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Von einem Handytarif für 100 Yuan bucht China Mobile seit Januar nur noch rund 91,70 Yuan als Umsatz, vorher waren es 94,40 Yuan. Peking hat die Mehrwertsteuer auf Datenvolumen, SMS und Breitband von 6 auf 9 Prozent angehoben. Im dritten Quartal sank der Umsatz im Kerngeschäft des gemessen an der Kundenzahl größten Netzbetreibers der Welt um 5,1 Prozent.

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China Mobile hat zwischen Juli und September drei Millionen Mobilfunkkunden und 5,3 Millionen Breitbandkunden hinzugewonnen. Eingenommen hat der Konzern trotzdem weniger: 242,3 Milliarden Yuan, umgerechnet 32,3 Milliarden Euro, 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[1][2]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 1. Januar 2026 gilt in China für Datenvolumen, SMS und Breitband der Steuersatz für Basisdienste von 9 statt 6 Prozent.
  • Bei Privatkunden mit Bruttopreisen geht die Differenz vom Umsatz ab, bei Firmenkunden kann der Konzern sie weitergeben.
  • Der Gewinn fiel im dritten Quartal um 12,2 Prozent, ohne Sondereffekte blieb er fast gleich.
  • Die Zahl der Karten für vernetzte Geräte sank im dritten Quartal um 14,5 Millionen, nach einem Zuwachs von 29,6 Millionen im ersten Halbjahr.

Warum sinkt der Umsatz trotz neuer Kunden?

SIM-Karte mit orangefarbenem Anhänger (+3 %) und einem Holzstempel
Chinas Finanzministerium erhöht ab 1. Januar 2026 die Mehrwertsteuer auf Datenvolumen, SMS, MMS und Breitband von 6 auf 9 Prozent

Chinas Finanzministerium und die Steuerverwaltung haben Datenvolumen, SMS und MMS sowie den Breitbandzugang zum 1. Januar 2026 neu eingeordnet. Bis Ende 2025 galten sie als Mehrwertdienste mit 6 Prozent Mehrwertsteuer, seitdem zählen sie zu den Basisdiensten wie Telefonate und kosten 9 Prozent.[3] Alle drei staatlichen Netzbetreiber kündigten im Februar an, die Umstellung werde Umsatz und Gewinn belasten. Wie stark, sagte keiner.[4]

Den Mechanismus erklärte ein Steuerexperte, den die Zeitung The Paper nicht namentlich nennt: Tarife für Privatkunden sind in China Bruttopreise. Bleibt der Preis gleich, steigt nur der Anteil des Staates. Aus 100 Yuan, rund 13,30 Euro, werden nach Abzug der Steuer statt 94,40 nur noch 91,70 Yuan Umsatz, knapp 3 Prozent weniger. Bei Firmenkunden mit Nettopreisen kann der Netzbetreiber die höhere Steuer weitergeben, und die Kunden ziehen sie als Vorsteuer wieder ab.[4]

Diese Rechnung passt zu den Zahlen. Das Kerngeschäft, also Mobilfunk, Breitband und Dienste für Firmen, brachte in den ersten neun Monaten 657,7 Milliarden Yuan, umgerechnet 87,7 Milliarden Euro, 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr.[1] Die übrigen Erlöse stiegen um 11,1 Milliarden Yuan, rund 1,5 Milliarden Euro. Noch etwas stärker, um 11,5 Milliarden Yuan, stieg der Wareneinsatz für verkaufte Geräte und Handelswaren. Den Zuwachs bei den Nebenerlösen hat der Wareneinsatz damit vollständig aufgezehrt.[1]

Wie stark trifft das den Gewinn?

In den ersten neun Monaten verdiente China Mobile 106,2 Milliarden Yuan, umgerechnet 14,2 Milliarden Euro, und damit 7,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fiel von 33,4 auf 31,7 Prozent.[1] Im dritten Quartal allein sank der Gewinn um 12,2 Prozent auf 27,3 Milliarden Yuan, rund 3,6 Milliarden Euro. Rechnet man einmalige Posten heraus, blieb er laut The Paper mit 28,7 Milliarden Yuan fast auf Vorjahreshöhe, ein Minus von 0,2 Prozent.[2]

Auffällig ist eine Zahl in der Kundenstatistik: Die Zahl der Karten für vernetzte Geräte wie Stromzähler oder Fahrzeuge sank im dritten Quartal um 14,5 Millionen auf knapp 1,5 Milliarden. Im ersten Halbjahr waren noch 29,6 Millionen hinzugekommen. Einen Grund nennt der Konzern nicht.[5] Im Gerätegeschäft fehlt seit Ende September zudem ein Verkaufsweg: Die drei Netzbetreiber nehmen keine Anträge für Handys auf Raten mehr an.

Wie stark die Steuer die beiden kleineren Konkurrenten trifft, zeigt sich Ende Oktober. China Unicom hat die Vorlage seiner Neunmonatszahlen vom 23. auf den 29. Oktober verschoben.[6] Als Ausweg sieht China Mobile Rechenleistung und KI-Dienste, der Konzern will sich vom Netzbetreiber zum Technologiedienstleister wandeln. Eigene Umsatzzahlen für dieses Geschäft enthält die Quartalsmitteilung nicht.

Nimmt der Staat drei Prozentpunkte mehr vom Handytarif, merkt das zuerst die Bilanz des Netzbetreibers und erst später der Kunde.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Mehr Kunden, weniger Umsatz
China Mobile im dritten Quartal 2026, umgerechnet zum EZB-Kurs vom 21. Oktober 2026
6 → 9 %
Mehrwertsteuer auf Datenvolumen, SMS und Breitband seit dem 1. Januar 2026
27,3 Mrd. €
Umsatz im Kerngeschäft, 5,1 Prozent weniger als im Vorjahresquartal
3,6 Mrd. €
Gewinn, 12,2 Prozent weniger, ohne Sondereffekte nur 0,2 Prozent
−14,5 Mio.
Karten für vernetzte Geräte, der einzige Kundenbestand, der schrumpfte

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Für Firmen mit Niederlassungen in China ändert sich wenig, wenn ihr Vertrag mit dem Netzbetreiber Nettopreise vorsieht und sie zum Vorsteuerabzug berechtigt sind: Die höhere Steuer steht dann auf der Rechnung und lässt sich verrechnen.[4] Ob netto oder brutto vereinbart ist, zeigt ein Blick in den Vertrag.

Die Telekommunikation ist nicht die einzige Technologiebranche, bei der Peking 2026 mehr Steuern einnimmt. Seit September zahlen Hersteller eine Verbrauchsteuer auf Batterien, die bei CATL auf die Marge drückt, und für exportierte Elektroautos erstattet China weniger Mehrwertsteuer.

In Deutschland stellt sich die Frage nach Basis- und Mehrwertdiensten nicht. Telefonate, Datenvolumen und Internetzugang unterliegen gleichermaßen dem Regelsatz von 19 Prozent, einen ermäßigten Satz sieht § 12 UStG dafür nicht vor.[8] Die EU erlaubt ihren Mitgliedstaaten zwar seit 2022, Internetzugänge ermäßigt zu besteuern, wenn sie Teil einer nationalen Digitalisierungspolitik sind.[7] Deutschland nutzt das nicht. Preise steigen hierzulande trotzdem, aber aus anderen Gründen: Die Telekom verlangt seit Oktober von Neukunden bis zu 5 Euro mehr im Monat.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. China MobileResults for the First Three Quarters of 2026 (englisch, 20. Oktober 2026, Mitteilung an die Börse Hongkong)
  2. The PaperChina Mobile: Nettogewinn im dritten Quartal 12 Prozent niedriger, Umsatz im Kerngeschäft 5,1 Prozent niedriger (chinesisch)20.10.2026
  3. YicaiChina Mobile: Steuerliche Einordnung von Telekommunikationsdiensten geändert, Mehrwertsteuersatz von 6 auf 9 Prozent (chinesisch, 1. Februar 2026), zur Bekanntmachung des Finanzministeriums und der Steuerverwaltung 2026 Nr. 9
  4. The PaperMehrwertsteuer steigt von 6 auf 9 Prozent: Wie stark trifft das die drei Netzbetreiber? (chinesisch)02.02.2026
  5. China MobileCustomer Statistics for the Third Quarter of 2026 (englisch, 20. Oktober 2026, Mitteilung an die Börse Hongkong)
  6. China Unicom (Hong Kong)Change of Board Meeting Date (englisch, 19. Oktober 2026, Mitteilung an die Börse Hongkong)
  7. Amtsblatt der EURichtlinie (EU) 2022/542 des Rates vom 5. April 2022 zur Änderung der Richtlinien 2006/112/EG und (EU) 2020/285 in Bezug auf die Mehrwertsteuersätze, Anhang III Nr. 8
  8. Bundesministerium der Justiz§ 12 UStG, Steuersätze

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