Qualcomm-Chef Cristiano Amon baut weltweit Stellen ab und stützt die Auswahl auf die jährliche Leistungsbeurteilung. Die ersten Benachrichtigungen verschickt der Chipkonzern im November, wie viele Stellen wegfallen, sagt Qualcomm nicht. Für eine Kündigung in Deutschland reicht eine schwache Note allein nicht aus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenUm ein Fünftel ist Qualcomms Umsatz mit Smartphone-Chips im Quartal bis Ende Juni eingebrochen, von 5,51 auf 4,42 Milliarden Euro (umgerechnet mit 0,87 Euro je US-Dollar).[1] In einem internen Schreiben, das die Nachrichtenagentur Reuters eingesehen hat, kündigt Amon nun einen „leistungsbezogenen Abbau“ an.[2] Laut Reuters schreibt Amon, der Konzern habe „die Erwartungen immer wieder verfehlt“; der Abbau soll eine „stärkere Leistungskultur“ schaffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Qualcomm baut weltweit Stellen ab, neben Geschäftszielen und Fähigkeiten zählt die jährliche Leistungsbeurteilung.
- Ende September 2025 beschäftigte der Konzern rund 52.000 Menschen, eine Zahl für den Abbau nennt Qualcomm nicht.
- Im Handygeschäft sank der Umsatz um 20 Prozent, die Ausgaben für Entwicklung stiegen um 17 Prozent.
- In Deutschland braucht eine Kündigung wegen schwacher Leistung deutlich mehr als eine Note.
Warum baut Qualcomm gerade jetzt ab?

Qualcomms Kerngeschäft leidet unter den Speicherpreisen. Laut Quartalsbericht nahmen große Handyhersteller weniger Chips ab, um ihre Lager abzubauen, weil knapper und teurer Speicher ihre Produktion bremst.[1] Wie stark der Markt nachgibt, zeigen Xiaomi, Oppo und vivo, die im dritten Quartal ein Drittel weniger Smartphones auslieferten. Hinzu kommt Apple: Der iPhone-Hersteller setzt zunehmend eigene Modems ein, Qualcomm erwartet deshalb erhebliche Einbußen beim Chipumsatz.[1]
Gleichzeitig wachsen die Kosten. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen im Quartal von 1,94 auf 2,27 Milliarden Euro, Vertrieb und Verwaltung kosteten 27 Prozent mehr.[1] Das Geld fließt in neue Märkte: Chips für Autos brachten 61 Prozent mehr Umsatz, und Amazon bekam im September Optionsrechte auf Qualcomm-Aktien, gekoppelt an Käufe von Serverchips für bis zu 52 Milliarden Euro.[3] Amon begründet den Abbau mit genau diesem Umbau: „Mit dem Geschäft sind auch die Kompetenzen und Fähigkeiten gewachsen, die wir benötigen.“[2]
Was steckt hinter einem Abbau nach Noten?
Die Jahresbeurteilung dient Qualcomm als Auswahlverfahren. In den USA dürfen Arbeitgeber in der Regel ohne Angabe von Gründen kündigen, die Note steuert dort vor allem die Auswahl. Abfindungen zahlt Qualcomm schon länger: In den neun Monaten bis Ende Juni verbuchte der Konzern 84 Millionen Euro für Umstrukturierung, fast vollständig für Abfindungen.[1]
Das Muster kennt die Branche von Meta. Im Januar 2025 kündigte Mark Zuckerberg an, rund fünf Prozent der Stellen abzubauen und dabei die Leistungsschwächsten auszuwählen; Beschäftigte in den USA sollten bis zum 10. Februar Bescheid bekommen, im Ausland später.[4] Wie angreifbar solche Kriterien sind, zeigt die Klage von 26 früheren Meta-Beschäftigten, deren Auswahl an Produktivitätsdaten und am Verbrauch von KI-Token gehangen haben soll.
Was gilt, wenn der Abbau deutsche Betriebe erreicht?
Nach sechs Monaten im Betrieb braucht jede Kündigung einen Grund in der Person, im Verhalten oder in betrieblichen Erfordernissen.[5] Für schwache Leistung verlangt das Bundesarbeitsgericht, dass jemand den Durchschnitt vergleichbarer Kollegen deutlich und längerfristig unterschreitet (Urteil vom 11. Dezember 2003, 2 AZR 667/02), in der Regel nach einer Abmahnung. Allgemeine Beurteilungsgrundsätze brauchen außerdem die Zustimmung des Betriebsrats.[6] Entfallen in einem Betrieb mit mindestens 500 Beschäftigten 30 oder mehr Stellen binnen 30 Tagen, muss der Arbeitgeber das vorab der Agentur für Arbeit anzeigen.[7]
Für deutsche Töchter von US-Konzernen folgen daraus zwei Aufgaben:
- Prüfen Sie, ob das Bewertungssystem der Konzernzentrale mit dem Betriebsrat vereinbart ist, bevor Noten in Personalentscheidungen einfließen.
- Belegen Sie Minderleistung mit Vergleichswerten und Abmahnungen, eine Rangliste aus der Zentrale ersetzt beides nicht.
Wie Qualcomm sein Geld mit Lizenzen und Chips verdient, zeigt die Analyse des Geschäftsmodells.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- QualcommForm 10-Q für das Quartal bis 28. Juni 2026 (SEC)
- Reuters, Exklusivbericht über ein internes Schreiben von Cristiano AmonQualcomm to cut jobs worldwide in performance-focused layoffs, internal memo shows (20. Oktober 2026, hinter Bezahlschranke)
- QualcommForm 8-K, Item 3.02, Optionsrechte für Amazon (SEC)
- Bloomberg, Bericht über ein internes Schreiben von Mark ZuckerbergMeta Is Planning to Cut 5% of Lowest Performers, Memo Shows (14. Januar 2025, hinter Bezahlschranke)
- Kündigungsschutzgesetz§ 1 KSchG, Sozial ungerechtfertigte Kündigungen
- Betriebsverfassungsgesetz§ 94 BetrVG, Personalfragebogen, Beurteilungsgrundsätze
- Kündigungsschutzgesetz§ 17 KSchG, Anzeigepflicht
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