General Motors setzt in seiner nächsten Elektroauto-Plattform auf LMR-Akkus mit lithium- und manganreicher Kathode, die nicht mehr kosten sollen als LFP-Zellen. Zusammen mit kleineren Motoren und weniger Luftwiderstand verspricht der Konzern 20 Prozent mehr Reichweite je Kilowattstunde. Modell, Preis und Starttermin bleiben offen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenBisher lief die Fahrzeugentwicklung bei General Motors wie ein Staffellauf, in dem jedes Team seine fertige Arbeit an das nächste übergab. So schildert GM den alten Ablauf in seiner Mitteilung zur Technikschau „GM Forward“ am 21. Oktober.[1] Für die vierte Elektroauto-Generation arbeiten Design, Entwicklung und Fertigung gleichzeitig, die Entwicklungszeit von fünf Jahren soll sich halbieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Die LMR-Zellen von Ultium Cells sollen in GMs meistverkauften Segmenten stecken, nicht mehr nur in großen Pick-ups.
- Neue Motoren und Leistungselektronik kommen mit 40 Prozent weniger Teilen je Antriebseinheit aus.
- Ein Zentralrechner ersetzt mehrere Steuergeräte, die Verkabelung schrumpft um 30 Prozent.
Woher kommen die 20 Prozent mehr Reichweite?

Die Reichweite je Kilowattstunde hängt am Verbrauch des ganzen Autos. GM führt den Zuwachs auf die LMR-Akkus, die neuen Antriebseinheiten und eine bessere Aerodynamik zurück.[1] Ein Auto, das heute 17 Kilowattstunden auf 100 Kilometer braucht, käme rechnerisch mit gut 14 aus.
LMR-Zellen sollen laut GM eine um 33 Prozent höhere Energiedichte erreichen als LFP-Zellen, bei ähnlichen Kosten.[1] Für dieselbe Reichweite genügt damit ein kleinerer und leichterer Akku.
Bei der Ankündigung der LMR-Fertigung in Spring Hill im September waren die Zellen vor allem für große Pick-ups und SUVs gedacht, jetzt sollen auch die meistverkauften Elektromodelle damit fahren.[1]
Was spart GM bei Kabeln und Teilen?
Die neue Elektronik-Architektur bündelt Umfelderkennung, Antrieb, aktive Sicherheit und Fahrwerk auf einem Zentralrechner.[2] Gegenüber heute braucht GM damit weniger Steuergeräte und 30 Prozent weniger Kabel.[1] Den Anfang macht 2028 der Cadillac Escalade IQ.[2]
Weniger Kabel heißt weniger Lieferrisiko. Im Sommer stockte die Produktion des Mercedes GLC auch deshalb, weil ein Hochwasser in Marokko die Fabrik eines Kabelbaum-Lieferanten beschädigt hatte. Für Bordnetz-Zulieferer sinkt mit jedem eingesparten Meter Kabel auch der Umsatz je Fahrzeug.
Für den LMR-Akku testete GM mehr als 300.000 Varianten im Rechner, vom ersten Konzept bis zur Freigabe des Projekts verging ein Monat.[1] Hyundai und Kia gehen ähnlich vor und prüfen die gesamte Bordelektronik im Labor, bevor ein Prototyp existiert.
Gelingt GM ein Akku zum LFP-Preis mit einem Drittel mehr Energiedichte, verliert Chinas Batterieindustrie ihren wichtigsten Preisvorteil.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Die Kathode einer LMR-Zelle besteht laut GM zu rund 65 Prozent aus Mangan und zu 35 Prozent aus Nickel, Kobalt fehlt fast ganz.[3] In der EU zählt Mangan in Batteriequalität seit 2024 zu den strategischen Rohstoffen, für die die Verordnung zu kritischen Rohstoffen Zielmarken für Abbau, Verarbeitung und Recycling setzt.[4] Für europäische Zellwerke würde sich der Rohstoffbedarf damit von Nickel zu Mangan verschieben.
Ob die Plattform nach Europa kommt, steht nicht fest: GM verkauft hier nur einzelne Cadillac-Elektromodelle.
Die offene Frage ist die Haltbarkeit. LMR-Zellen litten lange unter kurzer Lebensdauer und sinkender Spannung, GM will beides mit neuen Zusätzen und Beschichtungen gelöst haben.[3] Felddaten aus Serienautos fehlen noch. Planen Sie Flottenfahrzeuge mit LMR-Akku ein, verlangen Sie eine Garantie auf die Restkapazität und vergleichen Sie diese mit der Akku-Alterung heutiger Elektroautos.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- General MotorsSpeed and simplicity shape GM’s fourth-generation EVs
- General MotorsGM Forward: Engineering the intelligence-defined vehicle for everyone
- General MotorsWhy LMR batteries will change the outlook for the EV market
- EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1252 zur Schaffung eines Rahmens zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen Rohstoffen, Art. 5 und Anhang I
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