Merck hat im südkoreanischen Eumseong ein Werk für Molybdändioxiddichlorid eröffnet. Aus dem Stoff entstehen hauchdünne Metallschichten in Speicherchips, wo bisher meist Wolfram sitzt. Was das Werk gekostet hat und welche Mengen dort entstehen, sagt der Darmstädter Konzern nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Was, wenn sich die Nachfrage nach Halbleitermaterialien in den nächsten fünf Jahren verdoppelt? Sind wir bereit?“, fragte Benjamin Hein am Mittwoch in Seoul.[1] Der Chef der Elektroniksparte von Merck ist seit Mai im Amt und reiste zum ersten Mal in dieser Funktion nach Südkorea. Am Donnerstag eröffnete er dort die neue Anlage.
Das Wichtigste in Kürze
- Merck stellt in Eumseong einen Ausgangsstoff her, aus dem sich Molybdän in dünnen Schichten auf Chips abscheiden lässt.
- Zuerst geht das Material in 3D-NAND-Flashspeicher, später sollen DRAM und Logikchips folgen.
- Das Werk ist Teil eines Investitionsprogramms von 600 Millionen Euro, das Merck 2021 für Südkorea angekündigt hat.
- Erste Lieferungen an Kunden sind noch für dieses Jahr geplant.
Warum ersetzt Molybdän das Wolfram?

In 3D-NAND-Speichern stapeln die Hersteller Hunderte Lagen von Speicherzellen übereinander. Die Wortleitungen, die diese Zellen ansteuern, bestehen bisher meist aus Wolfram. Wolfram braucht eine eigene Barriereschicht, die schlecht leitet und in den immer engeren Strukturen Platz kostet. Molybdän kommt ohne sie aus, erklärte Bing Han, der bei Merck das Geschäft mit Dünnschichtmaterialien leitet.[2]
Samsung setzt Molybdän laut Korea Herald seit 2024 in seiner neunten V-NAND-Generation ein, SK Hynix bereitet den Einsatz für 375-Lagen-NAND vor.[1] Beide fertigen in Südkorea. Bei Problemen sei man innerhalb einer Stunde mit dem Auto in der Fabrik des Kunden, sagte Hein.[2]
Molybdändioxiddichlorid ist ein Präkursor: Der Stoff wird in der Prozesskammer verdampft und schlägt sich Atomlage für Atomlage auf dem Wafer nieder. Merck liefert ihn zusammen mit einem Zuführsystem aus dem Werk Ansan, das den Stoff dosiert in die Kammer leitet und laut Merck mehr als 99 Prozent des eingefüllten Materials nutzt.[3] Kim Woo-kyu, Chef von Merck Korea, rechnet trotzdem mit langen Tests, weil die Chipindustrie neue Stoffe nur vorsichtig einführt.[4]
Was bringt das Werk für Merck?
Südkorea zählt Hein zu den drei wichtigsten Märkten für Halbleitermaterialien. „Selbst wenn nur 50 Prozent der Pläne der koreanischen Chiphersteller in den nächsten fünf Jahren aufgehen, bedeutet das gewaltiges Wachstum“, sagte er.[4] Die Branche baut ihre Materialwerke neben die Chipfabriken: Merck eröffnete im Dezember 2025 einen Standort in Taiwan, am Montag kündigte BASF ein Werk für Materialien für Chips mit Strukturen unter 2 Nanometern in Taiwan an.
Das Werk in Eumseong stellt seit 2015 Präkursoren für hauchdünne Isolierschichten her und gehört seit 2023 zu Merck, rund 100 Menschen arbeiten dort.[3] Den Betrag für die neue Anlage und ihre Kapazität hält Merck mit Verweis auf seine Kunden zurück.
Molybdän macht Speicherchips ein Stück unabhängiger von Wolfram, dessen Ausfuhr China seit 2025 kontrolliert.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Wechsel für Europas Rohstoffrisiko?
Für Wolfram gilt in China seit Februar 2025 eine Exportkontrolle, die unter anderem Wolframoxid und Ammoniumparawolframat erfasst. Bei Molybdän betrifft dieselbe Bekanntmachung nur ein besonders feines Pulver für Raketenteile.[5] Die EU führt Wolfram als strategischen und kritischen Rohstoff, Molybdän steht auf keiner der beiden Listen.[6]
Je mehr Speicherhersteller auf Molybdän umsteigen, desto weniger hängt ihre Fertigung an Wolfram. Ob Merck den Präkursor auch für europäische Chipfabriken wie die in Dresden herstellen will, geht aus den Berichten nicht hervor.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- The Korea HeraldMerck opens Korean chip materials plant to meet advanced memory demand
- The Korea TimesMerck opens new semiconductor materials facility in Korea
- Korea IT TimesMerck Opens New Molybdenum Production Facility in South Korea to Advance Next-Generation Semiconductor Manufacturing (22. Oktober 2026, mit der Mitteilung von Merck Korea)
- Korea JoongAng DailyMerck begins making molybdenum in Korea for next-generation chips
- Handelsministerium und Zollverwaltung der Volksrepublik ChinaBekanntmachung 2025 Nr. 10 zur Exportkontrolle für Wolfram, Tellur, Bismut, Molybdän und Indium (4. Februar 2025, Abdruck bei Xinhua)
- Europäische UnionVerordnung (EU) 2024/1252 zur Schaffung eines Rahmens zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen Rohstoffen, Anhänge I und II
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