ein Teil des Geldes, das OpenAI für Rechenzeit ausgibt, an den Lieferanten der Chips zurück. Andere Betreiber lösen sich derweil aus dieser Abhängigkeit, etwa DeepSeek mit 160.000 Huawei-Chips.

Rechenleistung ist die neue Standortfrage der KI-Wirtschaft, und OpenAI beantwortet sie gerade in Südostasien statt in Europa. Für den Mittelstand heißt das: Bei jedem KI-Dienst gehört die Frage nach dem Serverstandort in den Vertrag.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
OpenAIs Rechenkapazität in Malaysia
Der Firmus-Deal in Zahlen (Stand 8. September 2026)
900 MW
vertraglich gebundene Rechenleistung bei Firmus, über alle Kunden
2
neue KI-Rechenzentren in Malaysia für OpenAI
7
Firmus-KI-Fabriken in vier Ländern: Australien, Singapur, Indonesien, Malaysia
45 %
weniger Energiebedarf durch Immersionskühlung, pPUE 1,02

Der Chip dahinter

Firmus bestückt die Malaysia-Standorte mit Nvidias kommender Vera-Rubin-Generation, dem Nachfolger der heutigen KI-Beschleuniger. Zu den Geldgebern zählen neben Nvidia auch Blackstone und Coatue.

Was bedeutet der Deal für Europa?

Während OpenAI in Südostasien bucht, baut Europa an eigener Infrastruktur. Schwarz Digits errichtet bei Rostock ein KI-Rechenzentrum für 5,6 Milliarden Euro, und der Mittelstand fragt sich, ob er überhaupt eine eigene Anlage braucht. Der größte KI-Anbieter der Welt verteilt seine Last global, während europäische Projekte und die größten Rechenzentren Deutschlands national bleiben.

Datenresidenz zählt: Für deutsche Unternehmen hängt viel davon ab, wo die Verarbeitung ihrer Daten am Ende stattfindet. Läuft die Inferenz eines KI-Dienstes über asiatische Rechenzentren, berührt das die DSGVO und mögliche Übermittlungspflichten in Drittländer.

Für Entscheider heißt das konkret: die vertraglich zugesicherte Verarbeitungsregion jedes KI-Dienstes prüfen und bei sensiblen Daten auf einer EU-Verarbeitung bestehen. Bietet ein Anbieter keine, lohnt der Test einer europäischen Alternative. Die Rechenleistung mag aus Malaysia kommen, die Verantwortung für die Daten bleibt beim Anwender.

Quellen

[1] Firmus: „Firmus surpasses 900 MW contracted capacity, adds OpenAI as anchor customer and expands into Malaysia“

[2] Firmus: „Sustainable Metal Cloud publishes world-first MLPerf Training power consumption results“

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