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Umgerechnet 1,74 Euro Schadenersatz muss Arm an Qualcomm zahlen. Eine Jury in Delaware wertet das Verhalten des Chipdesigners als Bruch des Lizenzvertrags und als gezielten Eingriff in ein Chipgeschäft mit Meta. Teuer kann der Befund für Arm trotzdem werden, denn Richterin Maryellen Noreika entscheidet noch über bis zu fünf Jahre ohne Lizenzgebühren für Qualcomm.

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„Ein Sieg für Innovation und Wettbewerb“: So kommentierte Qualcomm am Dienstag den Spruch der Geschworenen.[1] Arm wertet denselben Spruch als Bestätigung, weil die Jury nur einen symbolischen Betrag zusprach. Die teurere Frage nach den Lizenzgebühren ist damit noch offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arm hat laut Jury zugesagte Software-Patches und Werkzeuge nicht geliefert und vorsätzlich in Qualcomms Geschäft mit Meta eingegriffen.
  • Den behaupteten Schaden von rund 148 Millionen Euro sahen die Geschworenen nicht belegt. Zugesprochen wurde ein Dollar pro Vorwurf, zusammen 1,74 Euro.
  • In den übrigen Punkten, darunter Arms Preisgestaltung, entschied die Jury für Arm.
  • Ob Qualcomm bis zu fünf Jahre lang keine Lizenzgebühren zahlen muss, entscheidet nun die Richterin.

Was hat die Jury entschieden?

Ein Marmorhammer auf einem Prozessor, daneben Münzen und ein Schild mit
Arm verletzt Lizenzvertrag mit Qualcomm und schadet Meta-Chipgeschäft. Geschworene verurteilen zu symbolischem Schadensersatz wegen fehlender Software-Patches

Arm hat den Lizenzvertrag mit Qualcomm gebrochen und das Chipgeschäft mit Meta vorsätzlich gestört, den Schadenersatz setzten die Geschworenen aber nur symbolisch an. So entschied die Bundesjury in Delaware am 13. Oktober.[2] Laut Reuters liegt der Vertragsbruch darin, dass Arm vertraglich geschuldete Software-Patches und Entwicklungswerkzeuge nicht lieferte.

Der Betrag von zwei Dollar ist kein Rechenfehler, sondern ein Nominalschaden. Diesen Ersatz sieht das US-Vertragsrecht vor, sobald Geschworene den Bruch eines Vertrags feststellen, der Kläger aber keinen bezifferbaren Verlust nachweist. Qualcomm hatte vorgetragen, das Meta-Geschäft habe nach Arms Kündigungsdrohung von 2024 umgerechnet rund 148 Millionen Euro an Wert verloren (Kurs 0,87 Euro je Dollar). An der Börse gab die Arm-Aktie nach dem Urteil um rund 1 % nach, Qualcomm legte um 1 % zu.

Warum zählt der Befund mehr als der Betrag?

Der festgestellte Vertragsbruch ist die Voraussetzung für Qualcomms eigentliche Forderung: bis zu fünf Jahre ohne Lizenzgebühren an Arm, laut Reuters ein Milliardenbetrag. Ob die Klausel im Lizenzvertrag durchsetzbar ist, verhandelte Richterin Noreika bereits Mitte September ohne Geschworene. Arm hält die Strafklausel für unwirksam.

Hinter dem Streit steht Arms Umbau vom Lizenzgeber zum Chipanbieter. Mit der AGI CPU verkauft Arm seit März 2026 einen eigenen Prozessor für Rechenzentren, Hauptkunde ist Meta. Für Qualcomm, das seit der Übernahme von Nuvia eigene Arm-kompatible Kerne entwickelt, ist der Lizenzgeber damit zugleich Konkurrent. Die Vorgeschichte haben wir zum Prozessauftakt aufgeschrieben. Schon im Dezember 2024 hatte eine Jury entschieden, dass Qualcomm im Streit um die Nuvia-Lizenzen den Vertrag nicht verletzt hat.

Das Urteil im Streit Qualcomm gegen Arm
Was die Jury in Delaware entschieden hat und was offen bleibt
1,74 €
Schadenersatz spricht die Jury Qualcomm insgesamt zu, je 0,87 € für zwei Vorwürfe
148 Mio. €
Wertverlust beim Chipgeschäft mit Meta hatte Qualcomm geltend gemacht
5 Jahre
ohne Lizenzgebühren verlangt Qualcomm, darüber entscheidet die Richterin
2033
endet der Lizenzvertrag zwischen Qualcomm und Arm

Die Vorwürfe und der Spruch der Geschworenen

VorwurfErgebnis
Arm hielt Software-Patches und Werkzeuge zurückVertragsbruch festgestellt, 0,87 €
Arm störte das Chipgeschäft mit MetaVorsätzlicher Eingriff festgestellt, 0,87 €
Übrige Vorwürfe, darunter Arms PreisgestaltungDie Jury entscheidet für Arm
Fünf Jahre ohne LizenzgebührenOffen, Richterin Maryellen Noreika entscheidet

Was bedeutet das Urteil für Chipkunden in Europa?

Das Urteil stärkt Lizenznehmer: Ein Lizenzgeber mit eigenem Chipgeschäft muss zugesagte Patches und Werkzeuge trotzdem liefern. Arms Befehlssatz steckt in Mikrocontrollern von Infineon, NXP und STMicroelectronics, also in Steuerungen für Autos und Maschinen. Qualcomm beschwerte sich im März 2025 neben der US-Handelsaufsicht FTC auch bei der EU-Kommission über Arms Lizenzpraxis. Stuft die Kommission Arm als marktbeherrschend ein, verbietet Artikel 102 AEUV, Wettbewerbern Lizenzen zu verweigern oder zu verschlechtern.

Arm zahlt Qualcomm nur 1,74 Euro, doch der festgestellte Vertragsbruch öffnet Qualcomm den Weg zu fünf gebührenfreien Jahren.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Für Einkaufs- und Entwicklungsleiter, deren Produkte auf Embedded-Systemen mit Arm-Kernen laufen, ergeben sich zwei Aufgaben:

  • Prüfen Sie gerne, ob Ihre Lieferverträge den Zugang zu Patches und Entwicklungswerkzeugen regeln, auch für den Fall, dass Ihr Lieferant mit Ihnen konkurriert.
  • Halten Sie bei der nächsten Plattformwahl eine RISC-V-Alternative offen. Das Münchner Gemeinschaftsunternehmen Quintauris, an dem Qualcomm beteiligt ist, entwickelt dafür Referenzdesigns für Autos.

Einen Termin für die Entscheidung der Richterin hat das Gericht nicht genannt.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. QualcommQualcomm Statement on Trial Verdict Win13.10.2026
  2. CourtListenerQualcomm Incorporated v. ARM Holdings PLC, 1:24-cv-00490 (D. Del.), Verfahrensakte

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