SenseTime meldet für das erste Halbjahr 2026 den ersten Gewinn seit dem Börsengang 2021, rund 617 Millionen Yuan oder etwa 79 Millionen Euro. Möglich machte den Sprung das Geschäft mit generativer KI, das inzwischen vier Fünftel des Umsatzes ausmacht. MiniMax und Zhipu wachsen ähnlich schnell, häufen im selben Zeitraum aber weiter dreistellige Millionenverluste an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDrei Jahre lang stand SenseTime für das Grundproblem der KI-Branche, hohe Umsätze und noch höhere Verluste. Im ersten Halbjahr 2026 kippt dieses Bild zum ersten Mal: Der chinesische KI-Konzern verdient Geld, ausgerechnet mit generativer KI, die bei fast allen Wettbewerbern Kapital verschlingt.
Das Wichtigste in Kürze
- Erster Halbjahresgewinn seit dem Börsengang 2021: rund 617 Millionen Yuan, etwa 79 Millionen Euro.
- Der Umsatz steigt um 23,4 Prozent auf 2,91 Milliarden Yuan (rund 375 Millionen Euro), fast 80 Prozent davon aus generativer KI.
- Wiederkehrende Erlöse machen erstmals 39 Prozent des Umsatzes aus und mehr als verdoppeln sich.
- MiniMax und Zhipu meldeten im selben Halbjahr Verluste von umgerechnet rund 311 beziehungsweise 268 Millionen Euro.
Wie kommt SenseTime aus der Verlustzone?

Den Ausschlag gab die Verlagerung auf generative KI. Dieser Geschäftsbereich brachte 2,33 Milliarden Yuan oder rund 300 Millionen Euro, also 79,9 Prozent des Konzernumsatzes.[1] Vorstandschef Xu Li beschreibt das Modell als Zusammenspiel aus eigenen Foundation-Modellen, einer sogenannten Token-Fabrik für die Rechenleistung und einem Baukasten für KI-Agenten.
Wichtiger als das reine Wachstum ist die Qualität der Erlöse. Wiederkehrende Umsätze kletterten um 124 Prozent auf 1,14 Milliarden Yuan oder rund 147 Millionen Euro und stehen jetzt für 39 Prozent des Geschäfts. Planbare Abo- und Nutzungserlöse ersetzen damit einen Teil der früheren Einzelprojekte, die sich schlecht kalkulieren ließen. Auch die Bruttomarge legte auf 41,4 Prozent zu.
Warum verbrennen die Konkurrenten weiter Geld?
Der Kontrast zur Konkurrenz ist scharf. MiniMax und Zhipu meldeten für dasselbe Halbjahr Verluste von 358 beziehungsweise 308 Millionen US-Dollar, also umgerechnet rund 311 und 268 Millionen Euro, obwohl beide ihre Umsätze kräftig steigern. Das Wachstum allein zahlt bei ihnen keine Rechnung.
Der Grund liegt im Kostenblock. Immer größere Sprachmodelle zu trainieren bindet Kapital in Chips und Rechenzentren, ohne dass daraus sofort verkäufliche Produkte werden. SenseTime dagegen setzt laut Finanzchef stärker auf fertige Werkzeuge für Einzelunternehmer und Büroarbeit, etwa den Agenten Raccoon, statt den Wettlauf um die reine Modellgröße mitzugehen. Das Muster kennt der Markt aus Europa und den USA, wo ebenfalls die Anbieter mit klarem Produktfokus früher schwarze Zahlen sehen als die reinen Modellschmieden.
Der erste Gewinn von SenseTime widerlegt die bequeme These, dass sich mit generativer KI vorerst kein Geld verdienen lässt. Entscheidend ist nicht die größte Modellgröße, sondern ein Produkt, für das Kunden regelmäßig zahlen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Gewinn gegen Verlust im selben Halbjahr
Was heißt das für europäische KI-Anbieter?
Für den europäischen Markt liegt die Lehre weniger im Namen SenseTime als im Geschäftsmodell. Planbare, wiederkehrende Erlöse und ein enger Produktfokus bringen ein KI-Unternehmen schneller in die Gewinnzone als das Rennen um immer größere Modelle. Genau diese Frage stellt sich auch deutschen Anbietern, die gegen die Kostenmacht von OpenAI und Google sowie gegen die chinesischen Modellschmieden bestehen wollen.
Zugleich bleibt SenseTime für europäische Kunden heikel. Das Unternehmen steht auf der US-Sanktionsliste (Entity List), was Partnerschaften und den Hardware-Zugang begrenzt sowie beim Datenschutz Fragen aufwirft. Sein Auslandsgeschäft wuchs im Halbjahr trotzdem um 127 Prozent, vor allem außerhalb der westlichen Märkte. Vor einem Einsatz chinesischer KI-Werkzeuge im eigenen Betrieb bleibt deshalb die Prüfung von DSGVO, Vertragsrecht und Lieferkette Pflicht.
Quelle
[1] SenseTime: „SenseTime Records First-Ever Profit in First Half of 2026″
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