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Eavor hat die beiden Bohranlagen in Geretsried vorerst abgezogen. Der zweite von vier geplanten Erdwärmekreisläufen, im Projekt Loops genannt, verschiebt sich damit auf unbestimmte Zeit. Für die Fernwärme der Stadt war er die Voraussetzung. Eine verlässliche Zusage für den Bau liegt laut dem örtlichen Versorger nicht vor.

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Den Schritt gab das kanadische Unternehmen am Dienstag, 13. Oktober, bekannt, teilt die Isar Loisach Naturwärme (ILN) mit, eine Tochter der Stadtwerke Geretsried.[1] Eavor begründet den Abzug mit den Kosten, die stillstehende Bohranlagen und Fachfirmen auf dem Gelände verursachen.[2] Der erste Loop bei Gelting läuft weiter.[3]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Eavor zieht die Bohranlagen aus Geretsried ab, der zweite Loop ist ohne Zeitplan.
  • Die ILN kann ohne ihn keinen Start der Fernwärme nennen und prüft ihren Liefervertrag neu.
  • Geplant waren 350 Mio. € Investition, die EU gab 91,6 Mio. € Zuschuss.
  • Der erste Loop liefert 8,5 MW Wärme, das Projekt war auf 64 MW ausgelegt.

Was bedeutet der Abzug für die Fernwärme?

Heizkörper mit Schild „Loop 2?“ an rotem Rohr, das in einem schwarzen Loch verschwindet
Die Stadt beginnt mit dem Wärmenetzbau erst nach Fertigstellung des zweiten Loops. Der Liefervertrag von 2024 sieht bis zu 81.200 MWh Wärme jährlich vor

Die Stadt baut ihr Wärmenetz erst, wenn der zweite Loop steht.[3] „Solange Bau, Finanzierung und Zeitplan offen sind, können wir keine belastbaren Aussagen zum Beginn oder zum großflächigen Ausbau der Versorgung geben“, schreibt die ILN.[1] Der Liefervertrag von 2024 sieht bis zu 81.200 MWh Wärme im Jahr vor.[3] Seine Grundlagen hätten sich bei Eavor mehrfach verändert, so die ILN. Sie prüft nun Wärmeleistung und Wirtschaftlichkeit neu, ihre Gesellschafterversammlung soll zeitnah beraten. Die Stadt kritisiert laut ZFK, sie und die ILN seien erst kurzfristig informiert worden.[3]

Eavor nennt Geretsried weiter ein vorrangiges Projekt. Das Unternehmen will zuerst die wirtschaftlichen Grundlagen verbessern und dafür einen festen Wärmeabnahmevertrag aushandeln. Das brauche Zeit, schaffe aber die besten Voraussetzungen für den zweiten Loop.[2]

Warum stockt das Projekt?

Der Loop ist ein geschlossener Kreislauf: Zwei senkrechte Bohrungen sind in 4.500 bis 5.000 Metern Tiefe über waagerechte Seitenbohrungen verbunden, die jeweils als Paar von beiden Seiten gebohrt werden, darin nimmt eine Flüssigkeit die Wärme des Gesteins auf.[5] Beim ersten Loop waren laut einem technischen Bericht von Eavor beide senkrechten Bohrungen schlecht zementiert. Spülung und Bohrklein flossen durch fertige Seitenbohrungen zur zweiten Anlage. Statt parallel konnte Eavor nur mit einer Anlage bohren, das verdoppelte Zeit und Kosten. Eavor stoppte deshalb nach sechs statt zwölf Paaren von Seitenbohrungen, vier davon fördern heute Wärme.[4]

Rund 8,5 MW Wärme liefert der Loop, ausgelegt war das Projekt mit vier Loops auf 64 MW Wärme und 8,2 MW Strom. Weil das Netz fehlt, geht die gesamte Wärme in ein Kraftwerk, das seit dem Start laut Eavor im Schnitt 4,3 % davon in Strom umwandelte.[4] Geplant war eine Gesamtinvestition von 350 Mio. €. Neben dem EU-Zuschuss lieh die Europäische Investitionsbank knapp 45 Mio. €, mit JBIC, ING und Mizuho kamen 130 Mio. € Kredit zusammen.[5]

Geretsried: geplant und gebaut
Das Eavor-Projekt im Abgleich von Plan und erstem Loop
350 Mio. €
geplante Gesamtinvestition, davon 91,6 Mio. € Zuschuss aus dem EU-Innovationsfonds
1 von 4
geplanten Loops ist gebaut, mit 6 statt 12 Paaren von Seitenbohrungen, 4 davon fördern Wärme
8,5 MW
Wärme liefert der erste Loop, ausgelegt war das Projekt auf 64 MW
81.200 MWh
Wärme im Jahr sieht der Liefervertrag mit der ILN von 2024 höchstens vor
Chronologie
März 2023
Der EU-Innovationsfonds sagt 91,6 Mio. € zu.
Mai 2024
Die EIB leiht knapp 45 Mio. €, Wärme soll ab 2026 fließen.
Dezember 2025
Der erste Loop speist Strom ins Netz ein.
13. Oktober 2026
Eavor zieht die Bohranlagen ab, der zweite Loop ist verschoben.

Was bleibt in Geretsried offen?

Auf Gut Breitenbach bei Gelting waren 2013 und 2017 bereits zwei klassische Geothermiebohrungen gescheitert.[6] Das Gestein ist heiß, führt aber kein Wasser. Genau dafür entwickelte Eavor den geschlossenen Loop.[4] Der erste Loop ist gebaut, für die Loops zwei bis vier steht kein Termin fest. Gemeinsam mit der Stadt prüft die ILN, ob sie mit Eavor weitermacht oder andere Wärmequellen ergänzt.[1]

Dazu kommt der Wärmeplan: Kommunen unter 100.000 Einwohnern haben dafür bis 30. Juni 2028 Zeit, Großstädte mussten ihn schon bis Ende Juni 2026 vorlegen. Wärmelieferverträge hat Eavor auch mit Enercity in Hannover und den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm geschlossen.[3] Versorger, die Wärme aus einer neuen Technik einplanen, sollten Netzbau und Bohrfortschritt vertraglich koppeln. Geretsried zeigt, wie lange eine Netzplanung auf ihre Quelle warten kann.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Isar Loisach NaturwärmeVerzögerung beim zweiten LoopOktober 2026
  2. ThinkGeoEnergyEavor withdraws drilling rigs from the Geretsried geothermal project site in Germany16.10.2026
  3. ZFKRückschlag für innovatives Geothermieprojekt16.10.2026
  4. EavorTechnical Update from Geretsried: What we built, what we learned, and what comes next21.05.2026
  5. Europäische InvestitionsbankGermany: EIB and EU Innovation Fund support Eavor’s innovative geothermal technology in Bavaria02.05.2024
  6. Das Gelbe BlattRückschlag für Geothermieprojekt: Eavor zieht Bohranlagen auf Gut Breitenbach in Gelting ab16.10.2026

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