Der chinesische KI-Entwickler MiniMax kam im August auf eine annualisierte Umsatzrate von 696 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz um 283 Prozent, während der bereinigte Verlust auf 255 Millionen Euro stieg. Europäische Entwickler bekommen die billigen Modelle, den Preiskampf dahinter finanzieren sie mit.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMiniMax hat den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 fast vervierfacht und übertrifft damit bereits den kompletten Jahresumsatz 2025. Bis August kletterte die annualisierte Umsatzrate auf umgerechnet 696 Millionen Euro. Trotzdem schreibt der Anbieter tiefrote Zahlen, und genau diese Spannung macht den Fall für europäische Entscheider lehrreich.
Das Wichtigste in Kürze
- Die annualisierte Umsatzrate lag im August bei rund 696 Millionen Euro, davon trägt das Firmengeschäft etwa 80 Prozent.
- Der Halbjahresumsatz stieg um 283 Prozent auf 101 Millionen Euro, mehr als im gesamten Jahr 2025.
- Der bereinigte Verlust verdoppelte sich auf 255 Millionen Euro, getrieben von Forschungsausgaben und einem Preiskampf um KI-Tokens.
- An der Börse Hongkong bewerten Anleger MiniMax mit rund 11 Milliarden Euro.
Woher kommt der Umsatzsprung?

Den Ausschlag gibt das Plattformgeschäft. Der Verkauf von Modellzugängen an Unternehmen und Entwickler brachte im ersten Halbjahr 64 Millionen Euro, ein Plus von 703 Prozent, und stellt damit erstmals den Großteil der Erlöse.[1] Vor einem Jahr stammten noch rund 70 Prozent des Umsatzes aus Endkunden-Apps wie dem Videomodell Hailuo, einem Feld, auf dem auch Kuaishous Kling AI wächst.
Der Motor dahinter ist die Token-Abrechnung. Firmen zahlen pro verarbeiteter Texteinheit, und dieser Verbrauch hat sich zwischen Januar und Juli verzwanzigfacht. MiniMax verkauft Rechenzeit ähnlich, wie Zhipu seine KI-Tokens über eine Handelsplattform vertreibt, ein Modell, das Masse über Marge stellt.
Warum wächst der Verlust schneller als der Umsatz?
Der Preiskampf frisst die Marge. Chinas KI-Anbieter unterbieten sich seit Monaten bei den Token-Preisen, sichtbar an der aggressiven Preisgestaltung von DeepSeek. Die Bruttomarge stieg zwar auf 17,9 Prozent, bleibt aber dünn, weil ein verkaufter Token kaum noch etwas abwirft.
Zugleich verschlingt das Forschungsbudget mehr als das Doppelte des Umsatzes. So verdoppelte sich der bereinigte Verlust auf 255 Millionen Euro, gegenüber 121 Millionen ein Jahr zuvor.[1] Der Börsengang in Hongkong im Januar und frisches Kapital halten das Wachstum vorerst am Laufen.
MiniMax verkauft Wachstum auf Pump. Die Umsatzrate beeindruckt, doch tragfähig wird ein KI-Modell erst, wenn ein einzelner Token mehr einbringt, als er kostet.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Für europäische Firmen zählt zuerst der Datenschutz. Günstige China-Modelle lassen sich über offene Plattformen und offene Gewichte leicht testen, doch der Datenfluss über chinesische Server berührt DSGVO und den EU AI Act. Erste EU-Behörden prüften bereits die Datenpraxis von DeepSeek, ein Muster, das sich auf MiniMax übertragen lässt.
Dazu kommt der Preisrutsch. Bei der Kalkulation von Chatbots oder Videowerkzeugen lohnt es sich, die fallenden Token-Preise zu nutzen und zugleich Anbieter und Datenweg sauber zu dokumentieren. Die Börsenpläne der chinesischen KI-Aufsteiger zeigen, wie schnell dieser Markt reift und wie riskant er finanziert ist. Die Vergleichswerte dazu liefert die KI-Rubrik von Dr. Web.
Kurzfristig profitieren deutschsprachige Anwender von günstiger KI aus China. Prüfen Sie vor dem Einsatz Datenweg, Vertragslage und die Pflichten aus dem AI Act, statt allein auf den Preis zu schauen.
Quelle
[1] MiniMax: „MiniMax Announces First Half 2026 Financial Results“
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