160.000 KI-Chips von Huawei, ein Standort in der mongolischen Steppe, rund ein Gigawatt Leistung: Mit diesen Eckdaten baut DeepSeek nach einem Bericht von Bloomberg sein bisher größtes Rechenzentrum.[1] Damit verlagert das Start-up aus Hangzhou zumindest den Betrieb seiner Modelle auf heimische Hardware und lässt Nvidia dort außen vor.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Mindestens 160.000 Huawei Ascend 950DT sollen in einem Rechenzentrum mit rund einem Gigawatt Leistung im nordchinesischen Ulanqab laufen, ein Teilbetrieb ist laut Bloomberg ab Ende 2027 geplant.
  • Die Chips übernehmen die Inferenz, also das Beantworten von Nutzeranfragen. Fürs Training seiner Modelle bleibt DeepSeek bei Nvidia.
  • Branchenschätzungen taxieren die Bestellung auf gut 2,5 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro.
  • Auslöser sind die US-Exportkontrollen, die Nvidias Spitzenchips für den chinesischen Markt weitgehend sperren.

Warum Huawei statt Nvidia?

Ein Stapel von Mikrochips mit einem Preisschild mit der Aufschrift 2,2 Mrd. €
Nvidias Marktanteil in China schrumpft von 40 Prozent 2025 auf etwa 8 Prozent, während Huawei die Hälfte des KI-Chipmarktes übernimmt

Nvidia ist in China faktisch aus dem Rennen. Firmenchef Jensen Huang räumte gegenüber dem Sender CNBC ein, sein Unternehmen habe den chinesischen KI-Markt weitgehend abgeschrieben. Analysten erwarten, dass Nvidias Anteil am dortigen KI-Chipmarkt von rund 40 Prozent im Jahr 2025 auf etwa 8 Prozent in diesem Jahr fällt, während Huawei auf gut die Hälfte zusteuert.

Der Grund liegt in Washington: Die Exportkontrollen untersagen den Verkauf der leistungsstärksten Beschleuniger nach China, und die für den Markt zugelassenen abgespeckten Varianten meiden viele chinesische Konzerne inzwischen aus Sorge vor politischer Abhängigkeit. Huaweis Ascend-Reihe füllt diese Lücke.

Inferenz statt Training: der eigentliche Kniff

Bemerkenswert ist, wofür DeepSeek die Chips einsetzt. Huawei hat den Ascend 950DT fürs Training entwickelt, den rechenintensiven Aufbau eines Modells. DeepSeek nutzt ihn stattdessen für die Inferenz, die laufende Beantwortung von Nutzeranfragen, und damit für den Teil, der Geld einbringt.

Dahinter steckt ein technischer Grund. Training verlangt ein extrem eng gekoppeltes Zusammenspiel tausender Chips und verzeiht Software-Schwächen kaum. Frühere Anläufe, DeepSeek-Modelle auf Huawei-Hardware zu trainieren, scheiterten genau daran, und das Start-up kehrte fürs Training zu Nvidia zurück. Inferenz ist toleranter, hier reicht Huaweis Reife bereits. Den Standort Ulanqab wählte DeepSeek für seine Jahresdurchschnittstemperatur von rund vier Grad und den günstigen Strom, beides drückt die Betriebskosten.

Die Exportkontrollen sollten Chinas KI ausbremsen. Stattdessen ziehen sie Huawei zu Nvidias ernstem Rivalen heran, und DeepSeek liefert dafür gerade das größte Praxisbeispiel.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
DeepSeeks Wette auf Huawei
Das geplante KI-Rechenzentrum in Ulanqab in Zahlen
160.000
Huawei Ascend 950DT-Chips für die Inferenz
~1 GW
Leistung des Rechenzentrums in Ulanqab
2,2 Mrd. €
geschätzter Bestellwert der Chips
Ende 2027
geplanter Start des Teilbetriebs

Nvidias Anteil am chinesischen KI-Chipmarkt bricht ein

Was bedeutet das für den DACH-Raum?

Für Entscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschiebt der Umbau die Datenfrage. Läuft DeepSeek künftig komplett auf chinesischer Rechentechnik, liegen Modell, Betrieb und Daten vollständig in China und damit im Zugriff chinesischer Behörden. Die Datenschützer haben darauf längst reagiert: Italiens Aufsichtsbehörde Garante sperrte die DeepSeek-App bereits Anfang 2025, die Berliner Beauftragte Meike Kamp meldete sie Apple und Google als rechtswidrig, weil DeepSeek Nutzerdaten ungefragt nach China überträgt.

Für den geschäftlichen Einsatz zählen deshalb zwei Prüfungen: ob der Datentransfer nach China mit der DSGVO vereinbar ist und ob ein in der EU gehostetes Modell dieselbe Aufgabe erfüllt. Das Muster ist nicht neu. Auch iFlytek stellte sein jüngstes Sprachmodell ohne Nvidia-Chips vor, und Ausrüster wie NAURA liefern Chinas Chipfabriken die Werkzeuge, um sich von westlicher Technik zu lösen.

DeepSeek hat die Bestellung nicht bestätigt, doch die Richtung ist eindeutig: Chinas KI-Infrastruktur entkoppelt sich Schicht für Schicht von amerikanischer Hardware. Deutsche Anwender sollten chinesische KI-Dienste künftig nicht nur nach Preis und Leistung bewerten, sondern nach dem Rechtsraum, in dem ihre Daten landen.

Quelle

[1] Bloomberg: „DeepSeek Plans Big Huawei AI Chip Order to Power New Data Center“

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